Landau Neues Gewerbegebiet in Landau: Wirtschaftsraum gegen Getreideäcker

Mit der Aufstellung eines Bebauungsplans ist das Land etwa fünfmal so viel wert wie bisher, in Queichheim 15 Euro pro Quadratmet
Mit der Aufstellung eines Bebauungsplans ist das Land etwa fünfmal so viel wert wie bisher, in Queichheim 15 Euro pro Quadratmeter.

Zwei Landwirte zwischen Wiesen und Feldern südlich von Queichheim bangen um ihre Existenz. Denn genau dort möchte die Stadt ihren Gewerbepark am neuen Messegelände zur Autobahn hin um 42 Hektar erweitern. Unternehmen reißen sich um die Grundstücke. Im vorderen Stall von Michaela und Jochen Rahm meckern rund 30 Ziegen. „Das Jungvolk“, sagt Rahm und lacht, während er das Futter für die Ziegen im zweiten Stall in einem großen Gefäß mischt. Direkt daneben machen sich auch die Jüngsten bemerkbar. „Unsere Nesthäkchen.“ Auch die Zweibeiner meckern: Jochen Rahm und Karl Schmidt. Die beiden Landwirte sind nicht gut auf die Stadtverwaltung Landau zu sprechen. Die jüngsten Pläne zur Erweiterung des Gewerbegebiets in Queichheim – D 12 – bereiten ihnen Bauchschmerzen. Beide haben ihre Betriebe in dem Areal. Vor allem Schmidt fürchtet um die Existenz seines Betriebes. Er soll Land abgeben. Dass noch keiner von der Stadt mit ihnen gesprochen hat, gefällt ihnen gar nicht. Schmidt ist kurzerhand gestern selbst ins Rathaus. Der Stadtrat hat bei seiner jüngsten Sitzung die Aufstellung eines Bebauungsplans „Am Messegelände Südost“ beschlossen. 42 Hektar misst das Gelände zwischen der ehemaligen Bahntrasse nach Mörlheim und der Autobahn, in dem die Stadt ab 2019 neue Betriebe ansiedeln möchte. Der Gewerbepark mit insgesamt fast 47 Hektar zeugt von der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt. Im ersten Erweiterungsgebiet, D 10, verkaufen sich die Flächen wie geschnitten Brot. Ein Ende ist nicht abzusehen. „Die Pläne der Stadt sind existenzbedrohend“, sagt Landwirt Karl Schmidt, „ein Drittel meiner Betriebsfläche fällt da rein.“ 26 der 80 Hektar Land, die der 59-Jährige bewirtschaftet, liegen im künftigen D12. Zum Teil sind die Äcker gepachtet. Schmidt züchtet Getreide – 200 bis 300 Tonnen Saatgut im Jahr – und prüft für das Bundessortenamt Getreidesorten. Die Flächen hat er sich seit 1964 zusammengekauft, erzählt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Mittendrin wohnt er mit seiner Frau. Außerdem baut Schmidt Mais und Zuckerrüben an. Schmitt wusste seit Langem von den Plänen der Stadt für das Gewerbegebiet. Schon 1999 schrieben es die Stadtväter im Entwurf des Flächennutzungsplans fest. Im Regionalplan der Metropolregion Rhein-Neckar ist die Fläche seit 2013 als Vorranggebiet für Gewerbe ausgewiesen. Dennoch hat Schmidt im September mit dem Bau einer neuen Lagerhalle begonnen, seit März nutzt er sie. Schmidt erzählt, er habe vor Baubeginn bei der Stadt angefragt, wann das Areal entwickelt werde und die Auskunft bekommen, dass es noch keine zeitlichen Planungen gebe. Die plötzliche Eile stellt den Landwirt vor Probleme, will er doch den Betrieb an den Schwiegersohn übertragen. „Ich bin gespannt, welche Ersatzflächen die Stadt mir anbietet.“ Noch grasen die Geißen der „Meckerei“ in dem künftigen Gewerbegebiet. Bis 2014 grunzten dort 500 Schweine. Jochen und Michaela Rahm haben vor fast neun Jahren den 1970 ausgesiedelten Hof in der Kraftgasse 61 (ehemaliger Prokop-Hof) vom Onkel übernommen. Wegen des Geruchs musste der Schweinemastbetrieb weichen, als der Gewerbepark sich entwickelte. Am Ende der zweijährigen Verhandlungen mit der Stadt gab es eine Entschädigung und die Zusage, 70 weibliche Ziegen, einen Bock, fünf Pferde, acht Schweine und zehn Legehennen halten zu können, so die Stadt auf Anfrage. Rahms haben zwei Hektar Acker in Weideland umgewandelt, zwei weitere Hektar dazugepachtet. „Wir melken zweimal am Tag, da können die Ziegen nicht ewig weit weg stehen.“ Der Standort Käserei ist gesichert, sie liegt in einem Grünzug von D 12. Das gilt für das Weideland nicht. „Auf einen Termin mit der Stadt und der Landwirtschaftskammer warten wir noch heute“, sagt Rahm verbittert. Der 53-Jährige verdient sein Brot auch als Förster. „Landwirte haben keine Lobby. Dabei steckt im Wort Landwirtschaft die Wirtschaft mit drin.“ Martin Messemer, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt, lässt die Vorwürfe nicht auf sich sitzen. Die Verwaltung habe am 19. Juni allen Eigentümern und Pächtern geschrieben, die ihr bekannt seien. „Die Stadt ist an einem kooperativen Zusammenwirken interessiert.“ Für mögliche Entschädigungsverhandlungen gebe es noch keine Rechtsgrundlage, erläutert Messemer. Zuvor hat die Pressestelle im Rathaus mitgeteilt, es werde in Kürze Gespräche mit Schmidt geben. „Wir werden eine für alle Seiten verträgliche Lösung finden. Ob es Ausgleichsflächen sein werden oder eine finanzielle Kompensation, wird sich zeigen“, unterstreicht Sprecherin Sandra Diehl. „Einen Interessensausgleich sehe ich, wenn man Leute rechtzeitig einbindet“, kommentiert Jochen Rahm. kommentar

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