Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Nachbarschutz nötig

Das war einmal: Die Paul-von-Denis-Straße ist Landaus größte Baustelle.
Das war einmal: Die Paul-von-Denis-Straße ist Landaus größte Baustelle.

Der Fitter-Campus in der Paul-von-Denis-Straße ist ein schönes Projekt, aber die Bauverwaltung lässt die nötige Distanz vermissen.

Dass Bauämter nicht Bauverhinderungsämter heißen und dass sie sich entsprechend verhalten, ist völlig okay. Das darf aber nicht dazu führen, dass sie alle Augen zudrücken, wenn Bauherren allzu lebhaft träumen und großzügige Befreiungen von Bebauungsplänen wünschen. Landau nimmt für sich in Anspruch, bisher mit eher streng gefassten B-Plänen gut gefahren zu sein, bei denen man bei Bedarf punktuelle Abweichungen zulassen kann. Im vorliegenden Fall geht es aber um sehr weitgehende Befreiungswünsche.

Beim Fitter-Campus scheint die Verwaltung ganze Passagen aus einer Werbebroschüre des Bauherrn übernommen zu haben, um dem Bauausschuss ein Projekt schmackhaft zu machen, das sehr interessant ist, aber nahezu unweigerlich zu Konflikten mit der Nachbarschaft führen muss.

Das Überschreiten der zulässigen Gebäudehöhe um mehr als drei Meter ist keine Lappalie, sondern eine Zumutung, die sich auch mit einer Fotovoltaikanlage nicht schönreden lässt. Schon gar nicht, wenn darunter reichlich Platz für diverse Formen der Freizeitgestaltung geschaffen werden soll. Was soll eine Stockwerksfestlegung, wenn man sie um eine komplette Geschosshöhe überschreiten darf? Und wie kann es sein, dass zurückgesetzte Penthäuser vorgeschrieben sind, die sowohl der Gestaltung als auch dem Nachbarschutz dienen, der Bauherr aber lieber mehr verkaufbare Fläche generieren will? Und wie will man Nachbarn erklären, dass ein Baufenster für eine Stadtvilla nur ein Vorschlag war, man nun aber eine Sporthalle mit Wohnungen obenauf genehmigen will, die ein Mehrfaches der ursprünglich vorgesehenen Grundfläche verschlingt?

Bauausschuss und Verwaltung sollten sich nicht von der Rhetorik eines Investors einwickeln lassen, der ein urbanes Großprojekt quasi als praktizierte Nächstenliebe darstellt. Letztlich will er möglichst viel Geld verdienen. Auch das ist okay, es darf aber nicht zulasten der Nachbarn gehen.

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