Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Pfarrer Benedikt Löw die katholische Kirche verließ

Benedikt Löw ist an seiner neuen Wirkungsstätte angekommen.
Benedikt Löw ist an seiner neuen Wirkungsstätte angekommen.

Für Benedikt Löw war es ein langer Weg zu seinem Beruf. Der offen homosexuelle Bayer wird nun Pfarrer der altkatholischen Gemeinde in Landau.

„Die Landauer Gemeinde tickt gesellschaftspolitisch.“ Das sagt Benedikt Löw über die altkatholische Kirchengemeinde Landau. Löw tritt hier seine erste Stelle als Pfarrer an und freut sich auf die neue Herausforderung.

Der 35-Jährige ist in Freilassing, im Berchtesgadener Land, geboren. Nach seinem Abitur studierte er zunächst Forstwirtschaft in München, wechselte dann aber zum Studium der Katholischen Theologie. Mit der Zeit habe er jedoch gemerkt: „Das hier ist nicht mein Stall.“ Die römisch-katholische Kirche sei ihm zu eng gewesen. Er trat also aus.

Nachdem er zunächst zum Protestantismus konvertieren wollte, habe ihm ein befreundeter Pfarrer geraten, sich mit der altkatholischen Kirche auseinanderzusetzen. Dort fand Löw dann seine neue Heimat. Das erinnert an die Geschichte von Andreas Sturm.

Der ehemalige Generalvikar im Bistum Speyer verließ die römisch-katholische Kirche aus Protest gegen den dortigen Reformstau. Sturm entschied sich dann ebenfalls für einen Wechsel zu den Altkatholiken und ist nun Seelsorger in Singen am Hohentwiel. Löws Entscheidung mag aber auch damit zusammenhängen, dass er offen homosexuell ist.

Wolle nicht „vom Gutdünken einzelner“ abhängig sein

Es sei schwierig, einer Institution anzugehören, die ein Problem mit einem habe. Er sei in der römisch-katholischen Kirche zwar nie offen angefeindet worden, aber er wolle nicht abhängig sein „vom Gutdünken einzelner“. Seine Sexualität möchte Löw zwar „niemandem auf die Nase binden“, Diskriminierung aber solle in Kirchen kein Thema sein.

Auch sonst sticht der Bayer heraus. „Ich strahle ja eine gewisse Robustheit aus“, sagt der leidenschaftliche Rugbyspieler. Generell mache er in seiner Freizeit viel Sport oder verbringe Zeit mit seinem Hund. Löws Interesse für Politik hat seine Wurzeln in seiner Studentenzeit.

Während seines Studiums beschäftigte sich der Freilassinger mit den Verbindungen zwischen der Neuen Rechten und dem Christentum. Es gäbe einige „Mechanismen, die konservative Christen in die Arme von neuen, rechten Ideologen“ treiben würden. Er selbst sei ein politischer Mensch und halte „viele neue Strömungen für bedenklich“.

Konkret Stellung zu beziehen werde immer schwieriger. Daher sieht Löw es als eine seiner Aufgaben, Gemeindemitgliedern „den Rücken zu stärken“, wenn diese sich engagieren wollen. Schließlich merke man in der Landauer Gemeinde das Bestreben „gemeinsam die Stimme zu erheben“.

Auch im Internet aktiv

Das macht Löw selbst auch digital. Auf seiner eigenen Website veröffentlicht er immer wieder Impulse und beschäftigt sich mit unterschiedlichen Themen. Sie sei zwar mehr aus Zufall entstanden, rege aber immer wieder zu spannenden Gesprächen mit Gemeindemitgliedern an. Genau dieser Austausch über Glaubensthemen war, was Löw in seinem vorherigen Job gefehlt habe. Als Jugendbegleiter in München sei er zu Beginn der Corona-Pandemie in eine Sinnkrise gerutscht.

Zu dieser Zeit seien viele junge Menschen im Stich gelassen worden, was ihn frustrierte. Löw wollte sich „noch einmal verändern, etwas tun, was Menschen etwas bringt“. Religion könne „auch heute noch Quelle für Sinn sein“ und das habe ihn motiviert Pfarrer zu werden. „Mich interessieren einfach Menschen und ihre Geschichten“. Daher freue er sich auch auf die Zusammenarbeit und den Austausch mit den anderen Landauer Kirchen.

Dass er nun in Landau ist, sei durchaus kein Zufall. Bisher habe er nur im bayerisch-österreichischen Raum gelebt. Er wolle nun auch mal andere Ecken von Deutschland sehen. „Ich bin sehr heimat- und naturverbunden“, daher sei es sein Ziel für die ersten Monate, hier schnell heimisch zu werden.

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