Landau
Wie sich die Stadt auf Energieausfälle vorbereitet hat
„Es geht nahtlos weiter. Wir haben die nächste Krise vor der Brust.“ Seit Corona und dem Ahrtal „sind wir eigentlich ständig im Krisenmodus“. Das sagt Stefan Krauch zum Thema Energie. Der Ex-Oberbürgermeister Thomas Hirsch hatte schon im Sommer angekündigt, dass sich die Stadt auf einen möglichen Energiemangel bis hin zum Blackout, einem flächendeckenden Stromausfall, vorbereiten müsse. Da war auch schon von Wärmeinseln die Rede. Inzwischen sind die Vorkehrungen weit gediehen, nicht zuletzt dank Krauch.
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat das Energiesparen zur ersten Bürgerpflicht ausgerufen. Auch wenn Experten nun schon wieder vorsichtig Entwarnung geben, haben sich die Kommunen längst darauf vorbereitet, die schlimmsten Härten abzufedern, falls es zu Ausfällen kommen sollte. „Die Strukturen stehen“, sagt Krauch. Alarmeinsatzpläne werden noch geschrieben, damit jeder weiß, was er im Fall des Falles zu tun hat.
Mit dem Strom fällt auch das Mobilfunknetz aus
Der 42-Jährige ist Feuerwehrmann und Mitglied im Krisenstab der Stadt, vor allem aber seit 2016 Abteilungsleiter für den Brand- und Katastrophenschutz, also ein ganz wichtiger Planer für Krisenfälle. Wie schnell so etwas gehen kann, hat Corona gezeigt. Da hat Krauch zusammen mit Bastian Dietrich von der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße das gemeinsame Impfzentrum aus dem Boden gestampft.
Er geht von unterschiedlichen Szenarien aus. Falls der Strom ausfällt, werde sehr rasch auch das Mobilfunknetz zusammenbrechen, sagt er. Für diesen Fall wird es 14 Anlaufstellen geben, von denen aus Notrufe über Funk abgesetzt werden können. Da sind alle Feuerwehrhäuser in der Innenstadt und den Stadtdörfern dabei, weil sie mit Notstromaggregaten ausgerüstet sind.
Wärmestuben stehen für Notfall bereit
Wenn das Gas knapp werden sollte, stellt die Stadt Wärmeinseln oder -stuben für diejenigen bereit, die daheim nicht mehr heizen können. „Wir wissen, wie viele Haushalte Gasheizungen haben, aber wir wissen nicht, wer vielleicht noch einen Holzofen hat“, sagt Krauch. Oder wer bei seinem Nachbarn mit vor dem Kamin sitzen darf. Wärmeinseln können Schulen oder Turnhallen sein, die nicht mit Gas, sondern beispielsweise mit Öl, Hackschnitzeln oder Pellets beheizt werden. Acht Gebäude kämen dafür infrage, sagt Krauch, aber vermutlich müssten nicht alle in Betrieb genommen werden. Das Otto-Hahn-Gymnasium in der Innenstadt und die Integrierte Gesamtschule in der Schneiderstraße wären allerdings sicher dabei.
Vorsorglich sind alle potenziellen Wärmeinseln mit Notstromeinspeisungen versehen worden. Denn für den Fall, dass neben Gas auch Strom fehlen sollte, können Stromerzeuger angeschlossen werden. Die hat die Stadt zum Teil bestellt, doch die Lieferzeiten sind derzeit schwer abzuschätzen. Der Markt ist abgegrast. Zum Teil wäre sie aber auch auf Geräte des Technischen Hilfswerks angewiesen. Eingerichtet werden die Wärmestuben erst bei Bedarf. Sanitäranlagen sind vorhanden, die Ausstattung wird mager sein: Es soll nur Sitzgelegenheiten geben. Die können auf Tribünen sein, oder auf Stühlen, die es noch aus dem Impfzentrum gibt, falls sie vor Ort nicht ohnehin vorhanden sind.
Krisenstab tagt regelmäßig
Wann die Wärmeinseln eingerichtet und in Betrieb genommen werden, entscheidet der Krisenstab, der versucht, alle Szenarien durchzudenken, und in dem alle wichtigen Einrichtungen wie zum Beispiel Verwaltung, Feuerwehr, Polizei, Gebäudemanagement und Energieversorger vertreten sind. Der Krisenstab tagt regelmäßig, damit alle immer auf dem aktuellen Stand sind.
Mehr Aufwand ist für Evakuierungsräume erforderlich. Die sind für Menschen in häuslicher Pflege gedacht. Turnhallen seien dafür eher ungeeignet, sagt Krauch, die Klassensäle von Schulen dagegen sehr wohl. Da liegt es nahe, die IGS wieder ins Kalkül zu ziehen, in der während der Corona-Hochphase 2020 ein Notkrankenhaus vorgehalten worden war. Die Betten sind noch vorhanden und könnten abermals dort aufgestellt werden. Für die IGS ist ein besonders starkes Notstromaggragat bestellt, das noch im Januar geliefert werden soll – für den Fall, dass auch medizinisches Gerät betrieben werden müsste. Die Pflegedienste müssten dann dorthin kommen, „wir können kein Personal stellen“, sagt Krauch.
Eine zusätzliche Herausforderung sind Treibstoffe, denn Rettungswagen müssen ebenso fahren können wie Feuerwehr und Polizei. Doch bei Stromausfällen funktionieren in der Regel auch keine Tankstellen. Mit einer Ausnahme: Beim Neubau der Agip-Tankstelle in der Maximilianstraße sind die Betreiber auf die Stadt zugegangen und haben angeboten, ihre Technik so vorzubereiten, dass Notstrom für die Förderpumpen eingespeist werden kann. „Das haben wir getestet, es funktioniert“, sagt Krauch. Frei nach dem Motto: Vertrauen ist gut, kontrolle ist besser.