Ludwigshafen
Angespannte Corona-Lage: „Lehrer und Schüler sind am Limit“
In Ludwigshafen sind bisher 700 Verstöße gegen die Maskenpflicht seit der entsprechenden Allgemeinverfügung der Stadtverwaltung am 22. Oktober geahndet worden. Das sagte Martin Graf als Leiter des Ordnungsamts am Dienstagmittag. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gilt für Teile der Innenstadt. Graf zufolge gab es in den vergangenen beiden Wochen um die 1000 Kontrollen, darunter 250 Gaststättenkontrollen mit 60 Beanstandungen, etwa wegen fehlender Desinfektionsmittel. Seit Beginn der Corona-Krise gab es damit insgesamt etwa 6000 Kontrollen in der Stadt. Die Ausstellung von Quarantäne-Bescheiden laufe trotz der hohen personellen Anforderungen zügig, sagte Graf. Auf einen Infizierten kämen im Schnitt zwei Kontaktpersonen, die informiert werden müssten.
Zwei Imbisse geschlossen
Zwei Imbisse sind laut Graf geschlossen worden, weil sie im Innenraum Gäste bewirtet haben. Gegen die Betreiber wurden Bußgelder verhängt. Sollten sie sich künftig nicht an die seit 2. November geltenden Verordnungen des Landes halten, würden sie dauerhaft dichtgemacht, betonte Graf. Die Arbeitsbelastung der Kollegen des Kommunalen Vollzugsdiensts sei weiterhin hoch. Sie würden von Mitarbeitern der Verwaltung und der Polizei unterstützt. „Daher sind wir gut aufgestellt“, meinte Graf. Zusätzlich zu den bisher drei Verletzungen von Quarantäne-Bestimmungen seien ihm aktuell keine weiteren bekannt. Manche der erwischten Maskensünder hätten das Bußgeld (50 Euro) gleich bezahlt, gegen andere seien Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. Grafs Einschätzung zufolge halten sich zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung nicht an die Auflagen. Rund 175.000 Menschen leben in der größten Stadt der Pfalz. Nach Mainz ist Ludwigshafen die zweitgrößte Stadt im Land.
„Ministerium muss nachjustieren“
„Es gibt Handlungsbedarf“ – das sagte Bürgermeisterin und Schuldezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) am Dienstag mit Blick auf die sich zuspitzende Corona-Lage an Ludwigshafener Schulen. „Lehrer und Schüler sind am Limit.“ Daher sollte das Bildungsministerium nachjustieren, forderte die Stellvertreterin von Jutta Steinruck (SPD). Die Oberbürgermeisterin absolviert aus gesundheitlichen Gründen eine mehrwöchige Kur. Das für Schulen zuständige Land sollte wegen der steigenden Infektionszahlen über einen Wechsel- beziehungsweise Schichtunterricht nachdenken, regte Reifenberg an. Auch der Druck von Lehrerverbänden steige.
Wie sich aktuell die Gesamtsituation an den rund 50 Schulen darstelle, damit ist Ludwigshafen der größte Schulstandort landesweit, könne sie nicht sagen. Eine Meldepflicht an den Schulträger gebe es nicht, weshalb ihr ein Überblick fehle, erklärte Reifenberg. Eine dahingehende Anfrage bei dem im Rhein-Pfalz-Kreis angesiedelten Gesundheitsamt laufe. In weiterführenden Schulen gilt der Landesverordnung zufolge eine Maskenpflicht im Unterricht.
Neun Schüler infiziert
An der Karolina-Burger-Realschule plus in Mundenheim sind derweil am Dienstag acht Klassen und die Lehrer auf das Coronavirus getestet worden. Das bestätigte Reifenberg, und das teilte die Schule auch auf ihrer Homepage mit. Über den Ablaufplan des Massentests seien die Beteiligten informiert worden, heißt es dort weiter. Neun Schüler haben sich nach Angaben der Schule mittlerweile mit dem Virus infiziert, außerdem hat die Schule 55 Verdachtsfälle registriert. Der Unterricht läuft bisher regulär weiter, weder eine Klasse noch ein Lehrer befinden sich in Quarantäne.
„Kein prägendes Thema“ in Ludwigshafen sind dem Ordnungsdezernenten Andreas Schwarz (SPD) zufolge die seit Montag verschärften Richtlinien für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Er sprach von bisher zehn bis 20 Personen.
Informationsbedarf weiterhin hoch
Nach wie vor hoch sei der Informationsbedarf zur Pandemie und den damit verbundenen Auflagen in der Bevölkerung. Im Schnitt 100 Anrufe gingen täglich bei der Verwaltung ein sowie zusätzlich 30 bis 40 E-Mail-Anfragen. „Wir halten alle Informationskanäle weiter offen“, versicherte Schwarz.
Als erfreuliches Signal werteten es Reifenberg und Schwarz, dass das Verwaltungsgericht am Freitag die Verfügung der Stadt zur Maskenpflicht bestätigt hat. Es hatte einen Eilantrag eines Ludwigshafeners zur Aufhebung der Maskenpflicht abgelehnt. Die Argumente der 5. Kammer des Gerichts seien nachvollziehbar begründet gewesen.
Vierter Todesfall im Heim
Im städtischen Klinikum werden laut Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther aktuell 38 Covid-19-Patienten behandelt, acht mehr als am Freitag. Elf liegen auf der Intensivstation. Keine weiteren infizierten Bewohner und Mitarbeiter gibt es nach seinen Angaben im Altenpflegeheim in der Gartenstadt (Dr. Hans Bardens-Haus). Seit dem Corona-Ausbruch im Bardens-Haus vor gut drei Wochen bleibt es somit bei 16 infizierten Bewohnern und sieben erkrankten Mitarbeitern. Günther beklagt allerdings einen weiteren und damit den insgesamt vierten Todesfall. Eine infizierte Bewohnerin sei mit fast 96 Jahren verstorben, berichtete er am Dienstag.
Zahlen & Fakten: Corona-Lage in Stadt und Kreis
Die sogenannte Inzidenzzahl (Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner) lag in Ludwigshafen laut dem Landesuntersuchungsamt am Dienstagmittag bei 138,2 Fällen und ist damit im Vergleich zum Montag (120,2) wieder gestiegen. Am Freitag lag der Wert allerdings noch bei 150,9. Bis Dienstagmittag wurden für Ludwigshafen 764 akute Corona-Fälle registriert. Die Gesamtzahl liegt bei 1535. Das sind 80 mehr als am Vortag.
Die Inzidenzzahl im Rhein-Pfalz-Kreis lag am Dienstagmittag bei 66,0 (Montag: 66,6, Freitag: 78,3), die Zahl aktueller Fälle bei 342. Die Gesamtzahl der Fälle liegt dort bei 833, 26 mehr als am Vortag.
