Meinung Missbrauchshölle St. Josef: Opfer werden bis heute gedemütigt
Dunkelheit spricht aus diesen Sätzen. Kinder und Jugendliche wurden im Jugendwerk St. Josef anal vergewaltigt, zu Oralsex gezwungen, mit Gegenständen geschlagen. Wer das Missbrauchsgutachten für das Bistum Speyer liest, kann vom Glauben abfallen. In Queichheim war es demnach besonders schrecklich – das Böse mitten in der vermeintlichen Idylle der Südpfalz.
Die Opfer mussten auch außerhalb der Mauern des Jugendwerks Unmenschliches erleiden. Pädophile in Soutane – das durfte in der bigotten Welt der 50er-, 60er- und 70er-Jahre nicht sein. In dieser Zeit passierten die meisten Missbräuche in der Hölle von Queichheim. Hier waren keine fehlgeleiteten Kirchenleute und Pädagogen am Werk, sondern Sexualverbrecher. Dennoch wollte niemand den Opfern glauben, wenn diese sich überhaupt trauten, über die unfassbaren Taten zu sprechen. Die geschundenen Kinderseelen und -körper wurden so im Grunde ein zweites Mal missbraucht.
Doch das Leid endet nicht: Bis heute sei teilweise eine Atmosphäre des Vertuschens des sexuellen Missbrauchs in der Einrichtung greifbar, heißt es in dem Gutachten der Historiker. Dass es das Jugendwerk angesichts der Taten noch immer nicht geschafft hat, sich bei den Opfern im Namen der Einrichtung zu entschuldigen und öffentlich Verantwortung für die Sünden der Vergangenheit zu übernehmen, ist beschämend. Damit geht der seelische Missbrauch der Opfer von damals weiter – im Namen der Kirche.
