Bestseller der Buchhandlungen RHEINPFALZ Plus Artikel Auf die Verkaufszahlen kommt es an

Aldous Huxley, Autor der Dystopie „Schöne Neue Welt“, warnte 1946 in seinem Essay „Zeit der Oligarchen“ vor einer mit dem wissen
Aldous Huxley, Autor der Dystopie »Schöne Neue Welt«, warnte 1946 in seinem Essay »Zeit der Oligarchen« vor einer mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt einhergehenden Machtkonzentration.

Am gefragtesten war im Mai auf der regionalen Bestsellerliste Pierre Martin mit „Madame le Commissaire“. Auch Freida McFaddens jüngster Thriller hat gute Plätze eingenommen.

Für gewöhnlich ist es ja so, dass Schriftsteller Preise bekommen, die die Aufmerksamkeit steigern, ihre Bücher gekauft werden und sie eventuell sogar auf Bestsellerlisten landen und so nicht am Hungertuch nagen müssen. Der angesehenste und älteste Literaturpreis Frankreichs etwa, der Prix Goncourt, ist mit der lächerlichen Summe von zehn Euro dotiert. Der Autor oder die Autorin – beziehungsweise ihr Verlag – kann sich jedoch sicher sein, dass durch die Nachfrage hohe Absatzzahlen erzielt werden und Geld in ihre Kasse fließt.

Unter den über tausend Literaturpreisen, die in Deutschland jedes Jahr von Staats wegen, von Verbänden, Stiftungen und Verlagen, von Akademien, Vereinen oder auch von betuchten Privatpersonen vergeben werden, sticht jetzt einer hervor. Das Marktforschungsunternehmen Media Control, das auch die wöchentlichen „Spiegel“-Bestsellerlisten erstellt, kehrt diese gleichsam natürliche Folge nämlich um und geht vom Ergebnis aus. Am 24. Juni wird es mit einem Festakt im Kurhaus Baden-Baden eine Schriftstellerin und zwei Schriftsteller auszeichnen, die nichts miteinander gemeinsam haben, als dass ihre Bücher sehr hohe Verkaufszahlen vorweisen können.

Fitzek, Juli Zeh und Campino

Der Thrillerautor Sebastian Fitzek – wie könnte es anders sein? – bekommt für 21 Millionen verkaufter Bücher im Laufe seiner Karriere einen „Diamant-Award“ (Man beachte die Sprachpanscherei!). Die ehrenamtlich als Verfassungsrichterin in Brandenburg tätige Juli Zeh muss mit einem Platin-Award für sechs Millionen verkaufte Bücher vorlieb nehmen. Und der kaum als Buchautor in Erscheinung getretene, in die Jahre gekommene Punkrocker und Sänger der Band „Tote Hosen“, Campino, bekommt einen bescheidenen Gold-Award in die Hand gedrückt. Seine Autobiographie „Hope Street“, zu Deutsch „Hoffnungsstraße“ mit dem Untertitel „Wie ich einmal englischer Meister wurde“, fand nämlich seit ihrem Erscheinen vor sechs Jahren sage und schreibe 150.000 Käufer.

Die Botschaft, die Media Control mit dem Preis aussendet, ist unmissverständlich: Nicht auf die Qualität eines Buches kommt es an, sondern auf die Quantität, nämlich die Verkaufszahlen. Nicht was drinsteht in einem Buch, ist preiswürdig, sondern vor allem das mit ihm verdiente Geld. Wie hoch nun wiederum das Preisgeld für die Preisträger ist, hat die Deutsche Presse-Agentur in ihrer Vorabmeldung nicht bekanntgegeben, vielleicht auch nur deshalb, weil Urkunde und Pokal schon der Ehre genug sind. Die drei Preisträger wollen den Festakt aber mit einer Lesung aus ihren Büchern krönen und auch über ihre Arbeit als Schriftsteller Auskunft geben.

Den Preis vergibt Media Control nun schon zum zweiten Mal, die Feierstunde mit wahrscheinlich exklusiv geladenen Gästen ist also auf dem besten Weg, zu einer lieben Tradition zu werden. Im vergangenen Jahr hat ihn Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Memoiren mit dem Titel „Freiheit“ bekommen, mit der Begründung, es handele sich um die am häufigsten gekaufte Biographie der vergangenen zehn Jahre. Angela Merkels Ehemann, der zurückhaltende und öffentlichkeitsscheue Quantenphysiker Joachim Sauer, hat sich vielleicht aufgrund des Verkaufserfolgs seiner Gattin ein Herz gefasst und will nun ebenfalls seine Erinnerungen veröffentlichen. Sie sollen, wie der S. Fischer Verlag mitteilte, „Mein richtiges Leben“ heißen und am 18. November erscheinen.

