Godramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Planung von Baugebiet Stromleitung übersehen

Ein Neubaugebiet unter dieser Leitung würde sich nicht rechnen. Jetzt soll sie verlegt werden.
Ein Neubaugebiet unter dieser Leitung würde sich nicht rechnen. Jetzt soll sie verlegt werden.

Überraschung: Am Rand von Godramstein gibt es eine Hochspannungsleitung. Keine Überraschung, sieht man doch. Ja, schon, aber daran, dass die Leitung weichen muss, wenn man dort ein Neubaugebiet ausweisen will, hatte niemand gedacht. Jetzt wird es teuer.

Dem Landauer Bauausschuss war das Thema am Dienstagabend keine Diskussion wert, er hat nur abgestimmt. Einstimmig. Und damit eine Ausgabe von 143.000 Euro abgenickt. Für dieses Geld sollen die Pfalzwerke eine 20-Kilovolt-Freileitung verlegen, die über den Bereich Am Kalkgrubenweg verläuft. Das verteuert das Neubaugebiet für Godramstein, das die Stadt dort im Nordosten des Dorfes geplant hat.

Landau wächst, Wohnraum ist knapp und entsprechend teuer. Die Stadt will gegensteuern mit einem neuen Stadtviertel südlich der Wollmesheimer Straße und mit Neubaugebieten an den Rändern der Stadtdörfer. Die sollen sich an den Bestand anschmiegen, sich möglichst in Ecken einfügen und unregelmäßige Dorfränder abrunden. In Godramstein ist der Blick dabei auf den rund 2,6 Hektar großen Bereich Kalkgrubenweg gefallen, für den schon im Mai 2019 der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst worden ist. Dort sind nach Angaben von Ortsvorsteher Michael Schreiner 63 Wohnungen geplant, teils in Doppelhäusern, teils als Einfamilienhäusern, aber auch als Mehrfamilienhaus für acht Parteien.

Baugebiet unter Leitung geht nicht

Im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplans „wurde festgestellt, dass eine 20-KV-Freileitung quer durch den Geltungsbereich verläuft“. So steht es in der Sitzungsvorlage für den Bauausschuss. Und weiter: Die Leitung sorge für deutliche Einschränkungen bei der Bebaubarkeit des Gebietes. So müssten unter der Leitung ein 20 Meter breiter Schutzstreifen und rings um die Masten ein Radius von acht Metern freigehalten werden.

Selbst wenn eine Überprüfung der Pfalzwerke ergeben sollte, dass man vielleicht doch niedriger unter der Leitung bauen könnte, „hätte dies deutliche Einschränkungen bei der Bebaubarkeit und Nutzung der Grundstücke zur Folge. Die Vermarktung der betroffenen Grundstücke würde sich daher voraussichtlich deutlich schwieriger gestalten.“ Oder unmöglich werden. Nach Einschätzung der Verwaltung wären die Einschränkungen so groß, dass sich das gesamte Baugebiet nicht mehr rechnen würde.

Pfalzwerke legen Angebot für Verlegung vor

Doch das Problem ist lösbar: Es müssen entweder Masten ab- und an anderer Stelle neu aufgebaut werden, damit die Leitung künftig nördlich der Siedlung verlaufen kann. Schreiner hält auch eine teilweise unterirdische Verlegung für möglich. Was genau geplant ist, darüber bleibt die Vorlage für den Ausschuss vage. Die Pfalzwerke haben ein Angebot abgegeben, das sich auf fast 143.000 Euro beläuft.

Über die Leitung habe sich wohl niemand Gedanken gemacht, sagt der Ortsvorsteher. Aber er rechnet nicht damit, dass die Verlegung zur allzugroßen Belastung wird. Schreiner vermutet, dass die Mehrkosten in die Erschließung eingerechnet werden und zu einem Mehrpreis von drei bis fünf Euro pro Quadratmeter führen werden. Die Stadtverwaltung erklärte am Freitag auf Anfrage, die Leitung sei nicht übersehen worden. Die Kosten für die Verlegung würden umgelegt, aber das sei von Anfang an eingepreist gewesen; es werde also keine weitere Steigerung der Grundstückspreise geben.

20-KV-Leitungen gehören zum sogenannten Mittelspannungsnetz; sie dienen der Versorgung von Orten, wo die Spannung in Trafostationen auf Haushaltsstärke heruntergeregelt wird.

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