Landau Ohr für Politik im Stilmix
Die Rechnung von Lisa Reinheimer (25) und Osamah Farmawi (26) ist aufgegangen, die Sitzreihen im Gloria sind mit mehr als 400 Besuchern voll besetzt. „Damit hätten wir wirklich nicht gerechnet“, freut sich Reinheimer. „Wir hatten vorher noch überlegt, ob wir ernsthaft den großen Saal und nicht lieber doch den kleineren nehmen sollen, weil wir befürchteten, wir würden ihn nicht vollkriegen.“ Stattdessen ist eher Platzmangel angesagt. Bereits eine halbe Stunde vor Einlass tummeln sich mehr als hundert junger Leute vor dem Eingang des Kulturpalastes und warten gespannt auf den Beginn der Veranstaltung. Das Konzept (wir berichteten am 24. Februar), für das die beiden Veranstalter im Vorfeld mit Flyern, Plakaten, über Farmawis Sneakerstore Goldjunge und auf Facebook ordentlich die Werbetrommel gerührt hatten, geht auf: politische Inhalte im Hinblick auf die Landtagswahl vermitteln und „Showacts“ – kurz Politainment. Für ersteres sind die Kandidaten der Parteien zuständig: Peter Lerch (CDU), Wolfgang Schwarz (SPD), Lukas Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen), Karl Hermann Vogel (Die Linke), Nikolas Palmarini (FDP) und Friedel Vogt (Piraten). Wie bei einem Boxkampf werden die Kandidaten mit zuvor von ihnen selbst ausgewählten Liedern auf die Bühne gerufen, der Linke Vogel zum Beispiel mit dem kämpferischen Titel „Eye of the Tiger“ von Survivor, was beim Publikum für Stimmung sorgt. Anstatt der ursprünglich angekündigten sieben Parteien geben sich allerdings nur sechs Kandidaten auf der Bühne die Ehre. Der Vertreter der AfD habe seine Teilnahme kurzfristig aufgrund beruflicher Verpflichtungen absagen müssen, hießt es. Das Publikum nimmt’s gelassen. Nach kurzen Vorstellungsrunden geht es für die Kandidaten dann in die erste Fragerunde, die das Publikum im Vorfeld auf der Facebook-Seite mitbestimmen konnte. Ein Punkt auf der Tagesordnung: die Legalisierung von Cannabis. In dieser Frage sind sich die Parteien, wie erwartet, uneins. Während sich Hartmann, Vogel und Vogt für eine Legalisierung aussprechen und dafür den Applaus des Publikums ernten, sind Schwarz, Palmerini und Lerch dagegen. Wer für seinen Standpunkt länger als die vorgegebene eine Minute Redezeit braucht, wird von dem DJ unterbrochen. So ertönt inmitten Palmarinis Plädoyer für einen alternativen Islamunterricht „Ice Ice Baby“ von Vanilla Ice. Auch das Thema Bafög, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, hat es in die erste Fragerunde geschafft. Für Auflockerung sorgt dann Poetry-Slammer Philipp Herold aus Heidelberg, später die Landauer Band „takeitbaked“. Nach der Pause bekommt Reinheimer bei der Männerrunde auf der Bühne weibliche Verstärkung. Die CDU-Kandidatin Christine Schneider, die zuvor einen anderen Termin wahrnehmen musste, löst ihren Parteikollegen ab. Moderator Osamah Farmawi nutzt die Gunst der Stunde: „Können Sie uns Angela Merkel für den nächsten Politik-Slam klarmachen?“ Neben dem vierspurigen Ausbau der B 10 und einem Ausstieg aus der Atomenergie wird in der nächsten Fragerunde auch über das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare diskutiert. Der letzte Punkt liegt dem Publikum dabei offenbar besonders am Herzen. „Diese Frage ist mit den meisten Stimmen mit Abstand auf Platz 1 unserer Abstimmung gelandet“, erläutert Farmawi. Auch wenn nicht alle bis zum Ende der Veranstaltung um Mitternacht aushalten: Das Format, dass sich vor allem an jüngere Leute richten sollte, hat genau das geschafft. Auf der Facebook-Seite der Veranstaltung äußern sich im Nachklang lobende Stimmen: „großartiger Abend“, „gelungene Veranstaltung“. Die Mischung aus politischen Inhalten und Unterhaltung scheint beim Publikum gut angekommen zu sein. (soma)