Landau
Trotz Attests nur Astrazeneca: Ein Grenzfall
Die Südpfälzerin Mareike Müller (Name geändert) hätte am vergangenen Wochenende im Landauer Landesimpfzentrum mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft werden sollen. Sie war vorbereitet, im Gepäck hatte sie ein Attest eines Arztes – auf Anordnung und nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt. Inhalt: Sie solle nicht, wie in der Terminbestätigung genannt, mit Astrazeneca geimpft werden. Der Hintergrund: Müller leidet an einer Autoimmunerkrankung, zudem wird sie aus anderen Gründen unter anderem mit Hormonen behandelt – aus diesem Grund habe der Hausarzt nicht gewollt, dass sie mit Astrazeneca geimpft wird. Wegen dieser Krankheitsgeschichte haben wir Müllers Namen geändert. Im Impfzentrum dann der Schock: Die Impfärztin habe das Attest nicht akzeptiert und sie vor die Wahl gestellt: Gehen oder Astrazeneca nehmen, berichtet Müller. Sie ist dann gegangen.
Auf dem Formular steht „Impfling hat Termin abgebrochen“, berichtet Sandra Diehl, Leiterin der städtischen Pressestelle, auf Anfrage. Im Impfzentrum werde nicht jedes Attest eines Hausarztes akzeptiert. Es gebe eine Liste mit Erkrankungen, bei denen die Vergabe von Astrazeneca ausgeschlossen ist. Dann werde die Person mit einem anderen Impfstoff geimpft. Die Ärzte seien vor Ort zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Impfung mit Astrazeneca möglich sei, sagt Diehl.
Ärzte entscheiden vor Ort
Das Mainzer Gesundheitsministerium möchte sich bei einer Million Impfungen im Land nicht zu Einzelfällen äußern. Aber, so betont eine Sprecherin: Die Entscheidung, ob vor Ort geimpft wird, trifft der Impfarzt. „Auch bei Vorlage eines hausärztlichen Attestes gegen die Verwendung eines bestimmten Impfstoffes kann der Impfarzt zu einer anderen medizinischen Einschätzung kommen als sein Kollege.“ Entscheide der Impfarzt aber, dass man einen Impfstoff nicht verabreichen kann, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann ein anderer Impfstoff sofort vor Ort verabreicht werden. Ist keiner vorrätig, erhalte die Personen umgehend einen neuen Termin im Impfzentrum, sagt die Sprecherin des Gesundheitsministeriums.
Atteste von Hausärzten haben derzeit einen schlechten Stand. Bundesweit wird darüber berichtet, dass einige zur Flucht vor einem unerwünschten Impfstoff oder aus Gefälligkeit erstellt würden. Der im Impfzentrum Landau ehrenamtlich engagierte Arzt Peter Wollny hatte in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, dass solche unrechtmäßig ausgestellten Atteste „ein großes Problem“ seien. „Wir können den Impfstoff nicht einfach nach Gutdünken verteilen.“
Unter die Räder gekommen?
Das wirft dem Hausarzt hier keiner vor. Es werde „grundsätzlich niemand“ verdächtigt, sich mit Attesten einen bestimmten Impfstoff sichern zu wollen. „Wir möchten aber darauf hinweisen, dass die Einhaltung der Priorisierung und die Zuteilung des Impfstoffes die Solidarität der gesamten Gesellschaft erfordert“, teilt das Ministerium weiter mit. Müller hingegen hat das Gefühl, dass sie mit ihrem Anliegen nun unter die Räder gekommen ist – weil viele eben versuchten, sich ihren Impfstoff auszusuchen und nun penibler hingeschaut werde.