Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Chefärztin der Kinderklinik vorgestellt

Die gebürtige Slowakin Vanda Tuxhorn war zuvor in ihrem Heimatland, in den Niederlanden und in Deutschland tätig.
Die gebürtige Slowakin Vanda Tuxhorn war zuvor in ihrem Heimatland, in den Niederlanden und in Deutschland tätig.

Es hat länger gedauert als geplant, jetzt ist es aber endlich so weit: Die Kinderklinik im Vinzentius-Krankenhaus in Landau hat eine neue Chefärztin. Zum Monatsbeginn hat Vanda Tuxhorn ihren Dienst angetreten. Statt in Deutschland wäre sie beinahe in der Karibik gelandet.

Ilona Fleischer-Klisch, Geschäftsführerin des Vinzentius-Krankenhauses in Landau, und ihrem Stellvertreter Joachim Gilly ist die Freude deutlich anzusehen. Beide haben ein breites Grinsen im Gesicht. Ihre gute Laune verwundert nicht, denn sie stellen die neue Chefärztin der Kinderklinik vor. Eine Stelle, die nach dem Weggang von Jürgen Bensch länger als geplant vakant war. Seit 1. Oktober ist nun endlich die Nachfolgerin da.

Vanda Tuxhorn heißt die Medizinerin, die nach der Anästhesistin Alice Schmid 1970 heute als zweite Frau in der mehr als 120-jährigen Geschichte des Vinzentius-Krankenhauses einen Chefarztposten bekleiden wird. Ihr Weg in die Südpfalz ist bemerkenswert. Die 57-Jährige stammt aus der Slowakei. Nach ihrem Studium in Bratislava arbeitete sie 18 Jahre lang in ihrem Heimatland. Dann zog es sie weg. Zwischen 2009 und 2016 behandelte sie Kinder in den Niederlanden, bis die dortige Klinik geschlossen wurde. Für Tuxhorn stellte sich die Frage, wie es weitergeht. „Mir wurde angeboten, auf eine karibische Insel zu gehen, wo niederländisch gesprochen wird“, erzählt sie. Beim Gedanken daran muss sie noch heute lachen. Sie lehnte ab.

Umzug nach Deutschland zuerst abgelehnt

Statt Puderzuckerstränden auf Curaçao oder Aruba entschied sich Tuxhorn für einen Umzug an die Ems. Ein Bekannter habe ihr gesagt, sie könne nach Papenburg gehen. Von dieser Idee hielt sie zunächst nicht viel. „Ich gehe nicht nach Deutschland, ich spreche ja gar kein Deutsch“, habe sie spontan gesagt. „Dann lernst du es eben“, lautete die Antwort, die offensichtlich überzeugend genug war, um sie umzustimmen. Nach vier Jahren folgte dann der Wechsel nach Demmin in Vorpommern, wo sie bis zuletzt arbeitete.

Dass es sie in die Südpfalz verschlagen hat, war Zufall. Sie sei gerade mit dem Auto unterwegs gewesen als sie ein Headhunter, also jemand, der im Auftrag des Vinzentius-Krankenhauses Fachpersonal sucht, angerufen habe. Da sie ohnehin in Richtung Süddeutschland fuhr, wo sie an anderen Kliniken Vorstellungsgespräche vereinbart hatte, sagte sie spontan einem Kennenlernen mit Gilly zu. Und das lief so gut, dass für Tuxhorn schnell feststand, nach Landau zu wechseln.

Schwierige Suche nach neuem Chefarzt

Für das Stift, wie das Vinzentius-Krankenhaus im Volksmund heißt, war dieser Erfolg eine große Erleichterung. Denn die Suche nach einer Nachfolge für Jürgen Bensch, der mehr als 30 Jahre in der Einrichtung wirkte, gestaltete sich schwierig. Lange konnte erst gar kein geeigneter Kandidat gefunden werden. Und als dann doch einer gefunden war, trat er seinen Dienst nicht an. Zum 1. April hätte der Neue da sein sollen, der Vertrag war bereits unterschrieben. Auf den letzten Drücker flatterte aber seine Kündigung ins Haus.

Als das bekannt wurde, gab es sogar Spekulationen darüber, dass die einzige Kinderklinik in der Südpfalz geschlossen werde. Die Klinikleitung dementierte das schnell. Zumal sie mit der Verpflichtung von Tuxhorn einen Plan B in der Tasche hatte. Zur Überbrückung der Zeit von April bis Oktober unterbrach Bensch seinen Ruhestand. Der Klinikbetrieb war also sichergestellt. Wobei eine Schließung nie im Raum stand, wie Gilly erklärt. Allerdings gibt er zu: „Ohne Herrn Bensch wäre es eng geworden.“ Gillys Dank gilt auch ausdrücklich den niedergelassenen Kinderärzten, die in den vergangenen Monaten Dienste in der Klinik übernommen hätten.

Es wird Änderungen in der Kinderklinik geben

„Wir sind glücklich, dass wir einen Schritt weiter sind“, sagt Gilly. Ganz am Ende sind die Personalplanungen aber noch nicht, wie Fleischer-Klisch erzählt. Bis Jahresende werden noch mehrere Assistenz- und Fachärzte zum Team hinzukommen, die Verträge seien teilweise schon unterschrieben. Auch die fachliche Ausrichtung der Kinderklinik wird sich verändern. Denn während Bensch Kinderkardiologe war und spezielle Herzprobleme behandeln konnte, ist Tuxhorn als Neonatologin auf die Behandlung von Neu- und Frühgeborenen spezialisiert. Ein Problem sieht Gilly darin nicht. „Der Fokus liegt ohnehin auf der Geburtshilfe“, sagt er. Hätte man nach einem Arzt mit gleicher Fachrichtung wie Bensch gesucht, hätte man noch schwerer jemanden gefunden.

„Wir müssen eine neue Struktur schaffen“, sagt auch Tuxhorn. Zuallererst gelte es für sie aber, sich zurechtzufinden. „Ich möchte mich auch bald bei den niedergelassenen Ärzten vorstellen und auch Kontakte zu anderen Kinderkliniken im Umkreis knüpfen.“ Ebenfalls auf ihrer Liste der Dinge, die sie angehen möchte, stehen die Digitalisierung und die Telemedizin. Letztgenannte möchte sie am Stift etablieren, denn es sei nicht realistisch, Spezialisten für alles hier vor Ort zu haben.

Die Slowakin schwärmt von der Südpfalz

Dem wiederum stimmt Gilly zu. Bei Schlaganfallpatienten nutze man bereits Telemedizin, das System sollte also relativ problemfrei auf die Kinderklinik übertragbar sein, sagt er. „Solche Kooperationen sind die Zukunft im Gesundheitswesen“, ist er überzeugt. Und auch in Sachen Digitalisierung hat er gute Nachrichten für die neue Kinderklinik-Chefärztin. „Wir digitalisieren derzeit das ganze Krankenhaus“, sagt Gilly.

Und wie lange möchte Tuxhorn in Landau bleiben, nachdem sie schon einige Stationen in ihrer Vita stehen hat? „Ich möchte hier nicht mehr weg“, sagt sie euphorisch. Das gilt nicht nur beruflich, sondern auch privat. Die Südpfalz sei „das Schmuckstück von Deutschland“, schwärmt die gebürtige Slowakin, die mittlerweile in Annweiler heimisch ist.

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