Landau
Stefan Dorst: Internationale Weine und lokale Spezialitäten
Heute betreten Weinliebhaber mühelos vom heimischen Sofa aus Vinotheken in der ganzen Welt, aber vor 28 Jahren war das anders. Wer einen ganz besonderen Wein kaufen wollte, ob aus Südafrika oder Spanien, der war am Kleinen Platz an der richtigen Adresse. Er ist es noch heute. Denn für so manchen Kunden weist Stefan Dorst in seiner Weinhandlung am Kleinen Platz in Landau einen Weg durch den Dschungel der Weinwelt.
Der gebürtige Rohrbacher stammt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dass er zu einem Pionier wurde, verdankt er den Umständen und seiner Neugierde. Vom einen oder anderen heimischen Winzer vielleicht kritisch beäugt, ging er konsequent seinen Weg. Der 58-Jährige ist ein kreativer Kopf; der Besuch in seinem Weinladen zeigt zunächst nur die eine Seite des Weinmachers. In zwei Räumen vereint Dorst internationale Weine der neuen und der alten Welt, Flasche an Flasche auch ausgesuchte Erzeugnisse von mehr als 50 Pfälzer Winzern.
Auch Spirituosen im Regal
Ob Madeira-Weine, schwere Sherrys oder andere Spezialitäten – Dorst bietet ein ganzes Arsenal an Köstlichkeiten. Die fachliche Beratung ist obligatorisch, wenn gewünscht. Wie hat alles angefangen? Der Landauer Günter Hutter, der später ein Weingut in Poilhes in Südfrankreich kaufte, habe ihn 1995 auf das Haus am Kleinen Platz aufmerksam gemacht, erzählt Dorst. „Es war eine verrückte Idee, aus der Wohnung einen Weinladen zu machen.“ Dorst hat das 1880 gebaute Haus wenig später übernommen und vor 28 Jahren stilvoll renoviert.
Den Weinladen habe er mit einer sehr idealistischen Sicht aufgebaut, er sollte eine kulturelle Bereicherung für Landau sein, so der Ansatz. Die Philosophie dahinter: Nur wer über den Tellerrand schaut, kann sich weiterentwickeln.
Abenteuerlust und Neugier
Dorsts Partnerin Nines Gómez-Barroso aus Spanien wird künftig die Hauptansprechpartnerin sein. Tobias Baumann hat das Haus nach vier Jahren verlassen, um in die schwäbische Heimat zurückzugehen. Der Chef wird samstags ebenfalls im Geschäft sein, wenn er nicht gerade als Flying Winemaker in der Welt unterwegs ist. Die Weinhandlung ist nur ein Standbein für den Winzer und Weinbautechniker.
Ende der 1980er-Jahre packte den jungen Mann die Abenteuerlust. Es sollten prägende Jahre werden. Der deutsche Weinbau hatte damals nicht das Ansehen, das er heute genießt. Dorst kombinierte seine Abenteuerlust mit der Neugierde auf die Arbeit internationaler Kollegen. Erste Erfahrungen sammelte er bei einem großen Weingut im Schweizer Wallis, kehrte dann nach Schweigen zurück. Dort im Weingut Fritz Becker hat er über viele Jahre gearbeitet und mitgearbeitet.
Dorst konzipiert Weine
1991 zog es Dorst nach Argentinien. Er arbeitete beim renommierten Weingut Bodega Catena Zapata in Mendoza, lernte spanisch und kam in Kontakt mit französischen und kalifornischen Flying Weinmakers. „Für mich hat sich da eine neue Weinwelt geöffnet.“ Jedes Jahr packte er für drei Monate seine Tasche und flog ins Südamerika-Abenteuer.
Was hat es mit dem Flying Winemaker auf sich, dem Fliegenden Weinmacher? Den Begriff vermeidet Dorst am liebsten. Was vor 30 Jahren ein treffender Ausdruck für Mobilität und Weinabenteuer gewesen sei, habe sich für ihn verändert, sagt er. Er sei Regisseur, Coach oder verantwortlicher Weinmacher. Er produziere nicht im Auftrag eines Weinguts, vielmehr konzipiere er Weine. „Oft entstehen bessere Ergebnisse, wenn man von außen in einen Betrieb kommt.“ Es gehe um Wissenstransfer. „Bestandteil meines Jobs ist, mich überflüssig zu machen“, erläutert Dorst.
