Ludwigshafen
Bis zu acht Termine an einem Abend: Der Alltag einer Fasnachtsprinzessin
Über 180.000 Menschen regiert die Stadtprinzessin seit dem 11.11. – und das mit Spontanität und Witz. So berichtet es Mama Claudia Liedtke. Die Familie entstammt keiner alten Fasnachtstradition, wie das sonst häufig der Fall ist. Vielmehr gab der Wunsch der achtjährigen Alisa, in der Garde zu tanzen, den Ausschlag dafür, dass aus den Liedtkes Maudacher Mondglotzer geworden sind.
Claudia Liedtke ist seit einem Jahr sogar Vorsitzende des Carneval Clubs. Dass Alisa I. auch Stadtprinzessin ist, ist der Kappe geschuldet. Diese darf nämlich nur eine Stadtprinzessin tragen. Um das Regelwerk dazu in Erfahrung zu bringen, hatte der Präsident der Mondglotzer den Großen Rat befragt, was Alisa in Folge als Kandidatin ins Gespräch brachte. Denn nachdem klar war, dass sie Jubiläumsprinzessin der Mondglotzer wird, erzählte sie von ihrem Traum, eine Prinzessin mit Kappe zu sein.
In Garde angefangen
Inzwischen hat die 18-Jährige bereits einige Termine für die Stadt absolviert. „Es gibt Abende, an denen wir acht Termine absolvieren“, berichten die beiden. Alisas Kleider sind so üppig, dass ihre Mutter mehr unter dem Kleid sitzt, als bequem auf dem Rücksitz. Dieses Schicksal teilt Monika Cichuttek. Sie ist wie eine weitere Oma Alisas. „Wenn möglich, begleitet sie uns auf Ordensfeste oder Sitzungen. Monika war selbst Prinzessin und steht mit Rat und Tat zur Seite“, ist Alisa dankbar für die lebenslange Freundschaft. Über ihren Mann sagt Claudia Liedtke, er sei kein Fasnachter, unterstütze jedoch im Hintergrund wirklich alles. „Er fährt uns zu den Terminen, holt vergessene Autogrammkarten“, meint sie zwinkernd.
Auch Jürgen Schreiweis, seines Zeichens Reiseführer der Prinzessin, gehört zum festen Stamm der Begleiter. „Durch sein jahrelanges Engagement verfügt er über unglaubliches Hintergrundwissen“, berichtet Claudia Liedtke. Sie wundert sich immer, wie ihre Tochter auf der Bühne ad hoc mit spontanen Eingebungen das Publikum begeistert. Als Ratgeberin steht Alisa eine Freundin zur Verfügung, die seit vielen Jahren als Büttenrednerin herumreist.
Die Schülerin ist durch und durch Fasnachterin. Bis zur vergangenen Saison tanzte sie in der Garde, bis eine Verletzung sie zum Aufhören zwang. Danach kümmerte sie sich um das Mariechen im Verein, sorgte dafür, dass das Kostüm bereit liegt und Verpflegung vorhanden ist. „Am allerschönsten ist es, mit meinen Gardemädchen auf der Bühne zu sein“, schwärmt die Maudacherin. Manchmal begleiten sie auch Freundinnen aus der Schule, die keine aktiven Fasnachter sind. „Es hat schließlich nicht jeder eine Prinzessin als Freundin“, hat Alisa schon von ihnen gehört.
Nie den Heimatverein aus den Augen zu verlieren, hat ihre Mutter gemahnt. „Ich werde immer als Stadtprinzessin vorgestellt und begrüße die Gäste mit: Gleichzeitig bin ich auch Jubiläumsprinzessin“. Das 55-jährige Jubiläum der Mondglotzer sei ja die Ausgangsbasis für ihre beiden Ämter gewesen, erklärt sie dazu.
Bis zu zwei Stunden vorab
Vor ihren Terminen braucht Alisa zwischen 40 Minuten und zwei Stunden – je nach Aufwand der Frisuren. Auf den Geschmack gekommen ist Alisa I. vor fünf Jahren, als Katharina Sommer vom eigenen Verein das Amt bekleidete. Dieser Wunsch wurde verstärkt im vergangenen Jahr, als sie mit Marie Sophie, der Stadtprinzessin vom Vorjahr, in der Garde dabei war. In der Vorweihnachtszeit wird es etwas ruhiger, dann ist Zeit, um sich auf das Abitur vorzubereiten. Denn das ist das Ziel nach der Kampagne. „Abitur und im Anschluss möchte ich Grundschul-Lehramt studieren.“ Aber vorher gilt es noch einige Sitzungen, Feiern und Bälle zu absolvieren. Den Wunsch Alisas, „ich möchte mal Prinzessin werden“, kommentierte Mama Claudia einst im Scherz: „Dann werde ich die Queen.“ Nun ist beides wahr geworden.