Landau Sicherheitstraining: Erinnerungen an die ersten Fahrstunden
Im vergangenen November kam es auf der B38 bei Appenhofen zu einem Auffahrunfall, der für einen 83-jährigen Motorradfahrer tödlich endete. Im Juni starb ein 41-jähriger Pkw-Fahrer auf der B10 bei Annweiler beim Zusammenprall mit einem Lastwagen. Im Februar kam eine 63-Jährige auf der L493 zwischen Billigheim und Rohrbach mit ihrem Fahrzeug von der Fahrbahn ab, stieß mit einer Mauer zusammen und starb an der Unfallstelle.
Tödliche Verkehrsunfälle passieren auch in der Südpfalz immer wieder. Ob als Verursacher oder Geschädigter, häufig sind dabei ältere Bürger involviert. Das zeigen auch die Unfallstatistiken der Polizeidirektion Landau, aus denen hervorgeht, dass in den Jahren 2020 und 2021 bei allen sieben tödlichen Unfällen eine Person beteiligt war, die mindestens 63 Jahre alt war. Die Unfälle könnten also damit zusammenhängen, dass Senioren beim Fahren im Straßenverkehr unsicherer werden. Doch wer mit seinem Auto, den Verkehrsregeln oder sonstigen Umständen nicht mehr klarkommt, muss den Pkw nicht zwingend stehen lassen. Fahrschulen bieten für solche Fälle Fahrsicherheitstrainings an.
Auch jüngere Kunden
In Landau gibt es das Angebot zum Beispiel bei Keys Fahrschulen. „Zu uns kommen ganz unterschiedliche Personen“, sagt Inhaber Mathias Range. „Wir schauen dann individuell, welche Defizite sie haben und helfen entsprechend.“ Dabei gehe es oft zum Beispiel darum, das Reaktionsvermögen im Straßenverkehr zu testen, Abstände richtig einschätzen zu können, die Verkehrsregeln aufzufrischen oder den Kunden gewisse Ängste zu nehmen. Auch, wer sich an ein unbekanntes Gefährt, wie etwa ein Wohnmobil oder ein Elektroauto, gewöhnen möchte, kann die Fahrstunden in Anspruch nehmen. Auch jüngere Personen, die länger kein Auto gefahren sind, gehen zu Keys. In der Regel kommen ein bis zwei Personen im Monat zum Fahrsicherheitstraining.
Am Mittwochmorgen steigt Mathias Range mit Monika Müller ins Fahrschulauto. Die 58-Jährige hat 1984 ihren Führerschein gemacht und ist seitdem nur ältere Autos wie den Morris Minor oder den Golf G1 gefahren. Die Oldtimer sind ihr mittlerweile aber zu schade, um sie für jeden Anlass zu fahren. Auch, um die drei Enkel von der Schule abholen zu können, soll nun ein neueres, moderneres Auto her.
Respekt vor moderner Technik
Da Müller großen Respekt vor der Technik der neueren Pkw hat und sich nicht zutraut, von allein mit den vielen Assistenzfunktionen klarzukommen, hat sie die Fahrschule um Hilfe gebeten. Bevor Range mit ihr auf die Straßen geht, hat er ihr in einer ersten Fahrstunde einige Funktionen bereits erklärt. Als die beiden am Mittwoch dann ins Auto steigen, stellt das Justieren der Spiegel die 58-Jährige bereits vor Herausforderungen. Das geht mittlerweile nämlich alles bequem mit einem Joystick auf der Fahrerseite.
Auch wenn sich Müller etwas an den modernen Golf der Fahrschule gewöhnen muss, als sie losfährt, wird schnell klar: Unsicher im Straßenverkehr fühlt sie sich nicht. Trotz der Aufregung ist sie dabei auch zum Spaßen aufgelegt. „Es fühlt sich an, als wäre ich wieder 18 und in der Fahrstunde zum Führerschein“, witzelt sie.
Tempomat und Start-Stopp-Funktion
Range erklärt Müller bei der Fahrt immer wieder gewisse Funktionen im Auto, die die 58-Jährige aus ihren alten Gefährten nicht kennt. Vor allem Tempomat und Start-Stopp-Funktion sollen heute getestet werden. Mit Letzterer kommt Müller gleich gut klar. Die Funktion schaltet den Motor beim Stehen an der Ampel aus und bremst den Wagen bei der Anfahrt am Berg automatisch, sodass sich Müller ganz auf das Zusammenspiel aus Kupplung und Gaspedal konzentrieren kann. „Endlich bekomme ich keinen Wadenkrampf mehr, wenn ich beim Warten nicht mehr die Kupplung durchtreten muss“, freut sie sich.
Müller und Range fahren Landau-Zentrum auf die Autobahn Richtung Karlsruhe. Hier soll Müller ein Gefühl für den Tempomat bekommen. Diese Assistenz-Funktion lässt das Auto konstant eine Geschwindigkeit halten, ohne Gas zu geben, und bremst sogar von alleine ab, wenn es zu nah auf den Vordermann auffährt. Mit der Funktion beschleunigt das Auto sogar von selbst auf die im Straßenverkehr vorgegebene Geschwindigkeit. Als der Golf eigenständig von 100 auf 130 beschleunigen will, wirkt Müller irritiert. Daran müsse sie sich erst einmal gewöhnen, sagt sie.
Assistenzsysteme nur Unterstützung
Es geht wieder runter von der Autobahn. Durch Queichheim geht es zurück in die Stadt. Mit dem Tempomat möchte Müller gerne noch einmal in einer weiteren Stunde üben, bevor sie ihn alleine benutzt. Während der Fahrt fragt sie Range, ob man bei den ganzen technischen Hilfen nicht das eigentliche Autofahren verlernen würde. „Die Assistenzsysteme sind nur zur Unterstützung. In der Fahrschule lernt man immer mit und ohne zu fahren. Es ist auch wichtig, dass man sich nicht zu sehr von ihnen ablenken lässt“, betont Range.
Wieder an der Fahrschule angekommen, muss Müller das Gefährt noch einparken, was ihr auch gut gelingt, ohne groß auf die Kamera des Einparkassistenten zu achten. „Ich fand die Fahrstunde ausgesprochen hilfreich. Meine Berührungspunkte mit der Technik schwinden und ich fühle mich schon sicherer“, resümiert sie.