Südpfalz
Südpfälzer gehen Hawaii und Abi-Feiern durch die Lappen
Lena Kaufmann aus Landau und ihren Lieben geht der Saisonstart am Campingplatz durch die Lappen. Die RHEINFPFALZ hatte Sie, liebe Leserinnen und Leser, danach gefragt, auf was Sie jetzt verzichten. Kaufmanns sind Dauercamper. „Unser Platz ist in Frankreich, heißt Etang de Hanau.“ Seit Oktober fiebern sie dem 1. April entgegen. „Wir treffen dort unsere Freunde aus Hessen, Bawü, Frankreich, RLP und dem Saarland.“ Nun bleibt der Campingplatz geschlossen. „Dadurch geht uns der Wald, die frische Luft, das Lagerfeuer und die Gitarrenmusik durch die Lappen. Aber vor allem tolle Gespräche, Lachen und unsere Freunde.“
Edmund Jung musiziert seit langer Zeit für eine Kita ehrenamtlich mit Gitarre und Mundharmonika und einen Tag später in einem Altersheim in Landau in der Männerrunde. „Zwischen beiden ist nach Lebensjahren eine Differenz von 70 bis 90 Jahren. Mir fehlt das Lachen und Singen der Kinder genau so wie die Erzählungen der wandelnden Geschichtsbücher und die große Freude und Dankbarkeit der älteren Menschen“, schreibt uns Jung, der auch RHEINPFALZ-Zusteller ist.
Längst Fälliges erledigen
Der 68-jährige Rentner Volker Jährig aus Steinweiler schickt gleich eine ganze Liste seiner gestrichenen Termine. Darunter: fünf Wochen Hawaii und Westküste USA.
Martin Lickes aus Erlenbach wäre am 4. April nach Leipzig gefahren – mit seiner Frau, die Chorleiterin ist, und den „Little Voices“ zum Kinderchorfest. „Besonders schwer fiel es uns, den Kindern, die nach vielen Monaten der Probe nun nicht zu ihrem hart erarbeiteten Auftritten kommen werden, die Absagen zu vermitteln.“ Lickes fehlen auch die wöchentlichen Proben beim Chor „Voice of Happiness“, der auch von seiner Frau geleitet wird. Dort werde gesungen, gelacht und Gemeinschaft gelebt.
Dorit Simon fragt, warum die Redaktion nicht auch wissen möchte, welche positiven Seiten die Virus-Situation hat: „Eltern spielen wieder mit ihren Kinden, statt shoppen werden längst fällige Dinge zu Hause erledigt, es wird mal wieder ein Buch zur Hand genommen oder ein Brief geschrieben, das längst fällige Telefongespräch nachgeholt.“
Bitte Rücksicht nehmen
Petra Rebholz aus Landau schreibt uns quasi in eigener Sache. Sie arbeitet im Lebensmittel-Einzelhandel, ist eine derjenigen, die jeden Tag mit den Kolleginnen für gefüllte Regale sorgt. Sie vermisst das Verständnis der Mitbürger in Bezug auf Corona. „Wegen des erhöhten Einkaufsverhalten müssen wir ein viel größeres Arbeitspensum meistern als im ,Normalfall’. Das machen wir gerne und versuchen unser Möglichstes.“ Aber, so fragt sie, „wer schützt eigentlich uns?“ Das Personal sei unkontrolliert Viren jeglicher Art ausgesetzt. Kunden husteten herum, niesten in ihre Hände und hielten nicht genügend Abstand. Wenn sich jeder rücksichtsvoller verhalte, kämen wir vielleicht um eine Ausgangssperre herum, meint Rebholz. Und eines ist ihr noch wichtig: „Einkaufen ist keine Freizeitbeschäftigung für Kinder und alle die, die Langeweile haben.“
Simone Seelinger-Keiber aus Jockgrim spricht das Leid der Abiturienten an. „Es wird schon Monate für den Abiball geprobt, Tanzeinlagen, Musikeinlagen. Ein ganzes Jahr wird durch Kuchenverkauf und andere Dinge Geld eingenommen, damit dieser Tag ein ganz besonderes Erlebnis wird.“ Jetzt sei alles abgesagt. Ob der Abiball irgendwann doch noch stattfinde, stehe in den Sternen. Die Mühe sei fast umsonst, das Abi habe man trotzdem. Aber so stelle man sich seinen Abschluss nicht vor. „Die Stimmung war in den ersten Tagen nach der Absage nicht sehr gut. Es leidet die ganze Familie mit dem Sohn. Ich denke, so wie uns ist es vielen ergangen, deren Kinder dieses Jahr Abitur gemacht haben. Es gibt Dinge im Leben, darauf ist man einfach nicht vorbereitet. In diesem Falle war es Corona.
Konfirmationsanzug zurückgegeben
Auch Bärbel Roth aus Landau findet es sehr traurig, dass sie mit ihren Enkeln das Abitur nicht gebührend feiern kann. Seit zwei Jahren hätten sich die Zwillinge und alle Leistungskurse auf den Abiball vorbereitet, sagt die 71-Jährige. „Ich war so glücklich, dass ich das noch erleben darf.“ Es tue ihr für den gesamten Abi-Jahrgang leid. „Die gehen jetzt alle auseinander.“ Beim anderen Enkel werde die Konfirmation verschoben. Gerade noch rechtzeitig habe der Anzug zurückgegeben werden können, denn im Herbst sei der Junge da sicher herausgewachsen.