Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Nach RHEINPFALZ-Umfrage: Post vom Impfgegner

Der Empfänger ist sauer.
Der Empfänger ist sauer.

Am Montag hat ein Südpfälzer einen komischen Brief aus seinem Briefkasten gezogen. Die Adresse war handschriftlich auf einem Bebberle über dem Sichtfenster des anonymen Briefs notiert. Inhalt: Sechs bis sieben Seiten von Argumenten gegen das Impfen. Dazu bekannte Verschwörungsmythen wie der Staat habe die Bürger betrogen, Impfungen seien schädlich – und so weiter. „Das ist eine Frechheit“, sagt der Südpfälzer. Und damit hat er recht – man lässt die Leute privat in Ruhe. Und wenn man schon diskutieren will, dann mit offenem Visier, wie es sich für Demokraten gehört – und nicht feige anonym.

Warum er den Brief erhalten hat, sei ihm klar: Er hat an der RHEINPFALZ-Umfrage zur Impfpflicht teilgenommen. Kurz darauf hat er die Polizei verständigt. Die Beamten sind noch am Montag vorbeigekommen, um den Brief abzuholen und zu prüfen, ob eine Straftat vorliegt.

„So eine Warngeschichte“

Der Südpfälzer ist sauer auf den Absender des anonymen Schreibens. Er vermutet, dass der Impfgegner habe zeigen wollen, dass er seinen Namen und seine Adresse habe. „Es werden Gesundheitsämter angezündet oder Leute umgebracht“, sagt er. Es gab in der Nacht von Samstag auf Sonntag einen Brandanschlag auf das Gesundheitsamt von Altenkirchen im Norden von Rheinland-Pfalz, die Polizei geht von Brandstiftung aus. Im September hat mutmaßlich ein Querdenker einen Tankwart in Idar-Oberstein erschossen. So einen Brief zu schicken, sei „der erste Schritt. So eine Warngeschichte“, sagt der Südpfälzer empört.

Polizei reagiert schnell

Eine Straftat schließt Polizeisprecherin Michaela Rillig derzeit aus. Der Brief habe keinen strafrechtlich relevanten Inhalt. Das ist auch klar: Dummgeschwätz ist ja nicht strafbar. Das Schreiben werde, berichtet Rillig weiter, noch ans zuständige Fachkommissariat weitergegeben, falls solche Schreiben gehäuft oder auch in anderen Regionen auftreten. Die Polizei jedenfalls hat schnell reagiert: Der zuständige Bezirksbeamte hat sich bereits am Dienstagvormittag mit dem Betroffenen in Verbindung gesetzt und ihm Tipps gegeben.

Wichtig ist dem Betroffenen, dass weitere Menschen, die solche Schriftstücke erhalten, sich bei der Polizei melden. Das hätten ihm auch die Beamten bestätigt. Und damit hat der Betroffene übrigens auch recht. Wer diskutieren will, kann das machen. Wer aber Leuten indirekt drohen oder seinen Papiermüll bei anderen im Briefkasten deponiert, ist einfach nur feige.

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