Mörzheim
Nur das Flachdach zählt
Der FWG- Fraktionsvorsitzende Wolfgang Freiermuth warb im Stadtrat leidenschaftlich dafür, bei Häusern mit Solaranlage und Zisterne auf dem Satteldach die Grundflächenzahl (GRZ) auf 0,4 anzuheben, so wie das bei Häusern mit Regenrückhaltedach auch der Fall ist. Die GRZ drückt aus, wie groß der Anteil eines Grundstücks ist, der bebaut werden darf. Bei 0,4 dürfen 40 Prozent des Grundstücks bebaut sein. Für Häuser mit Satteldach sind in den geplanten Neubaugebieten wie dem Schlittweg in Mörzheim nur 0,3 vorgesehen.
Das findet Freiermuth ungerecht und macht eine entsprechende Rechnung auf: Ein begrüntes Flachdach mit 100 Quadratmetern Fläche fasse 5000 Liter, trage aber keine zusätzliche Solaranlage. Zisternen könnten dagegen in der Regel 8000 Liter Wasser speichern, und das Dach könne für eine Solaranlage genutzt werden – für ihn der ökologisch eindeutig bessere Weg, der aber benachteiligt werde.
In Mörzheim sind etwa 35 Wohneinheiten geplant, darunter ein Mehrfamilienhaus, ansonsten Einzel- und Doppelhäuser. Auf mindestens einem Drittel der Grundstücke sollen Häuser mit Flachdächern zur Regenrückhaltung gebaut werden. So sollen das Klimaschutz- und das Klimaanpassungskonzept umgesetzt werden.
Grüne: Antrag kommt zu spät
Freunde hat sich Freiermuth mit diesem Vorstoß nicht gemacht. Lea Saßnowski (Grüne) war es leid: Der Antrag komme zu spät, die Sachlage sei längst geklärt. Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) betonte, ebenfalls leicht verstimmt, dass eine Änderung der GRZ alle geplanten Neubaugebiete gefährden würde, und zwar grundsätzlich, nicht nur den Zeitpunkt der Bebaubarkeit. Dann wären außer Mörzheim auch die Baugebiete Godramstein, Wollmesheim und Arzheim gefährdet. Denn nur Retentionsdächer würden von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt als Bestandteil eines Entwässerungskonzepts für Neubaugebiete anerkannt.
Bei solchen Dächern fließe langsam, aber stetig Regenwasser ab, während eine Zisterne bewusst geleert werden müsse. Das aber würden Hauseigentümer in regenreichen Zeiten eher nicht tun, weshalb dann im Bedarfsfall nicht mehr genügend Speicherplatz zur Verfügung stehe. Und ob eine Zisterne vor einem Starkregen schnell genug geleert werden könne, sei zweifelhaft.
Hirsch: Neubaugebiete gefährdet
Wenn die GRZ erhöht würde, müsste das Entwässerungssystem für die Neubaugebiete komplett überarbeitet werden, so der Oberbürgermeister. Dann würden größere öffentliche Versickerungs- und Rückhalteflächen nötig, was die Kosten erhöhen und sogar dazu führen könnte, dass die Grundstücke insgesamt unwirtschaftlich würden. Die Stadt müsse jedoch mindestens auf eine schwarze Null kommen.
Hirsch bat den Rat dringend, dem Antrag nicht zuzustimmen. Die zwölf Stimmen von FWG und SPD reichten nicht.