Landau
Neue Verkehrsführung noch nicht verinnerlicht
Seit Anfang der Woche stehen die Stadt und insbesondere der Beigeordnete für Mobilität, Lukas Hartmann (Grüne), wegen der neuen Verkehrsführung zwischen Weißquartierplatz und Gloria im Zentrum der Kritik. Auf Facebook vergessen viele ihre Kinderstube und beschimpfen Stadt und Hartmann auf unflätige Weise. Der Ton ist ganz sicher nicht gerechtfertigt.
Richtig ist: Die Königstraße ist eine wichtige Süd-Nord-Route am Rand der Innenstadt. Oder besser: war. Denn der gerade begonnene Ausbau wird sie verkehrsberuhigen. Der Durchgangsverkehr wird ausgesperrt mit genau jenem Trick, den die Verwaltung jetzt auch in der Nachbarschaft angewandt hat: Unterschiedliche Abschnitte werden zu Einbahnstraßen mit unterschiedlicher Fahrtrichtung.
Kein Alleingang
Dass die Stadt vor einer solchen Großbaustelle den bisher vorhandenen Verkehr auf andere Straßen umlenkt, ist richtig. Der Vorschlag der Verwaltung ist Ende 2022 im Mobilitätsausschuss diskutiert und mit Änderungen auch beschlossen worden. Wir gehen getrost davon aus, dass dort Sachverstand vorhanden ist. Es kann also keine Rede sein von einem Alleingang des Beigeordneten, und es gibt keinen vernünftigen Grund, ihm allein den Schwarzen Peter hinzuschieben.
Klar ist auch, dass man den Königstraßen-Verkehr nicht auf die Nebenstraßen verteilen darf. Die sind dafür nicht ausgelegt. Genau dafür gibt es das vom Stadtrat beschlossene Konzept der Vorrangrouten in Landau. Die nächste leistungsfähige Alternative ist der Ostring. Die Frage ist nur, wie man das den Autofahrern verklickert.
Schleichwege verbauen
In Landau ist seit geraumer Zeit der modale Filter das Mittel der Wahl: Das sind Hindernisse im Kreuzungsbereich, die Durchgangsstrecken unterbinden und den Verkehr zum Abbiegen zwingen. Der muss dann bisweilen zwei bis dreimal abbiegen, um ans Ziel zu gelangen. Ja, und des Deutschen liebstes Kind stößt dann auch mehr CO2 aus als auf der kürzeren Strecke. Aber es geht um die Abwägung von Interessen, schließlich sind Einbahnstraßen und modale Filter eine recht sichere Methode, Schleichwege unattraktiv zu machen und insbesondere Wohnviertel zu schützen. Deshalb plant die Verwaltung auch in der Südstadt mit gegenläufigen Einbahnstrecken.
Die große Frage ist, ob solche Modelle der Verkehrsberuhigung auch für Innenstadtbezirke taugen. In unserem Fall bedeutet die Regelung für das ohnehin stark von Kraftfahrzeugen frequentierte Straßenstück zwischen den Besuchermagneten Sparkasse und Post weitere Verkehrslast. Und der Parkplatz der Sparkasse ist vom Gericht her nur noch über Umwege zu erreichen.
Dem Ochs ins Horn gepetzt
Eines kann man sich jedenfalls abschminken: An die Vernunft der Autofahrer zu appellieren, dass sie doch bitte freiwillig auf den für sie bestens geeigneten Ostring ausweichen. Das ist so wirkungsvoll wie das sprichwörtliche „dem Ochs ins Horn petzen“. Den Dickkopf von Ochsen beweisen Autofahrer, die von der Reduitstraße vor der für sie seit Montag gesperrten Queichbrücke auf die Weißquartierstraße wechseln – und dabei über den Parkplatz brettern, der dafür nicht ausgelegt ist. Dagegen muss die Stadt etwas tun. Doch wie bei allen Neuerungen gehen die Experten davon aus, dass sie sich nach zwei bis vier Wochen einschleifen.
Unterm Strich ist das Einbahnstraßenmodell also durchaus erklärbar. Der größte Vorwurf, den man der Stadtverwaltung machen kann, ist der, dass sie ihre Pläne nicht mit einer großangelegten Informationskampagne vorbereitet hat. Stattdessen lässt sie es die Autofahrer auf die harte Tour lernen. Das ist wenig wertschätzend. Aber das weiß man im Rathaus auch und räumt zerknirscht einen Fehler ein, der mit Arbeitsüberlastung erklärt wird. Freilich, es hätten sich nicht weniger Leute aufgeregt, auch wenn sie den „Irrgarten“ zwei Tage vorher erklärt bekommen hätten. Aber diejenigen, die unaufgeregt und sachlich blieben, hätten sich zumindest besser informiert gefühlt.