Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Soziallotse könnte Wegweiser im Dschungel sein

Welcher Laie soll da durchblicken? Viele Bedürftige sind schlichtweg überfordert, wo sie welche Anträge für Hilfen stellen könne
Welcher Laie soll da durchblicken? Viele Bedürftige sind schlichtweg überfordert, wo sie welche Anträge für Hilfen stellen können. Deshalb braucht es einen Soziallotsen, sagen die freien Träger.

Der Seniorenbeirat und der Verein Silberstreif gegen Altersarmut kämpfen seit über einem Jahr für einen Soziallotsen in Landau. Die Stadtverwaltung sieht mehrere Probleme.

Caritas, Diakonie, der Verein Silberstreif gegen Altersarmut und das Stadtteilbüro Süd können ein Lied davon singen, was es für Hilfesuchende heißt, wenn sie von Pontius zu Pilatus laufen müssen und nicht mehr ein noch aus wissen. Ein Soziallotse wäre der erste wichtige Ansprechpartner, argumentieren die Kenner der Problemlagen. Das war erneut Thema im Stadtrat, weil die SPD den Lotsen statt des Referenten für den künftigen Bürgermeister gefordert hatten. Unterstützung bekam sie nur von Pfeffer&Salz, weshalb der Antrag abgelehnt wurde.

Schon einmal hatte der Lotse auf der Tagesordnung gestanden, im September 2022, damals auf Antrag des Seniorenbeirats. Christine Baumann, Vorsitzende des Vereins Silberstreif gegen Altersarmut, hatte das Gremium dafür gewinnen können. Sie hat viele Beispiele dafür, warum es eine kommunale Stelle mit hoher fachlicher Kompetenz braucht, die jedem Fragenden auf Augenhöhe begegnet, möglichst alle wichtigen Hilfen kennt, Anbieter wie Behörden vernetzt und mit den Hilfesuchenden zusammenbringt. Der Soziallotse wäre erste Anlaufstelle, Orientierungshelfer, Wegweiser und Kontaktvermittler.

Große Unkenntnis

Michael Scherrer, Vorsitzender des Seniorenbeirats, spricht mittlerweile lieber von einem Coach. Niedrigschwellig müsse das Angebot sein. Nach der Debatte im Rat sieht er eine Abweichung vom ursprünglichen Antrag, während Absicht und Zielgebung gleich geblieben seien. Denn viele Bedürftige seien überfordert und fänden sich im Förderdschungel nicht zurecht. Es gehe gar nicht darum, dass sich der Lotse in jeder Feinheit der Fördermechanismen auskennen müsse. Vielmehr müsse er Ansprechpartner kennen und Hilfesuchende auch durch Antragsverfahren lotsen.

Natürlich habe der Bedürftige eine Holschuld, greift Scherrer ein Argument von Oberbürgermeister Dominik Geißler auf, aber das nutzten viel zu wenige. Baumann zitiert eine Studie, wonach beispielsweise nur 40 Prozent der infrage kommenden Kinder oder Senioren ihr Recht auf Grundsicherung in Anspruch nähmen, weil sie es gar nicht wüssten. Ebenfalls von der Stadt als Argument ins Feld geführt, sieht auch Scherrer das Problem, dass nicht „Stadtverwaltung“ auf dem Knopf stehen dürfe, den Bedürftige drücken müssten. Die Scham sei zu groß.

Sozialamt entlasten

Silberstreif-Vorsitzende Baumann verweist auf die Vorgabe im Sozialgesetzbuch, die Beratung, Aufklärung und Auskunft verlange. Sie plädiert dafür, dass die Stadt bei den Einrichtungen erst einmal den Bedarf abfrage. „Es geht um kleine Schritte.“ Ein Soziallotse könne auch im Bürgerbüro angesiedelt werden, da sei die Scham nicht so groß. „Aber wenn man etwas nicht will, dann findet man immer Argumente dagegen“, sagt Baumann. Ein Lotse würde das Sozialamt entlasten, gibt sie zu bedenken.

Scherrer anerkennt, dass der Wechsel im Sozialdezernat von Maximilian Ingenthron auf die neue Beigeordnete Lena Dürphold das Thema verzögere. „Wir werden dran bleiben und nachhaken“, kündigt Scherrer an. Dürphold werde am 24. Januar im Beirat erwartet. Letztlich gehe es auch um Geld.

Freie Träger unterstützen

Von Verwaltungsseite wird eher darauf hingearbeitet, dass die „gut etablierte“ Arbeit in den vorhandenen Sozialberatungsstellen mit einer zusätzlichen städtischen Finanzspritze ausgebaut werden kann. Es hätten auch kaum andere Kommunen Stellen für Soziallotsen geschaffen. Geißler betonte am Dienstag, eine Person allein könne gar nicht die komplette Beratungsleistung abbilden. Lena Dürphold werde sich des Themas annehmen. „Wir brauchen ein effizientes Sozialnutzensystem, das die Angebote optimiert und koordiniert“, sagte der Stadtchef.

Im Stadtrat versicherte CDU-Sprecher Peter Lerch, das Thema sei nicht abgeräumt, aber er sehe zu viele ungelegte Eier. Profil, Umfang oder Zuordnung des Lotsen seien noch zu unklar.

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