Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgerinitiative „Gasrebellen“ macht gegen Abschaltung des Gasnetzes mobil

Mit so viel Resonanz hat er nicht gerechnet: Initiator Andreas Kostarellis (links) bei der Gründung der Bürgerinitiative „Mannhe
Mit so viel Resonanz hat er nicht gerechnet: Initiator Andreas Kostarellis (links) bei der Gründung der Bürgerinitiative »Mannheim gibt Gas« im überfüllten Feudenheimer Schützenhaus.

Mehr als 250 Interessenten sind zur Gründungsversammlung der Bürgerinitiative „Mannheim gibt Gas“ in Feudenheim gekommen. Die ersten Schritte stehen bereits fest.

Andreas Kostarellis blickt fassungslos in den Saal. Mit so viel Resonanz auf sein Rundschreiben hat er wirklich nicht gerechnet. Das Schützenhaus in Feudenheim hat früher zwar schon heftige Protestkundgebungen miterlebt. Linke draußen randalierten gegen Treffen der Rechten drinnen. Dass bei einer Versammlung die Stühle ausgehen, daran kann sich der Wirt jedoch nicht erinnern. Über 250 Hausbesitzer und Mieter aus vielen Stadtteilen, die eine Gasheizung nutzen, sind dem Ruf des Organisators gefolgt, eine Bürgerinitiative aus der Taufe zu heben. Für ihr gemeinsames Ziel, das bis 2035 geplante Ende der Erdgasversorgung zu verhindern, wollen sie jetzt „Vollgas geben“. Mit dem 73-jährigen Kostarellis, den sie zum Sprecher wählten, machen sie mobil gegen die MVV Energie AG.

„Wir lassen uns das Gasnetz nicht klauen“, ruft der Friseurmeister unter dem Jubel der hauptsächlich älteren Zuhörerschaft. Erst einige Monate zuvor habe er, der sich bereits seit zehn Jahren mit der Energiewende und ihren Folgen für Otto Normalverbraucher befasst, eine neue Gasheizung in sein Haus einbauen lassen – er sei also persönlich betroffen. „Das Geld, das ich habe, habe ich als meine Altersversorgung eingeplant. Ich habe keine Lust, das jetzt für den nächsten Heizungsumbau auszugeben“, schimpft er. Und er habe sich vor Kurzem über ein fruchtloses Gespräch mit einem MVV-Abteilungsleiter geärgert.

Geharnischtes Schreiben

Als nächstes auf der Agenda der „Gasrebellen“ steht ein geharnischtes Schreiben an den Aufsichtsrat des Energieversorgers. „Wir wollen die Gasnetze behalten und damit auch die Vielfalt der Versorgung sichern“, begründet der ehemalige Grüne sein Engagement. Vor dem Hintergrund der politischen Unwägbarkeiten sei es wesentlich sicherer, sich energiepolitisch breiter als geplant aufzustellen und der seit August geltenden europäischen Gas- und Wasserstoffbinnenmarktrichtlinie zu trotzen, glaubt Kostarellis.

Der prominenteste Mitstreiter im Saal heißt Hans-Peter Schwöbel. Der Wallstadter Satiriker und Bloomaulordenträger hält nichts von einem deutschen Alleingang in Sachen Klimaschutz und dem bis 2045 geplanten, weitgehenden Ausstieg aus fossilen Brennstoffen wie Erdgas. „In meinem Stadtteil haben wir keine Möglichkeit, an die Fernwärme angeschlossen zu werden. Und ich kenne in meinem Umfeld zahlreiche Menschen, die sich den Einbau einer Wärmepumpe nicht leisten können. Die sind jetzt verzweifelt und gehen zu recht gegen die Entscheidung der MVV Energie auf die Barrikaden“, so der renommierte Dialektdichter gegenüber der RHEINPFALZ.

Über 2000 Flyer verteilt

Ähnlich bewertet es auch Wolfgang Steinmann aus Sandhofen: „Die Horrormeldung der MVV betrifft nicht nur die 25.000 Haushalte in Mannheim. Auch umliegende Städte und Gemeinden wie Ladenburg werden vor den Kopf gestoßen.“ Da könnten gut und gerne noch einmal so viele Bürger betroffen sein, glaubt er. Aus diesem Grund hatten etwa zwei Dutzend Mitstreiter die Flugblattaktion „Mannheim gibt Gas“ gestartet und eine gleichnamige Webseite auf die Beine gestellt. Über 2000 Flyer seien verteilt worden. „Mit dem Ergebnis sind wir vollauf zufrieden“, sagt Steinmann nicht ohne Stolz und zeigt auf den völlig überfüllten Raum.

Am Ende der zweistündigen Gründungsversammlung zieht auch der Initiator eine positive Bilanz: „Gut 150 Besucher haben sich eingetragen, künftig als beitragsfreie Mitglieder der neuen Bürgerinitiative noch mehr Öffentlichkeit gegen die MVV-Pläne zu mobilisieren.“ Ein Großteil werde sich auch aktiv an künftigen Aktionen beteiligen, so der einstimmig gewählte Sprecher.

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