Mannheim / Ludwigshafen
250.000 Besucher bei Fasnachtsumzug in Mannheim (mit Bildergalerie)
„Es ist eine Sauerei“, echauffierte sich Christoph Heller, allerdings mit einem breiten Grinsen. „Wir hatten ja zwischendurch sogar einmal ein Jahr getauscht, aber jetzt haben die Mannheimer wieder das herrlichste Wetter.“ Aber insgesamt strahlte der Präsident des Großen Rats der Ludwigshafener Karnevalvereine als Dachorganisation fast so sehr wie der Sonnenschein: „Der Umzug ist wieder oberaffengeil!“ Allerdings musste er in diesem Jahr auf seine gewohnte Begleitung verzichten. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) fehlte an seiner Seite: „Wenn sich die Jutta den Fasnachtsumzug entgehen lässt, dann ist sie wirklich krank“, zeigte Heller Verständnis.
Dafür war Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) mit von der Partie: als Zauberer auf dem Wagen des Nationaltheaters. „Vielleicht kann ich für die Sanierung ja noch ein bisschen Geld herbeizaubern“, scherzte er. Überhaupt war der Theaterwagen die wohl am aufwendigsten kostümierte Baustelle der Stadt. Spechts Dank galt nicht nur den Organisatoren – erstmals wurde die Großveranstaltung von der städtischen Tochter VTM geplant und durchgeführt –, sondern vor allem den rund 2000 Ehrenamtlichen, die den Erhalt des Brauchtums zur Fasnacht verwirklichten.
Positive Bilanz
Menschen, wie etwa die Stichler aus Mannheim-Sandhofen. „Wir freuen uns seit Wochen wie die Schneekönige, dass wir endlich wieder durch Mannheim laufen können“, rief ein Senator der Fasnachter durch den dröhnenden Lärm und verteilte dabei mit vollen Händen Bonbons und Spielzeug an die Besucher am Straßenrand. Der Umzug im Vorjahr in Ludwigshafen sei kein Ersatz gewesen. „Das war ja kein Umzug, sondern ein Stehempfang“, schimpfte Rolf Braun, Präsident der Neckarauer Pilwe auch noch ein Jahr später. Außerdem sei die Absperrung in Ludwigshafen übertrieben gewesen. „Da waren die Kinder ja 15 Meter weit weg. Für die machen wir das doch.“ In Mannheim, gerade auf den Planken, habe man einen guten Kompromiss gefunden. „Die Absperrung dort muss schon sein. Aber die Leute sind nicht so weit weg“, sagte Braun. „Ein paar Besucher mehr“ hätte sich VTM-Geschäftsführer Oliver Althausen zum Auftakt gewünscht. Am Ende zeigte er sich aber rundherum zufrieden: „Es waren eine Menge Leute da. Es hat alles reibungslos funktioniert und, soweit ich es mitbekommen habe, ist auch alles friedlich geblieben.“
Viele närrische Hoheiten dabei
Der Ludwigshafener Zugteil musste zwar auf seine Oberbürgermeisterin verzichten, hatte dafür aber jede Menge gekrönte Häupter dabei. Stadtprinzessin Alisa I. von den Mondglotzern zum Beispiel. „Das ist ein perfekter Tag für einen Umzug“, sagte die Lieblichkeit in ihrem offenen Cabriolet. Ob Tamara I. von den Glücksrittern oder Isabell I. von der KGW Altrip – aus der Pfalz strahlte jede Menge hoheitlicher Glanz in die Quadrate. Auch ihre Kollegin Rowena I., Jubiläumsprinzessin der Stadtgarde, freute sich auf den rechtsrheinischen Umzug: „Ich bin schon im Partybus angereist. Die Stimmung könnte kaum besser sein.“ Erst zum zweiten Mal, auch wegen der sechsjährigen Pause, war der Wagen von Perkeo Heidelberg in Mannheim dabei. „Ein Teil von uns war schon um 9 Uhr in Mannheim, weil der Wagen noch abgenommen werden musste“, berichtete Vizepräsident Peter Spuhler. Und dann war es nicht mehr weit bis zum Zugende. Traditionell bildete die Stadtreinigung nach gut drei Stunden den Abschluss der geballten guten Laune.
