Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die neue Maskenregel den Alltag verändern wird

Markus Moser von der Landauer Adler-Apotheke merkt, dass Kunden Aufklärungsbedarf haben, was die Nutzung der FFP2-Masken angeht.
Markus Moser von der Landauer Adler-Apotheke merkt, dass Kunden Aufklärungsbedarf haben, was die Nutzung der FFP2-Masken angeht.

Zu Beginn der Pandemie galt die oftmals selbst genähte Stoffmaske als Mittel der Wahl, jetzt hat sie ausgedient. Ohne medizinische Masken läuft nichts mehr beim Einkauf sowie in Bus und Bahn. Worauf sich Südpfälzer einstellen müssen.

Bund und Länder haben sich auf eine strengere Maskenpflicht verständigt. Schon am Tag danach war die Nachfrage nach FFP2- und OP-Masken in Apotheken in der Südpfalz bereits deutlich höher, beispielsweise in der Beethoven-Apotheke in der Landauer Marktstraße. „Es besteht kein Grund zur Panik, in den Apotheken sind die Masken in ausreichender Menge vorhanden“, beruhigt der Inhaber Andreas Hott, der als Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbandes der Apotheker Entwicklungen in seiner Branche genau im Blick hat. „Wenn der versprochene Nachschub der Lieferanten wie versprochen kommt und der internationale Markt nicht zusammenbricht, wird sich an der Situation so schnell auch nichts ändern.“

Ganz im Gegensatz zum Frühjahr vergangenen Jahres, als die Corona-Welle nach Deutschland überschwappte und medizinische Masken wegen der hohen Nachfrage und daraus resultierender Lieferengpässe zu einem raren Gut wurden. Zugleich stiegen damals auch die Kosten. Da sie nun in Hülle und Fülle zu haben sein sollten, hat sich der Marktpreis stabilisiert. „In den Apotheken sind FFP2-Masken ab zwei Euro aufwärts zu haben, OP-Masken sind günstiger“, sagt Hott. Letztere sind in Großpackungen für etwa 50 Cent pro Stück zu haben. Nicht zu vergessen sei, dass bestimmte Personengruppen, genauer: Über-60-Jährige und Menschen mit bestimmten Erkrankungen oder Risikofaktoren, derzeit noch sechs FFP2-Masken für zwei Euro erhalten. Das hatte die Bundesregierung Ende vergangenen Jahres beschlossen. Das Ganze gilt über einen begrenzten Zeitraum, abgewickelt wird es über die Krankenkassen, die den betroffenen Versicherten Berechtigungsscheine ausstellen. Die Coupons können dann in Apotheken eingelöst werden.

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Da Nutzer mehrere Masken brauchen, um damit über den Tag beziehungsweise über die Woche zu kommen, müssen die Menschen schon einiges investieren, um einen ausreichenden Grundstock an den Alltagsbegleitern zu haben. Die Verantwortlichen beim Verein „Silberstreif – gegen Altersarmut“ in Landau überlegen deshalb, für einen Teil ihrer 190 Kunden FFP2-Masken zu besorgen. Das bestätigt die Vorsitzende Christine Baumann. „Wir planen derzeit, für 100 unserer Kunden jeweils fünf FFP2-Masken zu beschaffen“, sagt sie. Zu ihren Klienten gehören schließlich Menschen, die über 60 Jahre alt sind, nur eine kleine Rente bekommen und deshalb auf Grundsicherung angewiesen sind. Wenn sie jeden Cent zweimal umdrehen müssen, schmerzt natürlich auch der Kauf von Masken.

Für die älteren Menschen sei aber nicht nur die schwierige finanzielle Situation ein Problem. „Viele wissen gar nicht, wo sie die Masken herbekommen sollen“, sagt Baumann. Schon im Frühjahr, als die Maskenpflicht eingeführt wurde, sei dies ein großes Problem gewesen. Auch damals half Silberstreif und besorgte für Bedürftige den Mund- und Nasenschutz. „Wir haben es kürzlich wieder gemerkt, als es um das Anmelden für die Corona-Impfungen ging, dass den Menschen einfach die Informationen fehlen“, so Baumann. Ein eigener Computer und der Zugang zum Internet, wo sie recherchieren könnten, sei bei vielen Silberstreif-Kunden keine Selbstverständlichkeit. „Die meisten Anmeldungen fürs Impfen haben wir erledigt“, informiert die Vorsitzende.

In der Regel handelt es sich sowohl bei den FFP2- als auch OP-Masken um Einmalartikel. Aber auch die müssen nicht gleich entsorgt werden, betont Markus Moser. Der Chef der Landauer Adler-Apotheke erläutert: „Das würde Unmengen an Müll produziert. Darüber hinaus müssten die Nutzer jedes Mal in neue Masken investieren.“ Nach aktuellen Studien könnten die Masken mehrmals verwendet werden. „Sind sie verwendet worden, reicht es, sie an einem trockenen Ort aufzubewahren.“ Nach einer Woche könnten sie dann wieder aufgesetzt werden. Der Prozess lasse sich aber nicht beschleunigen. Also keine Masken in die Mikrowelle oder in den Backofen, betont Moser.

