Landau
Neubaugebiet: Besteht Handlungsbedarf wegen des Bodens?
Was in Bauamtsleiter Christoph Kamplade vorgeht, sieht man wegen der Maske nicht. Er neigt ohnehin nicht zu Alarmismus. Dennoch treiben ihn zwei Neuigkeiten zum Baugebiet Am Kalkgrubenweg in Godramstein um. Zum einen musste die Entwässerung stark überarbeitet werden, weil die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd fordert, dass nicht mehr Starkregen, wie er statistisch alle 50 Jahre fällt, sicher bewältigt werden muss, sondern doppelt so starke 100-jährliche Niederschläge. Die Ahr lässt grüßen. Deshalb müssen Versickerungsmulden, die außer vergleichsweise teuren Rigolen geplant sind, deutlich tiefer und dann auch eingezäunt werden.
Schwerer wiegt aber vermutlich eine Bodenverunreinigung, wenngleich Kamplade betont, dass selbst der Chemikaliencocktail im Boden des ehemaligen Rangierbahnhofs in Landau, der unter anderem Quecksilber enthält, kein unlösbares Problem darstellt. Ähnlich beurteilt er auch das Problem, das jetzt in Godramstein zutage getreten ist. Das Areal am nordöstlichen Dorfrand, das von der Max-Slevogt-Straße aus erschlossen werden soll, stellt einen nicht unerheblichen Beitrag zur Bauland- und Wohnraumstrategie der Stadt dar, weil es auf rund 2,62 Hektar Platz für rund 62 Wohneinheiten bieten soll.
Erhöhte Arsen- und Kupferwerte
Im Zuge der Planungen war ein Bodengutachten erstellt worden – und das hat erhöhte Arsen- und Kupferwerte ergeben. Das Arsen ist natürlichen Ursprungs und laut Kamplade an vielen Stellen im Oberrheingraben anzutreffen. Die Konzentration liege deutlich unter dem sogenannten Prüfwert für eine Wohnbebauung, ab dem gehandelt werden muss, aber geringfügig über dem Wert für Kinderspielplätze. Der Prüfwert soll sicherstellen, dass Kinder nicht zu Schaden kommen, wenn sie Erde in den Mund nehmen oder essen.
Die Prüfwerte sind in der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung geregelt. Für Arsen liegt der Prüfwert für Kinderspielplätze bei 25 Milligramm pro Kilogramm Boden (Trockenmasse), für Wohnbebauung bei 50. In Parks und Freizeitanlagen wären bis zu 125 Milligramm unproblematisch, auf Gewerbe- und Industrieflächen bis zu 140. In Godramstein sind laut Kamplade 28 Milligramm gemessen worden, weshalb beim geplanten Spielplatz der Oberboden ausgetauscht und eventuell ein Geovlies als Abtrennung zwischen Untergrund und neuem Oberboden verlegt wird.
Wann muss gehandelt werden?
Problematischer sind hingegen bei mehreren Stichproben gemessene Kupferwerte. Für diese gibt es in der Bundesbodenschutzverordnung keine Prüf- oder Grenzwerte, sondern laut Kamplade lediglich eine Empfehlung des Landesamtes für Umwelt. Das gehe davon aus, dass bis 200 Milligramm Kupfer pro Kilogramm Boden eine uneingeschränkte Nutzung möglich ist. Festgestellt wurden in Tiefen bis zu 60 Zentimetern Werte zwischen knapp 100 und 300 Milligramm.
Unter Umständen reicht es, den Humusgehalt zu erhöhen. Denkbar, so Kamplade, sei auch eine Bodenkalkung. Diese verhindert, dass Metalle wie Kupfer, Nickel oder Zink von Pflanzen aufgenommen werden und in die Nahrungskette gelangen. Besser sei es aber wohl, wenn die Bauherren in jenen Gartenteilen, die beispielsweise zum Anbau von Gemüse oder Obst genutzt werden, die obersten 40 Zentimeter Boden austauschen. Unter Rasen, Wegen und Terrassen wäre das nicht erforderlich, doch der Komplettaustausch ist vermutlich die einfachere Lösung.
Muss der Boden ausgetauscht werden?
„Das macht das Neubaugebiet nicht unmöglich“, betont Kamplade, man müsse sich des Problems aber bewusst sein. Das Baugebiet werde auch nicht zu teuer, doch es würde unwirtschaftlich, wenn die Stadt im kompletten Neubaugebiet den Boden austauschen würde. Sie empfiehlt daher den künftigen Bauherren, Bodenuntersuchungen vornehmen zu lassen und bei Bedarf zu handeln. Das habe er bei seinem Haus vor Jahren auch gemacht, berichtet Kamplade, und die Kosten seien im Vergleich zum Grundstückspreis gering gewesen. Daher plant die Stadt auch nicht mit einem Abschlag beim Verkaufspreis.
Auch die Herkunft des Kupfers ist bekannt: „Es kommt aus dem Bioweinbau“, sagt Kamplade. Die Verursacher könnten aber nicht herangezogen werden, da sie nichts Verbotenes getan hätten, so seine Einschätzung.
Es gibt noch ein anderes Problem
Bei den drei anderen Neubaugebieten, die derzeit in Arbeit sind (Arzheim, Mörzheim, Wollmesheim), und im neuen Stadtviertel im Südwesten gebe es das Problem nicht, da dort kein Bioweinbau betrieben worden sei, sagt der Bauamtsleiter. Bei den übrigen Neubaugebieten für die anderen Stadtdörfer „wissen wir es noch nicht“.
Im Kalkgrubenweg war erst vor Kurzem ein weiteres Problem aufgetaucht, das bei der Planung zunächst übersehen worden war: eine Hochspannungsleitung. Diese wird von den Pfalzwerken verlegt.