Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Wie viel Party darf’s sein in der Innenstadt?

Landau bietet den vielen Studenten nichts, beklagt Mathias Kühn.
Landau bietet den vielen Studenten nichts, beklagt Mathias Kühn.

Was kann Landau von Mannheim lernen? Und was für eine Stadt möchte Landau überhaupt sein? Was wird aus den Clubs? Der SPD-Treff im Gloria-Kulturpalast zur Nachtkultur weckt Erwartungen. Und der neue Stadtchef macht Versprechungen.

Der Gloria-Kulturpalast hat viele Fans in der Südpfalz. Das ist angesichts der Diskussionen um die Frage, wie viele Partys in dem ehemaligen Kino in der Industriestraße gefeiert werden dürfen, deutlich geworden. Betreiber Peter Karl lässt das juristisch klären. Die erste Runde wird eine Verhandlung vor dem Stadtrechtsausschuss sein. Das Nachtleben in der Landauer Innenstadt treibt aber auch andere um.

Der SPD-Ortsverein hat am Montagabend einige Protagonisten aufs Podium geholt und ist mit seiner Initiative auf das Interesse von über 60 Besuchern gestoßen, darunter auch Vertreter von den Grünen und der CDU. Im Jahr 2020 haben die Sozialdemokraten angeregt, einen Nachtkulturbeauftragten einzustellen und ein Nachtkulturkonzept zu erstellen. Mannheim ist schon einige Schritte weiter, weshalb der dortige Night-Mayor, übersetzt Nachtbürgermeister, Robert Gaa ein aufschlussreicher Gesprächspartner ist.

Das Thema stößt auf Interesse.
Das Thema stößt auf Interesse.

30 Jahre nicht mehr unterwegs

Der 32-Jährige, der sich privat im Mannheimer Kunst- und Kulturverein peer23 engagiert, ist nicht nachts unterwegs und sorgt auch nicht für Recht und Ordnung, wie er klarstellt. Seine Aufgabe ist, das Nachtleben zu entwickeln, zu stärken, zu moderieren. „In Gremien sitzen Leute, die schon 30 Jahre nicht mehr nachts unterwegs waren. Da muss man viel sprechen“, bemerkt Gaa.

Was kann Landau von Mannheim lernen? Netzwerkarbeit zum Beispiel. „Baut hier so was auf“, rät Gaa, der nicht bei der Stadt, sondern bei einer Tochtergesellschaft angestellt ist. Er sitzt mit Betreibern, Polizei, Ordnungsamt und anderen Gruppen an einem Tisch und redet. Es geht um Austausch, Fortbildung, Vermittlung.

Ein weiterer Punkt sind Freiflächen für nicht kommerzielle Partys. Da Mannheim mit fast 312.000 Einwohnern über sechsmal so groß ist wie Landau, ist auch dieses Thema deutlich größer. Doch auch in Landau gibt es Partys – private Raves – mitten in der Landschaft, organisiert über soziale Netzwerke und nicht genehmigt. „Freiflächen werden immer wichtiger“, betont Gaa. Armin Schowalter, Geschäftsführer des in der Weißenburger Straße ansässigen Vereins Südstern, pflichtet ihm bei: „Die Neuerwachsenen brauchen auch ihren Raum. Die wollen sich ausleben.“ Als er jung war, habe es viel mehr Möglichkeiten gegeben in Landau.

Robert Gaa ist seit August 2020 Nachtbürgermeister in Mannheim. Er nennt sich Night Mayor.
Robert Gaa ist seit August 2020 Nachtbürgermeister in Mannheim. Er nennt sich Night Mayor.

