Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Doppelwumms bei Energie Verbraucher entlastet

Steigende Energiekosten und die Inflation sind ein großes Thema.
Steigende Energiekosten und die Inflation sind ein großes Thema.

Die Menschen leiden unter steigenden Kosten für Licht und Wärme, aber vor allem die Unsicherheit macht sie mürbe. Energie Südwest-Chef Thomas Waßmuth sagt, wie die Hilfen funktionieren und dass nicht alles schlecht ist.

Der örtliche Versorger Energie Südwest (ESW) verzeichnet aufgrund der steigenden Energiepreise und der hohen Inflation mehr Zahlungsausfälle durch säumige Kunden. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Waßmuth gab die Ausstände im Stadtrat mit derzeit rund 600.000 Euro an, einem Prozent vom Umsatz. Besorgniserregend findet er das noch nicht. Waßmuth betont: „Wir wollen Hilfe leisten, zum Beispiel stunden.“ Generelles Ziel sei es, die Preise so zu gestalten, dass die Kunden auch künftig noch zahlen können.

Waßmuth betonte, dass alle Menschen den Bonus der Bundesregierung bei Gas und Wärme definitiv erhalten werden, „auch wenn sie nichts machen.“ ESW hat dazu auf der Homepage eine Übersicht veröffentlicht. Sie listet auf, wie die Dezemberhilfe fließt, je nach bisheriger Zahlungsart der Kunden. Bei der Dezemberhilfe Gas , also dem ersten Teil des von Bundeskanzler Olaf Scholz als Doppelwumms bezeichneten Hilfspakets, dauert es allenfalls bis Januar, bis sie beim Verbraucher ankommt. Spätestens mit der Rechnung, die den Gasverbrauch von Dezember 2022 umfasst, wird die Soforthilfe ausgewiesen, betonte der ESW-Chef.

Wann kommt die Energiepreisbremse?

Der zweite Teil des Wumms ist die Energiepreisbremse, die aber erst im nächsten Jahr greift – wann genau, steht noch nicht fest. Sie deckelt den Preis für Gas, Wärme und Strom, aber nur für 80 Prozent des letzten Jahresverbrauchs. Was darüber hinaus verbraucht wird, muss zum Marktpreis bezahlt werden – ein Anreiz zum Sparen. Beim Gas liegt der Preisdeckel bei 12 Cent pro Kilowattstunde, bei Wärme sind es 9,5 Cent und bei Strom 40 Cent. Für die Industrie gelten niedrigere Sätze von 7 Cent bei Gas und 13 bei Strom, aber nur für 70 Prozent des letzten Verbrauchs.

Die Strompreisbremse wird sich für ESW-Kunden daher nur wenig auswirken. Das Unternehmen ruft laut Waßmuth bei Bestandskunden einen Preis von 41 Cent auf, bei Neukunden sind es 43. Waßmuth versicherte auch, dass die Energie Südwest ihr Jahresergebnis nicht in der Krise erhöhen will. Eventuell könne es daher sogar unterjährig eine Preissenkung geben.

Auf Erdwärme liegen große Hoffnungen

Beim Thema Wärme hat ESW schon umgesteuert: Das Unternehmen verlegt keine Gasleitungen mehr in Wohngebiete, sondern setzt voll auf Nah- oder Fernwärmelösungen – „am liebsten aus Geothermie“, so Waßmuth. Voraussetzung sei, dass das Kraftwerk seinen bisherigen Fokus ändert und mehr Wärme anstelle von Strom erzeugt. So ist es beispielsweise auch für das Neubaugebiet Südlich Breiter Weg und Landau-Südwest geplant.

Bei der Gasversorgung rechnet Waßmuth mittelfristig mit einem kompletten Rückbau der Leitungsnetze und einem Austausch gegen Wärmeleitungen. Dass „grüner“, also nachhaltig erzeugter, Wasserstoff durch die Gasnetze fließt, erwartet Waßmuth eher nicht. Der müsse erst mal produziert werden, doch bei der Transformation von Solar- oder Windstrom zu Wasserstoff ginge zu viel Energie verloren, und dass er mal aus anderen Ländern komme, sei „noch nicht am Horizont“ zu sehen.

Am Ende sinkt der Energiebedarf sogar

Die bisher sehr beliebten Luft-Wärmepumpen hält Waßmuth vom Strombedarf her für problematisch, Solewärmepumpen, bei denen Wärme über eine Erdsonde gewonnen wird, seien effizienter.

ESW muss nach Waßmuths Angaben auch in die Stromnetze investieren. Die müssten nicht nur leistungsfähiger werden, wegen vieler neuer Fotovoltaikanlagen als Einspeiser und der E-Mobilität als Abnehmer, sondern auch intelligenter. Dann könnte Energie Südwest steuernd eingreifen und örtliche Überlastungen verhindern.

Bis 2045 soll Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen. Waßmuth ist überzeugt, dass das klappen kann. Er hat am Beispiel eines Hauses mit drei Wohneinheiten und sieben Bewohnern vorgerechnet, dass der Umbau der Energieversorgung zu einem drastischen Rückgang des Energiebedarfs führt: Bisher sind für Mobilität (rund 100.000 Kilometer) 80.000 Kilowattstunden aus Benzin erforderlich, für die Gasheizung 30.000 Kilowattstunden und für den sonstigen Haushaltsbedarf 7500 Kilowattstunden. Das sind zusammen 117.500 Kilowattstunden. Künftig würden für E-Mobilität 20.000 Kilowattstunden Strom ausreichen, für Sole-Wärmepumpen 7000 Kilowattstunden und für den sonstigen Bedarf unverändert 7500 Kilowattstunden. Bei Betrieb einer Fotovoltaikanlage könnten zusätzlich zum Minderverbrauch 25.000 Kilowattstunden selbst erzeugt werden, so dass unterm Strich 107.500 Kilowattstunden (91 Prozent) weniger benötigt würden.

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