Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Was wird aus leerstehender Immobilie am Rathausplatz?

Das Gebäude befindet sich in der Landauer Trappengasse.
Das Gebäude befindet sich in der Landauer Trappengasse.

Im Herzen der Stadt Landau befindet sich ein Anwesen, das sich, gelinde gesagt, im Dornröschenschlaf befindet. Die Eigentümer stehen vor der Frage, ob und wie sie es zu neuem Leben erwecken können. Es gibt ein größeres Hindernis.

Unzählige Menschen laufen täglich daran vorbei, an dem Anwesen in der Landauer Fußgängerzone. Es befindet sich gegenüber eines Eiscafés, in der Trappengasse, die den Rathausplatz mit der Königstraße verbindet. Nicht wenige Passanten fragen sich, wer einst in dem Gebäude mit der Hausnummer 2 lebte und wofür es genutzt wurde. Details sind der Stadtverwaltung nicht bekannt. Das Stadtarchiv kann auch nicht so viel dazu sagen, außer, dass es wohl nach den 1890er-Jahren stets als Wohnhaus genutzt wurde.

Anwesen stand zum Verkauf

Fakt ist, dass das Gebäude seit langer Zeit leer steht. Seit ungefähr 70 Jahren, berichtet Moritz Broo, der Leiter der Immobilienabteilung der Sparkasse Südpfalz, über die das Anwesen kürzlich vermarktet wurde. Die beiden Eigentümer, die anonym bleiben möchten, haben das Haus vor nicht allzu langer Zeit von einer Erbengemeinschaft erworben. Mit der Absicht, es neu herzurichten beziehungsweise es abzureißen und etwas Neues entstehen zu lassen. Broo war bei der Entrümpelung des Gebäudes dabei. Ein besonderes Erlebnis: „Als ob im Gebäude die Zeit stehengeblieben war.“ Die Räume seien noch so eingerichtet gewesen, wie sie verlassen worden waren. Investiert worden sei anschließend in den Erhalt des Gebäudes. In Maßnahmen, die unter anderem die Statik des Gebäudes betreffen.

Als die beiden Eigentümer aber merkten, dass dieses Projekt doch viel mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, als sie gedacht haben, wollten sie es verkaufen. Für einen niedrigen sechsstelligen Betrag sollte es in die Hände eines neuen Besitzers übergehen, der Ideen, idealerweise Erfahrungen mit Altbauten und vor allem die nötige Geduld hat, um das zweigeschossige Objekt zu neuem Leben zu erwecken. Und eine Person, die auch die finanziellen Mittel für solch ein Projekt hat. Die Höhe der Kosten lasse sich nur schwer beziffern, sagt Broo. Günstig wird es jedenfalls nicht. Das wird einem bei einem Rundgang durch das Gebäude klar.

Eine Aufnahme von den 1970er-Jahren, im Hintergrund der Rathausplatz.
Eine Aufnahme von den 1970er-Jahren, im Hintergrund der Rathausplatz.

Der Putz hat sich an vielen Stellen von den Wänden und der Treppe gelöst. Decken und Böden hängen teilweise durch. An den Wänden sind Risse zu sehen. Durch einen hat sich ein Ast hindurchgeschlängelt. Es zeigt, dass die Natur das Haus mit der Zeit an sich nimmt. Von außen ist das nicht ersichtlich. Die Fenster sind mit Brettern abgedichtet, vor wenigen Monaten wurde die Eingangstür ausgetauscht, damit Unbefugte das Gebäude nicht betreten können. Leere Flaschen und sonstiger Müll hatten früher darauf hingedeutet, dass sich Menschen im Haus aufhielten.

Beispiel für vergangene bürgerliche Wohnkultur

Das Gebäude ist zwar in keinem guten Zustand, hat allerdings eine besondere Bedeutung für Landau. Es steht unter Denkmalschutz. Seit Juni vergangenen Jahres, nachdem es zuvor lange Zeit als erhaltenswert anerkannt worden war und als einer von vielen Prüffällen auf der Liste der Kulturdenkmäler gestanden hatte. Das teilt die Stadtverwaltung mit. In der Denkmalbeschreibung heißt es, das Gebäude sei mit seinen vielen Fensterreihen und seinem qualitätvollen Türblatt repräsentativ für die Trappengasse. „Der Grundriss weist neben einem zentralen barocken Spindeltreppenhaus eine bauzeitliche, im 19. Jahrhundert leicht geänderte Raumfolge auf, die sich für die Geschichte der bürgerlichen Wohnkultur der Stadt als aufschlussreich erweist.“

Doch Wohnen wäre heute zumindest im zweiten Obergeschoss wegen der zu geringen Deckenhöhe nicht mehr möglich, merkt Broo an. Frage ist nicht nur, was sich dort stattdessen einrichten ließe, sondern was generell aus dem Gebäude wird. Das hängt letztlich davon ab, ob das Denkmal ganz oder teilweise erhalten bleiben muss oder nach einem Abriss durch einen Neubau ersetzt werden kann. Dies möchten die Eigentümer nach Angaben von Broo selbst klären und geben dafür nun erste Gutachten in Auftrag. Sie werden das Projekt doch selbst in die Hand nehmen, nachdem sich zuletzt zwar viele Kaufinteressenten gemeldet hatten, aber kein Käufer für das Anwesen gefunden werden konnte.

Bei Denkmälern kochen die Emotionen hoch

Denkmäler sind oft mit Emotionen verbunden, ob sie erhalten bleiben oder abgerissen werden sollen. So gab es in Edenkoben Diskussionen zu der touristischen Umfunktionierung des unter Schutz stehenden Klosters Heilsbruck und der dazugehörigen Anlage, wobei sich die Kritik hauptsächlich auf die Bebauung der Weinbergsfläche konzentrierte, die sich in einer Denkmalzone befindet. Die Projektbeteiligten sind inzwischen jedoch in konstruktiven Gesprächen, die Pläne zur Zufriedenheit aller zu verwirklichen. In Herxheim wird der geplante Abriss eines Fachwerkhauses in der Unteren Hauptstraße kritisch hinterfragt und geprüft, an dessen Stelle eine Investorin eine Seniorenwohnanlage errichten möchte.

Der Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes ist in der Tat möglich. Die Entscheidung liegt aber bei den Denkmalbehörden. Dabei müssen die Untere Denkmalschutzbehörde und die Landesdenkmalpflege anhand von Gutachten, die den Zustand des Gebäudes und die Sanierungskosten betrachten, sowie einem Gutachten für Ersatzbau abwägen, welche Maßnahmen für den Eigentümer zumutbar sind. Anders ausgedrückt wird geprüft, ob es wirtschaftlich ist, das Gebäude durch Modernisierungsmaßnahmen zu erhalten oder nicht. Abgerissen wurde in Landau zum Beispiel das Anwesen in der Kugelgartenstraße 13. „Das Haus war nicht mehr standsicher wiederherzustellen, es haben zudem bereits Teile des Gebäudes gefehlt“, heißt es aus dem Rathaus.

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