Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Vinzentius: Chefarzt-Posten in Kinderklinik wegen Fachkräftemangels unbesetzt

Blick hinter die Kulissen der Kinderklinik im Vinzentius: Oberarzt Harald Blank im Gespräch mit Mitarbeiterin Sabrina Schneider.
Blick hinter die Kulissen der Kinderklinik im Vinzentius: Oberarzt Harald Blank im Gespräch mit Mitarbeiterin Sabrina Schneider.

Für das Landauer Vinzentius-Krankenhaus erweist sich die Suche nach einem neuen Chefarzt in der Kinderklinik schwieriger als erhofft. Der Weggang ihres bisherigen Leiters hat Änderungen zur Folge.

Die Belegschaft des Landauer Vinzentius-Krankenhauses hat den früheren Ärztlichen Leiter ihrer Kinderklinik in den Ruhestand verabschiedet. Mehr als 30 Jahre hatte Jürgen Bentsch in der Einrichtung gewirkt und mit seinem Weggang eine Lücke hinterlassen. „Er ist hier bei uns großgeworden“, sagt Geschäftsführerin Ilona Fleischer-Klisch. Weil die Stelle noch nicht besetzt werden konnte, wird auf eine Übergangslösung gesetzt.

Der langjährige Leitende Oberarzt Stephan Pelzer hat derzeit die kommissarische Leitung inne. Die Aufgaben sind aber auf mehrere Schultern verteilt worden, unterstützt wird Pelzer von seinem Kollegen Harald Blank. Die beiden Pädiater haben sich die Organisation der stationären und ambulanten Versorgung der Patienten untereinander aufgeteilt. Nach Angaben von Fleischer-Klisch sind elf Vollzeitkräfte in der Abteilung beschäftigt.

Nicht alle Kliniken auf alle Frühchen vorbereitet

Das Vinzentius-Krankenhaus nahm bei der Versorgung von Neugeborenen bislang eine Sonderrolle ein. Sie wurde als Perinatalzentrum mit der Versorgungsstufe Level zwei geführt. Damit war die Einrichtung berechtigt, Frühgeborene ab der 30. Schwangerschaftswoche oder 1250 Gramm Geburtsgewicht zu entbinden. Landesweit gab es laut Fleischer-Klisch keine andere Einrichtung mit dieser Zertifizierung, für die Bentsch durch seine Qualifikationen in Landau gesorgt hatte. Der frühere Chefarzt war zugleich auch Kinderkardiologe und konnte spezielle Herzprobleme behandeln.

In anderen Einrichtungen im Land werden Frühchen mit einem noch geringeren Geburtsgewicht als 1250 Gramm (Level eins) oder mit einem höheren als 1500 Gramm (Level drei) entbunden. Anders ausgedrückt: Je früher der Säugling auf die Welt kommt und je weniger er wiegt, umso spezialisierter und besser ausgestattet muss die Abteilung sein, abgesehen vom höheren Personalschlüssel. In der Umgebung sind unter anderem das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern und das Marienkrankenhaus in Ludwigshafen im Bereich der Kinderklinik auf alle Fälle vorbereitet. Krankenhäuser ohne pädiatrische Abteilung zählen zur Versorgungsstufe vier.

Mehr als 4000 Notfälle im Jahr

Nach dem Weggang ihres früheren Leiters ist die Kinderklinik im Vinzentius künftig kein Perinatalzentrum mehr. Das heißt, dass Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht zwischen 1250 und 1500 Gramm nicht mehr wie bisher in Landau, sondern in umliegenden Krankenhäusern das Licht der Welt erblicken. Nach Angaben des stellvertretenden Geschäftsführers, Joachim Gilly, kamen in den vergangenen Jahren im Schnitt etwa fünf Kinder mit diesem Geburtsgewicht auf die Welt. Dementsprechend werde sich nicht viel ändern, weder an den Geburtenzahlen noch bei der Betreuung der Patienten. So werden weiterhin Risikoschwangerschaften und Gestationsdiabetes behandelt werden, berichtet Gilly.

Das Vinzentius werde künftig als Einrichtung mit perinatalem Schwerpunkt geführt, was dem Versorgungslevel drei entspricht. Heißt: Mädchen und Jungen mit einem Geburtsgewicht von 1500 Gramm können dort entbunden werden. Im vergangenen Jahr kamen 88 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht zwischen 1500 und 2500 Gramm im Vinzentius auf die Welt, was sieben Prozent aller Geburten im Haus entspricht.

Bessere Finanzierung von Pädiatrie gefordert

Darüber hinaus verweist die Geschäftsführung darauf, dass jährlich im Schnitt mehr als 4000 Notfälle ambulant im Vinzentius behandelt werden. Zu Zeiten, in denen Hausärzte geschlossen haben. Abgesehen von den jungen Patienten, die stationär aufgenommen werden. Waren es in diesem Bereich zu Zeiten vor Corona um die 2300 Fälle, hat sich die Zahl auf 1700 verringert. Nach Angaben von Gilly auch wegen der Kontaktbeschränkungen – es sei zu weniger Infektionen gekommen, die eine stationäre Behandlung erforderlich machten.

Was die stationäre Behandlung der Kinder betrifft, bestehe auf Bundesebene generell Handlungsbedarf. Nach Angaben von Gilly erhalten Kliniken Pauschalbeträge für die Versorgung von Patienten, unabhängig von ihrem Alter. Allerdings werde dabei nicht bedacht, dass die Aufenthaltsdauer von Kindern in Kliniken meist geringer und mit einer aufwendigeren Behandlung verbunden sei als bei erwachsenen Patienten. Das habe zur Folge, dass die Pädiatrie und die Geburtshilfe in den Kliniken meist unterfinanziert seien, was sich auf die Behandlungsqualität auswirke und den Druck auf die ohnehin angespannte Personalsituation steigern dürfte, befürchten die Mediziner.

Erfreulich sei, so Gilly, dass das Problem von der Politik erkannt wurde und es Verbesserungen geben soll. Eine Regierungskommission wurde gegründet mit dem Ziel, für Kinder und Gebärende eine bessere medizinische Versorgung wirtschaftlich zu ermöglichen. Dazu soll der finanzielle Druck gemildert werden. Eine erste Stufe der Vergütungsanpassung soll bereits im kommenden Jahr greifen. Weitere Stufen, inklusive Anreizen für eine höhere Versorgungsqualität, sind ebenfalls im Gespräch.

Geschäftsführung für alternative Lösungen offen

Im Vinzentius geht derweil die Suche nach einem Chefarzt in der Kinderklinik weiter. Zwar habe man sich um eine Nachfolge bemüht, teilt die Geschäftsführung mit. Schließlich war das Datum des Renteneintritts von Bentsch bekannt. Sie hatten auch einen Kandidaten an der Angel, der jedoch seine Bewerbung zurückgezogen habe. Die Gründe seien ihr nicht bekannt, sagt Fleischer-Klisch.

Wegen des vorherrschenden Fachkräftemangels sei es nicht überraschend, dass die Stelle vakant sei. Deswegen sei die Geschäftsführung auch für alternative Lösungen offen, wenn die Suche nicht von Erfolg gekrönt sein sollte. So sei denkbar, sich mit einer anderen Klinik einen Chefarzt zu teilen, wie es auch bereits in der Urologie seit Jahren erfolgreich gepflegt werde.

Korrekturhinweis

Nicht Harald Blank hat die kommissarische Leitung der Kinderklinik übernommen, sondern Stephan Pelzer. In einer früheren Version dieses Textes war die Aufgabenaufteilung andersherum angegeben. Die entsprechenden Passagen sind überarbeitet. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen

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