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Dienstag, 13. Dezember 2016 Drucken

Rhein-Pfalz-Kreis

Fragebogen für Flüchtlinge

Netzwerk Hilfe in der Verbandsgemeinde Maxdorf will Situation von Syrern besser verstehen lernen

Von Christine Kraus

 

Engagieren sich im neugegründeten Team International: (von links) Rainer Bahneman, Obada Rahim, Aven Khalil und Marion Pfundstein. ( Foto: krx)

Maxdorf. Besser auf die Wünsche und Bedürfnisse von Flüchtlingen einzugehen, das ist Ziel eines Projekts, das das Netzwerk Hilfe in der Verbandsgemeinde Maxdorf gestartet hat. In einem ersten Schritt wurden deshalb Flüchtlinge aus Syrien befragt. Die Ergebnisse hat das Netzwerk jetzt vorgestellt. Später soll die Aktion mit Flüchtlingen aus anderen Nationen wiederholt werden.

 

„Wenn wir nicht wissen, was die Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, denken und wollen, dann können wir auch keine gemeinsame Integration schaffen“, so lautet eine Erkenntnis, die das Netzwerk nach knapp zwei Jahren Flüchtlingsarbeit gewonnen hat. „Wir haben in einem kleinen Projekt zusammengestellt, was uns wichtig ist und dabei festgestellt, dass uns im Grunde die Seite der Flüchtlinge fehlt“, sagt Rainer Bahnemann. Daher hat das neu gegründete Team International nun Flüchtlinge aus Syrien befragt.

Zum erweiterten Vorstand des Teams gehören der Syrer Obada Rahim (23), der seit 15 Monaten in Deutschland lebt, und die Kurdin Aven Khalil (25), die seit drei Monaten hier wohnt. Die beiden haben sich mit Rainer Bahnemann und Marion Pfundstein in kleinen Gruppen mit Syrern zusammengesetzt und unterhalten. Zum Einstieg sollten die Flüchtlinge sechs Fragen beantworten, dann folgte ein offenes Gespräch. 49 Menschen und damit rund 60 Prozent der syrischen Flüchtlinge, die in der Verbandsgemeinde Maxdorf leben, waren der Einladung gefolgt.

Die meisten Flüchtlinge (86 Prozent) nannten den Krieg in ihrer Heimat als Grund für die Flucht, und ganz besonders die Frauen sehen in ihrer Heimat keine Zukunft mehr für ihre Familie. Nach Deutschland sind sie gekommen, weil sie aus den Medien von der guten Unterstützung erfahren haben. Männer nannten auch die gute wirtschaftliche Situation als Grund. 84 Prozent der Geflüchteten gaben Freiheit und Frieden als das wichtigste Ziel an, das sie mit ihrer Flucht erreicht haben. Auf die Frage, was sie sich am dringendsten wünschen, antworteten drei Viertel der Befragten, dass sie zuerst Deutsch lernen möchten. Nahezu ebenso wichtig ist es für die Männer, Arbeit zu bekommen und deutsche Freunde zu finden.

Fast die Hälfte der Befragten wünscht sich Räumlichkeiten für gemeinsame Treffen. Die befragten Frauen würden gerne den Deutschen ihre eigene Kultur erklären können. Besonders die Männer wollen die deutschen Gesetze und Regeln kennenlernen (53 Prozent) und einen Praktikumsplatz (59 Prozent) finden. „Das hat mich überrascht“, sagt Obada Rahim. Denn seiner Meinung nach hielten Syrer Praktika für unsinnig, da es hier meist kein Geld zu verdienen gebe. Rahim selbst hat in den vergangenen 15 Monaten hingegen schon mehrere Praktika absolviert und so sehr gut Deutsch gelernt.

In den folgenden Gesprächen zeigte sich, dass einige Flüchtlinge nicht verstehen, warum manche größere Wohnungen haben oder einige Mentoren mehr Zeit für ihre Schützlinge aufbringen als andere. Sie fühlen sich ungleich behandelt. „Die Leute müssen wissen, was sie von uns erwarten können. Dafür brauchen wir eine Art Vertrag, den sie unterschreiben. Das zählt sehr viel bei meinen Landsleuten“, erklärt Rahim, der plant, ein solches Schreiben zu entwerfen. Bei den Gesprächen sei aber auch herausgekommen, dass manche Flüchtlinge sich nicht trauen, auf Probleme aufmerksam zu machen. „Es gibt Leute, die zu schüchtern sind, zu sagen, dass ihre Heizung kaputt ist“, sagt Bahnemann. Die Gespräche zeigten auch, wie sehr sich die Syrer einen Kontakt auf Augenhöhe wünschen, wie wichtig es für sie ist, sich zu integrieren.

Nachdem die Auswertung der Gespräche vorliegt, müsse man nun zügig reagieren, sagt Bahnemann. Obada Rahim und Aven Khalil werden die Ergebnisse ihrer Umfrage auch an die Flüchtlinge kommunizieren. „Wir müssen ihnen sofort zeigen, was herausgekommen ist“, sagen sie. Schon jetzt gibt es einen wöchentlichen Termin, an dem sich Flüchtlinge an das Netzwerk wenden können. In naher Zukunft soll es gemeinsame Veranstaltungen wie Fußballturniere geben. Mittelfristig sind eine Kinderbetreuung und eine Praktikumsbörse, bei der auch Ältere oder Analphabeten berücksichtigt werden, geplant. Außerdem sucht das Netzwerk nach einem Raum oder einem Haus für regelmäßige Treffen.

 

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