Landau Landau: Aus historischer Werkstatt wird Architekturbüro

Andreas Kunz vor seinem neuen Büro.
Andreas Kunz vor seinem neuen Büro.

Ein alter Sandsteinbau an der Queich wird nicht Gaststätte, wie früher geplant, sondern Architekturbüro. Das Gebäude aus der bayerischen Festungszeit war einmal eine Werkstatt, eventuell eine Schmiede. Es hat einen großen Gewölbekeller, der künftig für Veranstaltungen dienen soll.

In ein seit Jahren leerstehendes Werkstattgebäude der Festung Landau zieht neues Leben ein: Das Architekturbüro Polychrome von Andreas Kunz und seiner Frau Maike Löhr saniert das aus der bayerischen Zeit stammende Gebäude an der Reduitstraße, um es als Büro nutzen zu können. Überlegungen des Voreigentümers, dass dort Gastronomie einziehen könnte, sind vom Tisch – zur Erleichterung einiger Bewohner des Mehrfamilienhauses gleich nebenan an der Queich, die Angst vor zu viel Lärm hatten. Kunz hatte schon als junger Architekt in Speyer viel mit Denkmalpflege allgemein und sogar mit diesem Gebäude zu tun. Später war er sechs Jahre lang bei der Werkgemeinschaft in Landau, bevor er und Löhr, eine Innenarchitektin, sich vor etwa zweieinhalb Jahren selbstständig gemacht haben. Ein Standbein ist die Kunz und Partner Architektur GbR, die sich auf den Industriebau spezialisiert hat, ein weiteres das neu gegründete Architekturbüro Polychrom, das sich mit aufwendigeren Gestaltungsaufgaben im Wohnungsbau befasst. Eher zufällig, so Kunz, habe er den Vorbesitzer der Werkstatt getroffen und sei sich rasch mit ihm einig geworden. Was das Gebäude an der Queich einmal war, ist unbekannt – vermutlich eine Schlosserei. Es ist in alten Plänen nur als Werkstatt eingetragen, sagt Denkmalpfleger Jörg Seitz. Bemerkenswert ist seine Manndecke zwischen Erdgeschoss und Speicher, die aus dicht an dicht gelegten Balken besteht. Das ist typisch für Lagerhäuser (wie zum Beispiel in Landau in der Salzhausgasse (wir berichteten). Hier könnte einst Sand aufgeschüttet gewesen sein, um das Gebäude gegen Beschuss zu sichern, überlegt Seitz. Solche Sandschüttungen sind aus dem benachbarten Reduit, heute Quartier Chopin, bekannt. Das Reduit war ein besonders gesicherter Rückzugsort für die Festungsbesatzung für den Fall, dass Stadt und Festung eingenommen worden wären oder sich die Bevölkerung gegen das Militäraufgelehnt hätte. Die Deckenbalken und einst verputzten Wände sind inzwischen abgestrahlt, Estrich hatte der Vorbesitzer schon einbauen lassen. Nach alten Mustern nachgebaut sind die Holzfenster. Derzeit wird Parkett verlegt. Nach Angaben von Kunz soll der rund 100 Quadratmeter große Raum im Erdgeschoss mit Glas-Trennwänden so unterteilt werden, dass acht Arbeitsplätze entstehen. Derzeit haben die beiden Büros sieben Mitarbeiter. Einzug soll möglichst noch im August sein. Sozialräume, Garderobe und Sanitärräume entstehen in einem modernen Anbau im Eingangsbereich. Der Keller besteht aus einem großen Raum mit Ziegelgewölbe, der noch einen Fensterdurchbruch zur Queich erhält. Er soll für externe Veranstaltungen vermietet werden. Diverse Nebenräumen dienen als Lager und für den Plotter des Büros, also einen Drucker für Großformate. Darüber wird eine Terrasse angelegt, die einen Treppenabgang zur Queich hat. Alle Arbeiten würden von Firmen aus Landau und Umgebung erledigt, mit denen das Architekturbüro bereits zusammengearbeitet habe, sagt Kunz. Das Gebäude soll mit seinem Materialmix aus alt und neu zugleich Anschauungsmaterial für Kunden bieten, die sich mit dem Gedanken der Sanierung eines Denkmals tragen.

Der große Keller
Der große Keller
Im Erdgeschoss entstehen acht Arbeitsplätze.
Im Erdgeschoss entstehen acht Arbeitsplätze.
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