Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Nutzung für alte Werkstatt gesucht

Maike Löhr und Andreas Kunz im Souterrain.
Maike Löhr und Andreas Kunz im Souterrain.

In Landau steht ein Stückchen Festung zum Verkauf: ein ehemaliges Werkstattgebäude an der Queich, das erst 2018 saniert und seither als Büro genutzt worden ist. Vielleicht kommt es auch ganz anders und der Bau wird zur Veranstaltungsstätte.

Was genau der Bau an der Reduitstraße einmal gewesen ist, liegt im Dunkel der Geschichte. Es könnte einmal eine Schlachterei gewesen sein. Das würde einen merkwürdigen Fund bei den Umbauarbeiten zwar nicht erklären, aber zumindest dazu passen: Architekt Andreas Kunz hatte damals ein seltsames Gerät aus dem Schrott geborgen, das sich im Nachhinein als mutmaßlicher Sauerkrautstampfer herausgestellt hatte. Dass sich Kunz und seine Frau Maike Löhr, eine Innenarchitektin, schon wieder von dem Gebäude trennen wollen, in dem sie ihr Architekturbüro Polychrom untergebracht hatten, ist einem Zufall zu verdanken.

Einem erneuten, denn dass Kunz das jahrelang leerstehende Gebäude erwarb, war auch schon Zufall: Er hatte den Vorbesitzer getroffen, der zeitweise Pläne für einen Gastronomiebetrieb verfolgt hatte. Nun hatte ein Bekannter Interesse an der Immobilie bekundet und Löhr und Kunz als Ersatz auf ein gerade auf den Mark gekommenes Haus im Westring aufmerksam gemacht, in dem sie Wohnen und Arbeiten unter einem Dach zusammenführen könnten. Das kam ihnen entgegen, weil es sich als bisweilen schwierig erwies, Familie – mit kleinem Kind – und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Junge Familie wohnt in Addams-Haus

Als das Paar dann feststellte, das es sich bei dem Haus im Westring um exakt jenes Anwesen mit Türmchen und Kutscherhaus handelte, dass ihnen seit Jahren schon gut gefallen und das sie an den Wohnsitz der Addams-Familie aus der gleichnamigen Fernsehserie erinnert hatte, gab es kein Halten mehr. „Dabei waren wir gar nicht auf der Suche“, sagt Löhr. Dass der Bürokäufer dann doch wieder absprang, änderte daran nichts mehr.

Inzwischen wohnt die junge Familie im Addams-Haus. Das Erdgeschoss ist weitgehend fertig, vermutlich nun zu Jahresanfang soll das Architekturbüro ihnen dahin folgen. Was aus dem Haus in der Reduitstraße wird, ist noch nicht entschieden. Es würde sich zum Wohnen ebenso anbieten wie für eine gewerbliche Nutzung. Das Architektenpaar hatte neben dem Erdgeschoss, das sie als Büro nutzten, auch einen großen Raum im Keller ausgebaut. Da hat Kunz mit Kumpels Fußball geschaut, sie haben es aber auch schon als Co-Working-Raum und für Besprechungen genutzt oder vermietet; so sind dort schon Geburtstage gefeiert und Trauerfeiern abgehalten worden, es fanden Seminare statt und Discjockeys haben Musik aufgelegt, ohne dass die Nachbarschaft darunter gelitten hätte. Den dicken Mauern sei Dank.

Polychrom erstellt Konzepte für Bauvorhaben

Und das alles ohne Werbung. Wenn sie ein wenig im Internet die Werbetrommel rühren würde, könnte sich die Immobilie durch tageweise Vermietung für Veranstaltungen gut selbst tragen, meint Löhr. Caterer und Veranstaltungstechnik könnten die beiden stellen, Sanitäreinrichtungen sind vorhanden. „Wir haben Toiletten für 99 Personen eingebaut“, berichtet Kunz. Wenn sie keinen Abnehmer finden, werden sie wohl diesen Weg beschreiten.

Trotz Energiekrise, Inflation und einem Ende des Immobilienbooms der vergangenen Jahre habe Polychrom gut zu tun, berichten Kunz und Löhr. Während vorher private und gewerbliche Auftraggeber einander annähernd paritätisch gegenüberstanden, dominierten nun private (Um-)bauvorhaben. Sie haben dafür ein neues Geschäftsmodell entwickelt, bei dem sie für Interessenten Konzepte erstellen, die Schritt für Schritt umgesetzt werden können, aber nicht müssen. In einem Startpaket machen sie beispielsweise eine Begehung, erheben Immobiliendaten, erstellen Bedarfsanalysen und stellen Bauvoranfragen, denen bei Bedarf dann weitere Umsetzungsschritte folgen können. Das setzt niemanden unter Zugzwang, „aber oft wird was draus“, sagt Löhr.

Auch Denkmalschutzprojekte im Portfolio

Umbauten von Einfamilienhäusern und Denkmalschutzprojekte runden ihr Portfolio ab. Beides liegt ihnen nicht nur selbst, sie halten den ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand auch für ein Gebot der Zeit. Schon aus eigener Anschauung wissen sie, dass Kunden zunächst Angst vor „irren Umbaukosten“ im Altbau- und Denkmalbereich hätten, man ihnen mit einem guten Konzept aber die Sorgen nehmen könne. Zudem vermitteln sie auf Wunsch auch die nötigen Firmen, denn sie wissen, wie schwer es bei Fachkräftemangel und Vollbeschäftigung im Handwerk ist, Unternehmer nicht nur zu bekommen, sondern auch in einen kompakten Bauablaufplan zusammenzubringen. Zudem betreuen sie als Großprojekt eine Baugruppe im Wohnpark am Ebenberg, die in mehreren Townhouses 2600 Quadratmeter Wohnfläche errichten will.

Das Büro zieht aus.
Das Büro zieht aus.
Blick in die Sanitärräume.
Blick in die Sanitärräume.
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