Ludwigshafen
Asylbewerberzahlen gehen weiter zurück
Die Stadt Ludwigshafen werde im Rahmen der Zusagen der Bundesregierung in Berlin bis zu 15 Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen, informierte Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Die Bundesregierung habe sich darauf verständigt, insbesondere Kindern und Familien, deren Schutzbedürfnis von den griechischen Behörden bereits anerkannt worden ist, die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. Die Aufnahme werde in enger Abstimmung mit dem Land Rheinland-Pfalz erfolgen. Gespräche mit dem Land dazu finden bereits statt, erklärte die Beigeordnete.
„Humanitäre Verpflichtung“
„Ludwigshafen ist seit Januar Mitglied im Bündnis ,Sicherer Häfen'. Damit sind wir als Stadt und Stadtgesellschaft eine humanitäre Verpflichtung eingegangen, die wir einlösen wollen“, erklärte die Dezernentin weiter. Diese Entscheidung sei im Stadtvorstand einstimmig gefallen. Die Stadt habe bereits in der Vergangenheit mehr Flüchtlingen eine Perspektive gegeben, als sie nach dem Verteilerschlüssel des Bundes verpflichtet gewesen wäre. „Wenn alle Städte des Bündnisses ähnlich reagieren, ist dies ein gemeinsames und starkes Zeichen der Solidarität und der Mitmenschlichkeit“, verdeutlichte Steeg.
Scharff: Hetze entgegentreten
Empört über die jüngste Debatte in den sozialen Netzwerken über das Feuer in Moria und die Konsequenzen äußerte sich der Sprecher der SPD-Fraktion im Sozialausschuss, Holger Scharff. Er forderte alle politischen Parteien dazu auf, dieser menschenverachtenden Hetze entgegenzutreten.
Knapp 100 Flüchtlinge hat Ludwigshafen im laufenden Jahr der Verwaltung zufolge bisher aufgenommen. Deutlich weniger als 2019, da waren es 175. In den Jahren 2017 und 2018 kamen 418 und 272 Asylbewerber in die Chemiestadt. Jeweils mehr als 1000 Menschen waren es auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 und 2016. Die Flüchtlinge, die im Jahr 2020 in Ludwigshafen einquartiert wurden, waren in der Mehrzahl älter als 18 Jahre alt (62), 31 sind Kinder, heißt es aus dem Rathaus. Sie stammen überwiegend aus den Herkunftsländern Syrien (37) Afghanistan (10) und der Türkei (10).
Corona-Ausbruch sorgt für Schlagzeilen
Flüchtlingshelfer wie der Verein „Respekt: Menschen!“ kritisieren seit vielen Jahren die Unterbringung der Geflüchteten in Sammelunterkünften wie zum Beispiel im Rampenweg in Rheingönheim und im Containerdorf in der Mannheimer Straße in Oggersheim. Dort hatte ein Corona-Ausbruch Ende März wochenlang für Schlagzeilen gesorgt.
Die Sammelunterkunft stand ab April bis in den Mai unter Quarantäne. Nachdem sich zunächst zwei Bewohner mit dem Coronavirus infiziert hatten, gab es bis vor den Osterferien bereits 14 bestätigte Fälle. Am 14. April vermeldete das Gesundheitsamt dann 59 Betroffene, schließlich waren es 82. Mehr als die Hälfte der Männer aus dem Containerdorf mit Mehrbettzimmern und Gemeinschaftsküchen und -bädern hatte sich also in kurzer Zeit angesteckt. Die Infizierten und ihre Kontaktpersonen wurden in zwei anderen Sammelunterkünften im Süden und Norden der Stadt untergebracht, die ebenfalls unter Quarantäne standen. Schwere Krankheitssymptome hatte keiner der betroffenen Männer.
Unterkünfte: Kakerlaken und Ratten
Nicht nur wegen der Corona-Krise und der großen Gefahr, sich in den beengten Räumen einer Sammelunterkunft mit dem Virus zu infizieren, plädieren die Helfer von „Respekt: Menschen!“ dafür, die Geflüchteten möglichst dezentral in Wohnungen unterzubringen. Während des Corona-Ausbruchs hatte sich die Vorsitzende Brigitte Eckhardt sogar dafür ausgesprochen, die Sammelunterkünfte komplett zu schließen. Die Helfer beklagen zudem, dass es in den großen Quartieren Probleme mit Ungeziefer wie Kakerlaken und Rattenbefall gebe.