Landau
Stadt weist Kritik an Buch über Judenverfolgung zurück
Martins Vorwürfe, dass die Stadt nie zuvor für historische Forschung bezahlt habe, sei falsch, sagt Bürgermeister Maximilian Ingenthron in einer Doppelrolle: Er ist als Kulturdezernent für Stadtarchiv und Museum zuständig, und er ist Vorsitzender des Freundeskreises von Archiv und Museum. So sehr er dessen Expertise wertschätze, habe Martin den Bogen überspannt.
Ingenthron betont, dass der erste Band, der zum Thema Juden in Landau herausgegeben worden ist, nämlich „Landau im Nationalsozialismus“ aus dem Jahr 2013, von ihm selbst initiiert worden sei. Dies sei auch im Vorwort des damaligen Oberbürgermeisters Hans-Dieter Schlimmer nachzulesen. Der Stadtrat habe dann mit einstimmigem Beschluss dem Stadtarchiv den Auftrag erteilt.
25 Euro pro Seite
Martins Nachfolgerin Christine Kohl-Langer betont, dass die Stadt auch damals für die historische Forschung bezahlt habe. Martin und sie selbst hätten als Angestellte der Stadt natürlich keine zusätzliche Vergütung bekommen, die übrigen Autoren aber sehr wohl. Damals seien pro Seite 25 Euro gezahlt worden, außerdem habe die Stadt die Drucklegung übernommen.
Laut Kohl-Langer ist die Arbeit der promovierten Historikerin Kreuter in ähnlicher Höhe – diesmal aus Mitteln der Sparkassen-Stiftung – vergütet worden: mit 25 Euro pro Seite, wenn man den reinen Textteil heranziehe, und mit knapp 22,50 Euro, wenn man auch den Quellen- und Registeranhang berücksichtige. Wenn man dann noch die Inflation berücksichtige, sei damals sogar besser gezahlt worden.
Nicht auf gut Glück bezahlt
Ingenthron erklärt weiter, dass die Autorin auch nicht im Voraus und sozusagen auf gut Glück bezahlt worden sei. Sie habe immer wieder Arbeitsberichte abgeliefert, Teile der Arbeit mit Kolleginnen und Kollegen diskutiert und ihr Manuskript vorgelegt, so die Archivleiterin. Sie weist daher auch inhaltliche Kritik an Kreuters Arbeit zurück, die, anders als von Martin angedeutet, nicht nur im Stadtarchiv geforscht, sondern auch etliche weitere Archive genutzt und Zeitzeugen kontaktiert habe. Kritik sei ein wesentlicher Bestandteil der Wissenschaft, aber die von Martin gewählte Form sei nicht angemessen, findet Kohl-Langer.
Die promovierte Historikerin Kreuter habe einschlägige Erfahrungen aus ihrer Tätigkeit am Institut für Antisemitismusforschung in Berlin und habe zahlreiche Beiträge zur Berliner Stadtgeschichte, zu Nationalsozialismus, Antisemitismus, Rettung von Juden und jüdischem Exil verfasst. Außerdem gebe es von ihr, die auch Politologin sei, die beiden Monografien „Wo liegt Ecuador? Exil in einem unbekannten Land – 1938 bis zum Ende der fünfziger Jahre“ von 1995 und „Äthiopien – von innen und außen, gestern und heute“ aus dem Jahr 2010. In Landau ist sie Mitglied der Initiative Stolpersteine und hat Lebensläufe ehemaliger jüdischer Mitbürger recherchiert. Entsprechende Beiträge sind auch schon in der RHEINPFALZ erschienen.
Ingenthron meint, es hätte Martin besser angestanden, eine Rezension des Kreuter-Buches zu schreiben, beispielsweise für den Historischen Verein der Pfalz oder in der Pfälzer Heimat.