Mehr Sicherheistleute für Kontrollen benötigt?

Die neuen Maskenregeln sind das eine, das andere ist deren Kontrolle. Und das ist sicher keine neue Erkenntnis: Werden Vorgaben nicht überwacht und Verletzungen der Regeln nicht sanktioniert, ist deren Wirkung eher schwach. Deshalb gab es schon in der ersten Corona-Welle im vergangenen Frühjahr einige Unternehmen, etwa Baumärkte und Banken, die Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten an ihren Eingängen platzierten. Die Herren und Damen, meist in schwarzen Bomberjacken, zählten nicht nur, wie viele Leute sich im Laden aufhielten. Sie wiesen auch Maskenmuffel auf die hausregeln hin, dass es oben ohne nicht reingeht. Noch heute ist das vor einigen Geschäften so.

Dass Sicherheitsdienste mehr Arbeit aufgrund der neuen Maskenregeln bekommen, das kann sich Dirk Hargesheimer gut vorstellen. Der Landauer betreibt einen Wachdienst auf der Wollmesheimer Höhe. Seine Mitarbeiter überwachen derzeit unter anderem die Eingänge der Sparkasse in der Ostbahnstraße sowie die Zugänge zu den Kliniken in Landau, Annweiler und Bad Bergzabern. Hargesheimer glaubt nicht, dass die neuen Regeln zu mehr Stress für seine Leute an den Eingangstüren führen werden. „Die Menschen haben sich ja bereits daran gewöhnt, dass sie eine Maske tragen müssen. Als die Regel eingeführt wurde, gab es natürlich auch mal Unverständnis. Das ist normal. Ich glaube, die meisten Bürger sind ziemlich vernünftig“, sagt Hargesheimer.

Diskussionen vor Geschäften möglich?

Benedikt Paul, Inhaber der Edeka-Filialen in Billigheim-Ingenheim und Steinfeld, macht sich wegen der neuen Maskenregeln keine Sorgen. 90 Prozent der Kunden hätten bereits auf medizinische Masken umgestellt, er habe auch seine Mitarbeiter gebeten, das zu tun. Einen Sicherheitsdienst werde er nicht in Anspruch nehmen. „Das kostet einfach zu viel Geld, nur wenige Unternehmen können sich das leisten. Unsere Mitarbeiter werden kontrollieren müssen, ob die Kunden die richtigen Masken tragen. Und das ist natürlich eine Mehrbelastung“, sagt Paul im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Wenn der Busfahrer reagieren muss

Nicht nur die Ladenbetreiber, auch die Busunternehmen müssen sich auf die neue Maskensituation einstellen – etwa die Firma Hetzler. Laut Martin Rapp, beim Herxheimer Unternehmen unter anderem zuständig für den Fuhrpark, sei die Kontrolle nicht sonderlich kompliziert – zumindest nicht beim Betreten des Busses. „Die Fahrgäste steigen vorne ein. Während der Fahrt ist es mir natürlich lieber, dass sich unsere Fahrer auf die Straße konzentrieren, nicht darauf, ob und wie die Leute ihre Maske tragen“, sagt Rapp.

Bei den neuen Maskenregeln gehe es jetzt darum, Fingerspitzengefühl zu beweisen bei den Fahrgästen. Die Brechstange helfe da nicht weiter. „Das wird jetzt eine Übergangszeit brauchen, wir müssen den Leuten einfach ein paar Tage Zeit lassen“, sagt Rapp. Dann würden die Menschen einfach freundlich darauf hingewiesen, dass sie eben nur mit bestimmten Masken mitfahren können. „Wir werden aber anfangs sicherlich keinen Fahrgast irgendwo stehenlassen.“

Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch ist froh, dass sich Bund und Länder nicht auf einen „Mega-Lockdown“ verständigt haben. Die Ausweitung der Maskenpflicht halte er für eine wirksame, zugleich aber auch einfach umzusetzende und wenig einschränkende Möglichkeit, um die Pandemie zu bekämpfen. Er begrüßt auch, dass es keine Festlegung auf die vergleichsweise teuren FFP2-Masken gegeben habe, sondern auch einfachere und deutlich preiswertere OP-Masken benutzt werden dürfen. Im Übrigen wartet die Stadt ab, wie genau das Land die neue Verordnung umsetzen wird. Das Sozialamt könne sich daher auch noch nicht dazu äußern, was die Maskenpflicht für seine weniger zahlungskräftige Klientel bedeute.

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