Godramstein
Römerkastell wird bald wieder zugeschüttet
Nach Angaben von David Hissnauer, Gebietsreferent der Generaldirektion Kulturelles Erbe, werden die Funde dann mit einem Vlies abgedeckt und mit Sand überschüttet, um sie zu schützen. Hissnauer hat am Montag auf Bitten des Festungsbauvereins etwa 40 Besuchern die Funde erläutert. Wenn die Mauern offen liegenbleiben würden, wären sie innerhalb kürzester Zeit von der Witterung zerstört – trotz der Verwendung von Opus Caementitum, Römerbeton, der dem heutigen teils deutlich überlegen ist.
Das Kastell wird auch nicht komplett ausgegraben, obwohl unter einem angrenzenden Wingert noch weitere Funde zu erwarten sind, die wegen der leichten Hanglage und der dickeren Erdüberdeckung möglicherweise noch aussagekräftiger wären. Wie berichtet, stammen die bisherigen Funde von Gebäudeteilen, die deutlich unter Fußbodenniveau liegen. Bisher gehen die Archäologen davon aus, auf ein Kleinkastell von etwa 45 mal 30 Metern Größe aus dem 3. Jahrhundert gestoßen zu sein. Es sei aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass sie nur den südlichen Teil eines viel größeren Kastells gefunden hätten.
Viele Römerfunde in Godramstein
Hissnauer hält es aufgrund vieler Spolien – wiederverwendeter Bausteine und Steine römischer Denkmäler (Viergöttersteine und Gigantenreiter) – für möglich, dass die zum Kastell gehörende Römersiedlung im Bereich Godramstein zu suchen wäre. Als Gigantenreiter wird eine Darstellung des Gottes Jupiter zu Pferd bezeichnet, der einen Giganten niederreitet. Dies soll den Sieg der Römer über andere Völker symbolisieren. Ein solcher Stein war der erste Fund, dessen Bedeutung ein aufmerksamer Baggerfahrer im März erkannt hatte. Er und seine Firma hatten die GDKE eingeschaltet, die daraufhin in Ruhe graben konnte.
Die Gigantenreiter waren typische Ausstattungsmerkmale von römischen Gutshöfen (Villa rustica). Beim Kastell war ein solcher Stein wiederverwendet worden. Dass es sich um Reste eines Militärbaus handelt, schließen Hissnauer und seine Kollegen aus der ungewöhnlichen Fundamentstärke, die über die Mauern einer Villa deutlich hinausgehen, und den Abdrücken genagelter Sandalen, wie sie nur von Soldaten getragen wurden. Zudem wären bei einem Landhaus nicht alle Zimmer gleich groß. Hier sind acht Räume von etwa sieben mal vier Metern gefunden worden, die an der Längsseite eines Hofes lagen. An der zweiten, nicht ausgegrabenen Längsseite dürften weitere solcher Räume gelegen haben. Außerdem ist ein Tor zum Hof gefunden worden – im Foto ist dieser Bereich an den gelben Überfahrrampen zu erkennen.
Spätantike Kastelle selten
Laut Hissnauer gibt es bisher nur sehr wenige Funde römischer Kastelle aus der Spätantike. Sie können annähernd quadratisch, aber auch länglich-rechteckig sein, wie vermutlich im vorliegenden Fall. In der Pfalz sei das 3. Jahrhundert eine Zeit der Blüte gewesen.