Exel ist der beste Freund
Zug um Zug hat er seine Beratungstätigkeit erweitert, zum Beispiel in Südafrika die Laibach Vineyards aufgebaut und 18 Jahre lang begleitet. 90 Mal sei er in Südafrika gewesen. Am Zoll sei er schon gefragt worden, warum er nicht dort lebe, wenn es ihm so gut gefalle. Der Landauer arbeitet für fünf Weingüter. Drei- bis viermal im Jahr besucht der Vater einer 17-jährigen Tochter seine Auftraggeber. Ansonsten tauscht er sich über die Distanz aus. Exel sei sein besten Freund, witzelt er. Immer aber sei er undercover unterwegs und gebe Anregungen. Nicht immer weiß er, ob sie umgesetzt werden. Anders ist das bei Venta d’Aubert in Spanien, dort hat er mittlerweile den 25. Jahrgang vinifiziert. In der Schweiz arbeitet Dorst hauptsächlich bei der Luxus-Weinlinie von Cottinelli in Graubünden mit.
Dorst bringt Erfahrungen aus südamerikanischen Weinbergen und Kellern mit, war in Chile und Australien, aber auch in Frankreich, Österreich und den Niederlanden. „Diesen Wissenseinfluss kombiniere ich mit deutschem Wissen.“ Er mache das Gegenteil von Schema F und liebe neue Herausforderungen. Der Erfolg eines gelungenen Jahrgangs trägt aber nicht seinen Namen. Das falle für ihn nicht ins Gewicht, versichert der Landauer. Viel wichtiger ist ihm sein persönlicher Freiraum, die kreative Spielwiese. Weinmachen sei Kunst, sagt Dorst. Wie ein Künstler habe er seinen eigenen Stil entwickelt. Ideen habe er viele, aber er müsse mit seiner Zeit haushalten. Mittlerweile reise er etwas weniger, nur noch 120 Tage im Jahr.
Der oenologische Spielplatz
Was macht einen guten Wein aus? „Das ist eine Verkettung vieler kleiner Details, warum ein Wein besser ist als ein anderer“, antwortet Stefan Dorst. Jeder Geschmack sei sehr subjektiv. Gute, qualitätsorientierte Arbeit führe letztendlich zum Erfolg, was sich auch in der Südpfalz zeige, die heute zu den innovativsten Weinregionen Deutschlands zähle. Gemeinsam mit fünf Winzern bringt Dorst unter dem Label Dorst&Consorten eigene Weine auf den Markt. Auf diesem oenologischen Spielplatz entstünden visionäre Tropfen, die man nicht an jeder Ecke bekomme.
Dazu zählt auch der Wermut-Wein Merwut. „Ein großartiges Getränk, das vor dem Aussterben bewahrt werden muss. Wermut hat angeblich seine besten Tage erlebt, ich will versuchen, Sie vom Gegenteil zu überzeugen“, berichtet der Meister auf seiner Homepage. Seine Spanienreisen haben ihn auf den Geschmack gebracht.
Ein besonderer Aperitif ist auch Martinelli. Ein Jahr lang habe er an der richtige Rezeptur für diesen eigenen Bitter gearbeitet. In Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Barkeeper Angelo Martinelli, der vor Kurzem im Betriebswerk eine eigene Bar eröffnet hat. So viel verrät Dorst: Auf leichter Rotwein-Basis enthält der Bitter Kräuter wie Enzian und Chinarinde. Auf Farbstoffe hat er verzichtet, den Zucker reduziert und weitgehend durch Traubensaft ersetzt. Wer Martinelli kosten möchte, muss nicht nach Heidelberg fahren. Auch im Landauer Weinladen steht er im Regal.
Info
Vor zehn Jahren hat Stefan Dorst einen Online-Shop eingerichtet. Infos unter www.weinhandlung-am-kleinen-platz.de
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