Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Trappengasse: Vom Sitz der Wingertszunft zum Wohnhaus

Der Türsturz an der leerstehenden Immobilie in der Landauer Trappengasse datiert auf das Jahr 1746.
Der Türsturz an der leerstehenden Immobilie in der Landauer Trappengasse datiert auf das Jahr 1746.

Die Lage der Immobilie ist außergewöhnlich, seit einer Ewigkeit steht sie aber leer. Was aus dem Gebäude in der Landauer Trappengasse wird, hängt auch von der Denkmalbehörde ab. Der frühere Leiter des Stadtarchivs kann Wissenswertes zur Historie des Hauses liefern.

Das Anwesen mit der Hausnummer 2 in der Landauer Trappengasse ist älter als 130 Jahre. Der Türsturz des Gebäudes, der in der Regel auf Umbauten oder Besitzerwechsel hindeutet, ist nämlich auf das Jahr 1746 datiert. Erstmals erwähnt wurde es schon im Jahr 1735, wie Michael Martin informiert. Der frühere Leiter des Stadtarchivs forscht zu den Besitzverhältnissen älterer Häuser in Landau und plant hierzu eine Veröffentlichung.

Michael Martin hatte in der RHEINPFALZ mitbekommen, dass die Immobilie in der Nähe des Landauer Rathausplatzes zu neuem Leben erweckt werden soll. Das planen die beiden Eigentümer, die der Frage nachgehen möchten, welche ihrer Ideen sich realisieren lassen. Entscheidend wird sein, wie sich die Denkmalbehörden positionieren. Das Gebäude ist im Juni vergangenen Jahres unter Schutz gestellt worden. Sie werden daher prüfen, ob es wirtschaftlich zumutbar ist, das Gebäude zu erhalten oder durch einen Neubau ersetzt werden kann. Dafür müssen Gutachten vorliegen, welche die Besitzer einholen möchten. Darüber informiert Moritz Broo, der Leiter der Immobilienabteilung der Sparkasse Südpfalz, über die das Haus in der Vergangenheit vermarktet wurde.

Besitzer der Gebäude in der Trappengasse

Michael Martin kann Wissenswertes zur Historie des Gebäudes liefern. So war es bei der ersten Erwähnung im Besitz der Wingertszunft, also der Winzer. Zur Erklärung: „Jede Zunft hatte bis zur Französischen Revolution ein eigenes Haus, die Ackerzunft zum Beispiel versammelte sich in der Gastwirtschaft Zum Bäuerlein“, berichtet Martin. Das Eckhaus Trappengasse/Rathausplatz, die heute eine Eisdiele ist, war in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Wirtschaft zum Grünen Berg. Wer um diese Zeit im benachbarten Gebäude mit der Hausnummer 4 lebte, ist Martin noch nicht bekannt. „Es war wie heute auch ein bescheidenes Haus. Erst für 1765 ist der Fuhrmann Schuster als Besitzer erwähnt.“

In der Immobilie in der Trappengasse mit der Hausnummer 2, die von einer Erbengemeinschaft in die Hände der jetzigen Eigentümer ging, wohnte ab 1746 Francois Roussel aus Longwy in Lothringen. Ein Mann mit einem bewegten Lebenslauf, wie Michael Martin weiß. 1707 geboren, habe er zuerst in einem Schweizer Fremdenregiment gedient. Nach seiner Entlassung ließ er sich in Landau nieder.

Zwischenzeitlich Uhrmacherfamilie als Eigentümer

Roussel heiratete 1730 Maria Barbara Kempf, eine ehemalige Lutheranerin, die zum katholischen Glauben konvertierte. „Es werden nicht nur oder kaum religiöse Beweggründe gewesen sein, denn die Heirat wurde wegen der Konversion für das Ehepaar lukrativ“, schildert der frühere Stadtarchivar. Francois Roussel lebte nämlich ab diesem Zeitpunkt steuerfrei. Eine damals übliche Praxis der Franzosen, um die Stadt zu rekatholisieren. Roussell machte nicht nur beruflich, sondern auch gesellschaftlich Karriere. „1770 starb er als angesehener Ratsherr“, informiert Martin.

Eine lange Lücke gibt es dann in der Liste der Besitzer des Wohngebäudes in der Trappengasse. 1810 taucht die Uhrmacherfamilie Quosig auf, ein Familienname, der sich bis ins 20. Jahrhundert hält. „Erwähnenswert von den späteren Besitzern ist der Photograph Maurer, der 1859 hier sein Atelier hat und dessen Bilder heute noch im Stadtarchiv zu sehen sind“, berichtet Martin. Ab 1892 sind alle Namen in den folgenden Adressbüchern zu finden.

Was den Namen Trappengasse betrifft: „Die verbreitete Deutung, der Name stamme von dem mittelhochdeutschen Namen Trappe ab, und meint Traube, ist sicher falsch“, so Martin. Der Name sei wohl eher ein Bezug zu der im 16. und 17. Jahrhundert bedeutenden, 1656 im Beetregister genannten und in der damaligen „Neugasse“ wohnhaften Familie Trapp mit dem Marschall Nikolaus Trapp vorzuziehen.

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