Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Nur Pfeffer & Salz bei Erdwärme äußerst skeptisch

Auch in Potsdam wird gerade nach Geothermie gebohrt. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sieht das Potenzial, die Hälfte d
Auch in Potsdam wird gerade nach Geothermie gebohrt. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sieht das Potenzial, die Hälfte der Gebäude in Deutschland mit Erdwärme zu versorgen.

Die Landauer Überlegungen für den Aufbau eines Nahwärmenetzes zur Verteilung von Erdwärme passen „wie die Faust aufs Auge“ zu den Plänen der Bundesregierung, die Wärmewende voranzutreiben. Das hat Oberbürgermeister Dominik Geißler (CDU) am Dienstag im Hauptausschuss betont. Dennoch gehe es vorerst nur darum, mit zwei Unternehmen der Geothermiebranche Verhandlungen führen zu dürfen.

Der Oberbürgermeister fordert Sicherheit, eine Haftungsübernahme, Versorgungssicherheit und Preisstabilität von den Unternehmen IKAV (Geothermiekraftwerk Landau) und Vulcan (Geothermiekraftwerk Insheim), wenn diese im neuen Gewerbegebiet D12 Anlagen errichten wollen. Diesen Kurs unterstützt der Hauptausschuss offenbar weitgehend.

Jenny Follmer (Grüne) wollte wissen, was passiert, wenn sich die von Vulcan geplante Lithium-Förderung nicht rechne und regte an, eine Rückbauverpflichtung in den Grundstückskaufvertrag aufzunehmen. Die Skepsis gegenüber dem Lithium-Projekt teilten auch Ralf Eggers (CDU), Paule Albrecht (SPD) und Wolfgang Freiermuth (FWG). Letzterer plädierte aber dafür, die Chance zu nutzen und das CO2-Problem beim Heizen in den Griff zu bekommen. Im Raum München liefen bereits mehr als zehn Geothermieanlagen mit Erfolg. Für Timo Niederberger (FDP) bieten die Geothermiepläne die Chance, Gewerbesteuern zu generieren. Daniel Emmerich (Linke) ist für Fernwärme für Landau, Lithium stehe nicht im Fokus.

Stadt will das Kommando übernehmen

Geißler sagte, dass beim Ausstieg eines Partners die Stadt „das Kommando übernehmen“ und einen neuen Betreiber suchen werde. Es gebe bereits ein drittes Unternehmen, das an einer Wärmelieferung Interesse habe. Im Übrigen werde „nichts zustandekommen, wenn unsere Bedingungen nicht erfüllt werden“. Für die Sicherheit der Bohrungen und den Betreib der Anlagen gebe es das Landesamt für Geologie und Bergbau sowie die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd als darauf spezialisierte Behörden. Umweltdezernent Lukas Hartmann (Grüne) sagte, für die Lithiumgewinnung müsse die Temperatur des Thermalwassers abgesenkt werden. Die von der Stadt geforderte verlässliche Wärmelieferung trage dazu bei, die Lithium-Pläne zu finanzieren.

Eher ablehnend argumentierte Gertraud Migl (Pfeffer&Salz). Sie warnte davor, der Geothermie eine Monopolstellung im Landauer Wärmenetz einzuräumen und meldete Zweifel an, ob dies dem Bürgerwillen entspreche. Einen Anschlusszwang an ein Nahwärmenetz lehnte sie ab. Die Haftungsfrage sei unklar und bisher gebe es keine funktionierende großtechnische Anlage zur Lithium-Gewinnung. Das Wörther Lkw-Werk habe gerade erst einen Lithium-Liefervertrag mit Südamerika beschlossen.

Migl: Neun Bohrungen dicht bei Stadt

Migl hat zudem Bedenken, weil neun neue Bohrungen nicht weit genug vom Stadtgebiet entfernt geplant seien. „Uns fehlt das Vertrauen in die handelnden Firmen“, sagte sie. Sie hält es auch nicht für richtig, den Geothermieunternehmen so große Flächen (neun Hektar) im neuen Gewerbegebiet D12 einzuräumen. Das sei für Firmenansiedlungen und die Schaffung von Arbeitsplätzen vorgesehen. Migl hatte sich, wie an etlichen Formulierungen deutlich wurde, von der Interessengemeinschaft Pfalz parterre beraten lassen.

Diese IG betonte im Gespräch mit der Redaktion, dass sie eine andere Konstruktion des Landauer Wärmenetzes für wünschenswert hält. Zum einen dürfe sich Landau nicht von Geothermieunternehmen abhängig machen, zum anderen müsse es die Möglichkeit geben, auch Wärme aus anderen Quellen einzuspeisen. Vor allem aber wäre eine gemeinnützige Genossenschaft als Betreiber wünschenswert, wie dies in Skandinavien gehandhabt werde, sagte Thomas Hauptmann.

Ob die Stadtverwaltung mit den Unternehmen verhandeln soll, wird der Stadtrat am 27. Juni entscheiden. Dann könnten noch Erkenntnisse aus der Bürgerinformationsveranstaltung am Donnerstag im Alten Kaufhaus einfließen, sagte Michael Götz, der Leiter des Hauptamts.

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