Es kommt nicht ins Rollen

Darin sind sich alle Anwesenden einig, früher gab es mehr Clubs und es war mehr los. Bitterkeit schwingt mit, als Mathias Kühn mit Blick auf Mannheim konstatiert: „Wir sind far away. Alle wollen, aber keiner kann so richtig. Es kommt nicht ins Rollen.“ Der zweite Vorsitzende des Landauer Kulturbeirats und Geschäftsführer bei Bagage Burger am Untertorplatz beklagt eine „Lose-lose-lose-lose-Situation“, abgeleitet vom englischen to lose, verlieren. Es gebe keine Locations, kein Grundrecht, keine Leitplanken, damit sich etwas entwickeln könne, es gebe nur Verlierer. Dazu zählt Kühn Betreiber ebenso wie die 10.000 Studenten in Landau. „Wir bieten den Studenten nichts.“ Er nimmt die SPD ins Gebet. Die stelle doch einen Bürgermeister, da müssten Pläne gemacht werden. „Ihr müsst die Weichen stellen und rechtliche Grundlagen schaffen, sonst kann jeder anrufen und sagen: Hier ist es grad zu laut“, bekräftigt der Gastronom, bevor er das vernichtende Urteil fällt: „Wir sind kulturtechnisch am Arsch.“

Die SPD-Fraktion im Stadtrat hat vor zwei Jahren die Ausweisung eines Kerngebietes beantragt, um die Ansiedlung neuer Kulturbetriebe und Vergnügungsstätten zu ermöglichen und den bisherigen Bestand abzusichern. Zum Bestand gehört noch das Logo in der Xylanderstraße. Hört der Betreiber auf, erlischt die Konzession und das Logo ist Geschichte. Mannheims Night-Mayor Gaa weiß, dass eine Stadt auch im Mischgebiet die Richtlinien breiter auslegen kann, wenn sie das will. „Findet Wege, was zu erleben“, rät er den Gesprächspartnern. Und Schowalter warnt: „Wir müssen wirklich auf Zack sein, dass wir nach Corona nichts verschlafen.“ Noch immer sind viele Leute zögerlich, was den Besuch von Konzerten angeht.

Auf dem Podium diskutieren (von links): Mannheims Nachtbürgermeister Robert Gaa, SPD-Vorsitzende Jennifer Braun, Gloria-Betreibe
Auf dem Podium diskutieren (von links): Mannheims Nachtbürgermeister Robert Gaa, SPD-Vorsitzende Jennifer Braun, Gloria-Betreiber Peter Karl, Armin Schowalter vom Südstern und Mathias Kühn vom Kulturbeirat.

Geißler fängt jetzt an

Die RHEINPFALZ hat einen Tag nach der Veranstaltung Gelegenheit, Oberbürgermeister Dominik Geißler auf das Thema anzusprechen. „Herr Geißler, ist Landau am Arsch?“, fragen wir ihn. „Nein“, lautet seine Antwort. „Dass wir einiges verbessern und ausweiten können, ist doch klar“, sagt Geißler. Er möchte die freie Kultur finanziell fördern, sie sichtbar machen, ihr logistisch und räumlich helfen.

Wie beim Neujahrsempfang bereits angekündigt, werde am 7. Februar im Bauausschuss ein neuer Bebauungsplan Nordring/Industriestraße Thema sein, der im früheren, nur für Wohnungen vorgesehenen Mischgebiet Vergnügungsstätten zulässt. Auch Partys und Tanzveranstaltungen sollen dann leichter möglich sein, allerdings nicht exzessiv. „Wir fangen jetzt damit an. Das sind die Grundvoraussetzungen, dass wir Gebiete neu einteilen wollen.“ Geißler betont, er möchte rechtlich alles ausloten, was Subkultur ermöglicht, nicht nur die Hochkultur. Kann sich Geißler mit einem Nachtkulturbeauftragten anfreunden? Er reagiert eher zurückhaltend, verweist auf das begrenzte Stellenwachstum und bevorzugt die Bündelung von Aufgaben.

Zurück aufs Podium im Gloria. Von Moderatorin Jennifer Braun nach seinen Wünschen befragt, antwortet Armin Schowalter: „Ich wünsche mir, dass der Oberbürgermeister die Unterstützung bekommt, die er braucht.“ Das sichert ihm Florian Maier zu, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat. „Wenn der Oberbürgermeister mehr machen möchte, sind wir auf seiner Seite.“

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