Aus der Reihe der regionalen Bestsellerliste, die gewöhnlich von Krimis, Thrillern, Liebesromanen für Erwachsene und New Adult beherrscht wird, tanzt Ferdinand von Schirach mit seinem Kinderbuch zur demokratischen Früherziehung. „Alexander“ steht seit seinem Erscheinen Ende Februar auf allen Listen , so auch im Mai wieder im Buchladen Gartenstadt. Aldous Huxley tanzt ebenfalls aus der Reihe. Es kommt nämlich selten vor, dass ein lange Verstorbener auf den Listen auftaucht, und der englische Schriftsteller mit Vorlieben für Mystik und psychedelische Erfahrungen ist schon seit über 60 Jahren tot. Sein bekanntestes Buch, „Schöne Neue Welt“, ist die sanfte, in einem gentechnisch organisierten Wohlfahrtsstaat spielende Gegendystopie zu „1984“, Orwells Entwurf eines brutalen totalitären Überwachungsstaats. In seinem 1946 entstandenen Essay „Zeit der Oligarchen“, vom Hanser Verlag wieder aufgelegt und bei Bücher Bender in Mannheim auf der Liste, warnt Huxley nun vor der demokratiegefährdenden Machtkonzentration durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Wie vorausschauend seine Warnung war, zeigt die Gegenwart mit dem ungeheuren Einfluss, den eine Handvoll Tech-Giganten weltweit ausübt.

Empfehlenswert ist daher auch Matthias Brandts Essay „Nein sagen“ (Platz drei bei Bücher Bender und auf der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch). In seinen Aufruf zu Zivilcourage und Widerstand gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hätte der Schauspieler, der mit seinem Roman „Blackbird“ vor ein paar Jahren einen Bestseller landete, vielleicht auch eine Warnung vor Konsum, der die Tech-Giganten reicher und reicher macht, einfügen sollen.

Lob für die Sprachkunst

Pierre Martins „Madame le Commissaire und die tödliche Rallye“ steht auch auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste in den Kategorien Belletristik und Taschenbuch. Hera Linds „Löwenmutter“ nimmt hier Platz zwei, Karen Sander mit „Verloren“ Platz vier ein. Elle Kennedys „The Deal“ steht auf Platz eins der „Spiegel“-Liste Belletristik Hardcover und „The Mistake“ auf Platz drei (beide auch bei Thalia in der Rheingalerie).

Hingewiesen sei noch auf Hannah Häffners „Die Riesinnen“ (bei Thalia in Frankenthal und bei Frank & Hugendubel in Limburgerhof). Der Hinweis ist weniger deshalb angebracht, weil Hannah Häffner eine gebürtige Heidelbergerin ist, als vielmehr deshalb, weil ihr Roman über drei Generationen von Frauen in einem Schwarzwalddorf – Mutter, Tochter und Großmutter – von der Kritik vor allem für seine Sprachkunst durchgängig gelobt worden ist.

Lesetipp

Leonie Swann: Widdersehen

Anke Klos von Thalia in der Ludwigshafener Rheingalerie empfiehlt „Widdersehen“ von Leonie Swann. Der Titel steht auch bei Thalia in Mannheim auf der Bestsellerliste. Miss Maple und Ihre Herde sind zurück! Nicht nur im dritten Band der Glennkill-Reihe, sondern auch wieder auf Ihrer Heimatweide. Und auch wenn sich auf den ersten Blick so einiges verändert hat, der nächste Fall lässt wie gewohnt nicht lange auf sich warten, und unsere mutigen Schäfchen - nebst Schaf auf Probe - stürzen sich in ein neues Abenteuer. „Humorvoll und philosophisch macht ,Widdersehen’ einfach nur Spaß und ist eine phantastische Lektüre für laue Frühsommerabende“, findet Anke Klos.

Bestsellerlisten

Buchladen Gartenstadt

1. Pierre Martin: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye
2. Ferdinand von Schirach: Alexander
3. Christoph Marx: 100 berühmte Zitate
4. Joachim Steinhöfel: Der Staat gegen Steinhöfel
5. Gina Greifenstein: Grumbeersupp

Leseecke Oppau

1. Petra Pellini: Der Bademeister ohne Himmel
2. Karen Sander: Die Tiefe – Verloren
3. Pierre Martin: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye
4. Evie Woods: Das Geheimnis des Geigenbauers
5. Julie Caplin: Ein Wiedersehen im Sommer

Thalia in der Rheingalerie

1. Elle Kennedy: The Deal – Reine Verhandlungssache
2. Pierre Martin: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye
3. Elle Kennedy: The Mistake – Niemand ist perfekt
4. Freida McFadden: Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
5. Sebastian Fitzek: Die Therapie

Thalia Frankenthal

1. Pierre Martin: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye
2. Gina Greifenstein: Grumbeersupp
3. Hera Lind: Die Löwenmutter
4. Martin Walker: Bredouille
5. Hannah Häffner: Die Riesinnen

Frank und Hugendubel

1. Robert Seethaler: Die Straße
2. Elizabeth Strout: Erzähl mir alles
3. Hannah Häffner: Die Riesinnen
4. Michael Hjorth und Bjarni Thorsson: Schlafende Vulkane
5. Christian Huber: Solange ein Streichholz brennt

Bücher Bender, Mannheim

1. Robert Seethaler: Die Straße
2. Lukas Rietzschel: Sanditz
3. Matthias Brandt: Nein sagen
4. Annette Dittert: Dear Britain
5. Aldous Huxley: Zeit der Oligarchen

Thalia auf den Planken

1. Pierre Martin: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye
2. Rosie Walsh: Du musst mich vergessen
3. Robert Seethaler: Die Straße
4. Leonie Swann: Widdersehen
5. Freida McFadden: Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?

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