Bundestagswahl 2021
Tobias Schreiner will für Die Linke in den Bundestag
Nein, wirklich gestresst wirkt Tobias Schreiner nicht. Dabei ist er schon seit Wochen ganz schön gefordert. Denn wenn man für die Partei Die Linke in der Südpfalz Wahlkampf macht, dann ist man mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Sicher, es gibt ein paar Mitstreiter aus dem Kreisverband SÜW/Landau, die beim Plakate kleben helfen oder ihn bei Haustürbesuchen begleiten. Aber auf einen Riesenapparat wie die großen Parteien kann er sich nicht stützen. Nicht mal ein eigenes Büro haben die südpfälzischen Linken. Wahlkampf wird mehr oder weniger aus dem Kofferraum von Schreiners Auto heraus gemacht, wo Flyer und Plakate gelagert sind. Aber sich deshalb stressen lassen?
Ruhe und Gelassenheit strahlt der 33-Jährige aus. Das ist sein Naturell. Aber davon darf man sich nicht täuschen lassen. Tobias Schreiner ist auch ein Kämpfer, etwa wenn es um Rassismus geht. „Antifaschismus und Antirassismus waren schon immer meine Themen. Mein politisches Engagement in diesem Bereich hat mich zu den Linken geführt“, erzählt er. Er hat die Parteienlandschaft zunächst intensiv geprüft, bevor er sich Ende 2014 ein Parteibuch der Linken besorgte. 2019 zog der gebürtige Landauer in den Stadtrat ein, dort hat er den Vorsitz der zweiköpfigen Linken-Fraktion.
Landesweit der jüngste Linken-Kandidat
Und nun zieht es ihn also nach Berlin. Na ja, dass seine Chancen, den Wahlkreis 211 zu gewinnen, eher gering sind, ist ihm selbstverständlich klar. Das heißt aber nicht, dass es sich für den jüngsten Kandidaten, den die Linken landesweit ins Rennen schicken, nicht lohnt zu kämpfen. „Es geht ja ein Stück weit darum, das Bewusstsein der Menschen zu ändern“, sagt Schreiner. Deshalb ist er auch viel an den Haustüren der Region unterwegs. „Alle Gemeinden werden wir nicht schaffen, die größten aber schon.“ Es sei ihm dabei wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Nur so könne man erfahren, was die Leute bewege. Bisher hat er dabei überwiegend positive Erfahrungen gemacht. „Klar, der ein oder andere macht die Tür zu oder winkt ab, wenn ich sage, dass ich von den Linken bin. Aber die meisten reagieren positiv.“
Eine Bewusstseinsänderung in der Politik fordert Schreiner in der sozialen Frage. Die Kluft zwischen Arm und Reich werde immer größer. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt mehr als ein Drittel des gesamten Volksvermögens, ist im Wahlprogramm der Linken nachzulesen. Und genau das wurmt Schreiner. „Eigentlich ist für die Lösung der Probleme in unserem Land genug Geld da. Es muss nur anders verteilt werden“, meint Schreiner. Man merkt sofort, dass die Sozialpolitik Schreiners Steckenpferd ist. Als gelernter Gesundheits- und Krankenpfleger ist er geradezu prädestiniert dazu. Ebenso wie für die Gesundheitspolitik. Dass Krankenhäuser Gewinn erwirtschaften müssten, sei schon an sich absurd. Gesundheit dürfe nicht immer mehr zu einem Markt verkommen, auf dem Profite mehr zählten als der einzelne Mensch. Schreiner fordert, dass Gesundheit als Teil des Sozialstaats öffentlich organisiert werden müsse.
„CDU steht für Stillstand“
Auch wenn er selbst kein Bundestagsmandat erringen sollte, will er dafür kämpfen, dass die Linke zahlenmäßig möglich stark im 20. Deutschen Bundestag vertreten sein wird, um eventuell bei der Regierungsbildung ein Wörtchen mitzureden. „Es ist ganz wichtig, dass wir eine andere Regierung bekommen. Vor allem ohne CDU, denn die CDU steht für Stillstand.“ Eine Blockadepolitik in der sozialen Frage wirft er den Christdemokraten im Bund vor.
Also lenkt bald Rot-Grün-Rot die Geschicke der Republik? „Warum nicht?“, sagt Schreiner, obwohl es bei SPD und Grüne einige Bedenken bei einer Koalition mit den Linken gibt. „Wir haben viele gemeinsame Ziele. Und nur weil es Differenzen in der Außenpolitik gibt, soll eine rot-rot-grüne Regierung nicht möglich sein? Ich glaube, da lassen sich Kompromisse finden.“ Zwar sieht auch er die Nato und die Auslandseinsätze der Bundeswehr kritisch, aber seine Ablehnung ist weniger dogmatisch als bei einigen Parteigenossen. Nur beim Thema Waffenexporte lässt er nicht mit sich reden: „Das muss aufhören.“
Bis zum 26. September wird Schreiner noch etliche Haustürgespräche führen. Doch an diesem Nachmittag ist Schluss mit Wahlkampf. Er ist mit Freunden zum Fußball spielen verabredet. Fußball und Basketball sind seine Hobbys. Die wird er auch weiter pflegen. Auch als Bundestagsabgeordneter. Und wenn es mit Berlin nichts wird? „Dann mache ich weiter Politik, auch hier Landau gibt es viel zu tun.“
Korrekturhinweis
Tobias Schreiner ist nicht Vorsitzender des Kreisverbands der Linken und er ist nicht studierter Gesundheits- und Krankenpfleger, wie es in einer früheren Version dieses Textes hieß. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert.