Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Messe für Pfeifenraucher im Alten Kaufhaus

Bernd Schlosser holt viele Pfeifenmacher in die Südpfalz.
Bernd Schlosser holt viele Pfeifenmacher in die Südpfalz.

Bernd Schlosser ist durch ein Erbstück zum Pfeifenliebhaber geworden. In Zeiten von Dampfern und Shihas versammelt er seinesgleichen bei der Messe Pfälzer Rauchzeichen. Dabei geht es um Wurzelholz und Handwerkskunst, die richtige Mixtur, geistige Getränke und Chinesen.

[Aktualisiert 7. September: Fotografenname]Herbert Wehner war Pfeifenraucher, Günter Grass und Albert Einstein, der echte Schriftsteller Georges Simenon und sein fiktiver Kommissar Maigret ebenso wie Sherlock Holmes. Doch inzwischen scheint die Spezies des Pfeifenrauchers nahezu ausgestorben zu sein. Trotzdem veranstaltet der Landauer Bernd Schlosser Ende September im Alten Kaufhaus die Pfeifenmesse Pälzer Rauchzeichen. Zum ersten Mal, denn bisher – seit 2009 – war er meist in Speyer und Umgebung. Dass im Alten Kaufhaus nicht geraucht werden darf, ist Ironie der Geschichte.

Schlosser räumt ein, dass Pfeifenraucher heute nur noch selten zu sehen sind. Das Rauchverbot habe gewirkt, sagt er bedauernd. Denn für eine Zigarette kann man vielleicht mal aus der Kneipe ins Freie treten, doch mit der zeitintensiveren Pfeife kommt das eher nicht in Frage. Vielleicht machen Pfeifenliebhaber die Widernisse durch Leidenschaft wett. Schlosser hat jedenfalls das komplette Alte Kaufhaus angemietet, und er hat eine Fülle von Ausstellern gewonnen, die auf zwei Etagen handgefertigte Pfeifen, Zubehör, Tabake und passende Getränke vorstellen.

Hohe Kunst der Holzbearbeitung

„Es gibt eine große Pfeifenmacherszene“, sagt Schlosser, der die Messe seit 2009 ebenso organisiert wie einen Stammtisch der „Peifekepp“, zu dem auch Zigarillo- und Zigarrenraucher willkommen sind. Unter den von ihm eingeladenen Pfeifenmachern – 45 haben zugesagt – sind solche aus den USA, der Schweiz, Frankreich, Österreich und Italien, aber auch Pfälzer, wie zum Beispiel Heinz Mohr aus Weisenheim am Sand.

Schlosser selbst ist eher zufällig zur Pfeife gekommen. Er hatte eine im Nachlass seines Vaters gefunden und sie als Erinnerungsstück aufarbeiten lassen. Auch dafür gibt es Spezialisten, von denen einer auf der Messe vertreten ist. Damit war Schlosser sozusagen angefixt. Wobei er betont, dass es ihm und seinen Mitstreitern ausschließlich ums Genussrauchen geht.

China drängt auf den Markt

Denn Pfeifen sind mehr als ein Rauchutensil. Sie sind, wenn gut gemacht, kleine Meisterwerke der Handwerkskunst, die aus sogenannten Kanteln (Klötzen) ausgesägt, gebohrt, gefräst, geschnitzt, gefeilt und geschmirgelt werden. Das am weitesten verbreitete Ausgangsmaterial ist das weitgehend feuerfeste Bruyèreholz, der Wurzelstock der Baumheide. Es kommt überwiegend aus dem Mittelmeerraum und wird zwar nicht knapp, doch zu Schlossers Bedauern wird inzwischen viel davon von China aufgekauft. Olivenholz sei eine mögliche Alternative, und auch Mooreiche kommt infrage.

Neben klassischen, typischen Pfeifenformen mit gebogenen oder geraden Mundstücken sind bei Sammlern besonders die sogenannten Freehand-Modelle begehrt. Bei der Formgestaltung orientiert sich der Pfeifenmacher dann in besonderem Maße an der Maserung des Holzes, was zu bisweilen eigenwilligen Formen führt.

Rauchen für Genießer

Pfeifengenuss verträgt sich mit Getränken. „Viele schwören auf Pfeife und Tee“, sagt Schlosser. Whisky oder Rum seien aber auch beliebt. Bei seiner Messe sind das Bio-Weingut Stefan Bernhart aus Albersweiler, ein Whisky-Mobil und der Landauer „Malt Officer“ Oliver Blanz dabei, der junge Whiskys in kleinen Fässern nachreift und ihnen zusätzliche Aromen mitgibt. Beim Pfeifentabak ist das Anbaugebiet Südpfalz heute kaum noch vertreten. Doch wer einen individuellen Pfeifentabak haben will, kann ihn sich bei einem Messebeschicker nach den eigenen Vorstellungen mischen lassen.

Erreicht man mit einem solchen Angebot junge Leute? Ja, sagt Schlosser. Im Publikum tauchten immer mehr junge Menschen ab 20 Jahren auf, denen das Dampfen zu unpersönlich, zu technisch und zu hektisch sei. Eine Pfeife biete einfach mehr Haptik und Optik. Schlosser räumt allerdings ein, dass dies auch seinen Preis habe. Für eine Pfeife müsse man ab etwa 150 Euro aufwärts rechnen, was durch die Arbeitszeit von zehn bis 15 Stunden zu erklären sei.

Info

Pfälzer Rauchzeichen am Samstag, 30. September, von 10 bis 16 Uhr im Alten Kaufhaus, Rathausplatz 9 in Landau. Eintritt frei.
Am Freitag ab 17 Uhr gibt es ein „Warmrauchen“ im Brennans Pub in der Theaterstraße 10, am Samstag ist dort auch der Messeausklang bei Livemusik (Irish Folk) von Double Shot.

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