Landau Mauereidechse muss umziehen

Der Bauausschuss hat am Dienstagabend bei einer Gegenstimme (Pfeffer & Salz-Fraktion) und zwei Enthaltungen der Grünen für die Erweiterung des Michelin-Reifenlagers gestimmt.
Wie berichtet, will das Unternehmen in seinem Logistikzentrum einen Lagerplatz und Randbereiche mit einer 9100 Quadratmeter großen und 12,5 Meter hohen Halle bebauen, weil Betriebserweiterungen nach Norden, Osten und Süden nicht möglich sind. Dabei sollen auch Teile des ehemaligen, inzwischen aufgegebenen und entwidmeten Industriegleises bebaut werden, auf dem Mauereidechsen, die Grüne Strandschrecke sowie die Blauflügelige Ödlandschrecke leben. Der Neuntöter, ein Vogel, ist dort in der Vergangenheit, aber nicht mehr aktuell, gesehen worden. Streng geschützt nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist nur die Mauereidechse. Sie soll „vergrämt“ werden, das heißt, ihr Lebensraum im Schotterbett soll mit Plastikplanen abgedeckt werden, damit die Tiere abwandern und sich in der Nachbarschaft einen neuen Lebensraum suchen. Das schilderte Daniel Schulte vom Umwelt-Ingenieurbüro Laub aus Kaiserslautern dem Ausschuss. Markus Abel, Leiter der Umweltabteilung der Stadt, sagte, dass nur 600 Quadratmeter des ehemaligen Bahngeländes überbaut werden sollen und bei insgesamt 8,7 Hektar Größe noch reichlich Ausweichmöglichkeiten vorhanden seien. Es müssten lediglich Teile des Bahnkörpers frei gehalten werden. Klaus Scheid (SPD) wollte wissen, warum die Tiere nicht eingefangen und umgesiedelt werden, wofür allerdings mit Kosten von 2000 bis 4000 Euro pro Tier zu rechnen sei. Abel nannte diese Methode überholt. Sie habe zu viel Stress für die Tiere und zu viele Todesfälle bedeutet. Die Vergrämung habe auch in der Rheinstraße beim alten Güterbahnhof schon gut funktioniert, berichtete Schulten. Die anderen Arten seien weniger stark geschützt. Ihr Vorkommen könne daher die Planung nicht verhindern, erläuterte Abel. Für sie müssten erst in Baugenehmigungsverfahren Ersatzlebensräume geschaffen werden. Dabei will die Umweltabteilung den Sachverstand des Naturschutzbeirates nutzen. „Warum bauen Sie nicht in die Höhe?“, wollte Udo Lichtenthäler (Grüne) von Michelin-Vertreter Sven Windhausen wissen. Diese Option sei schon 2014 geprüft, aber verworfen worden, sagte dieser. Erstens lasse die Statik der vorhandenen Hallen keine Aufstockung zu, zweitens wären dann Rampen erforderlich, für die der Platz fehle, und drittens stelle ein Etagenwechsel ein Nadelöhr dar. Der Naturschutzbund (Nabu) Landau hat das Bauvorhaben kritisiert. Es gehe um den Schutz eines in seiner Artzusammensetzung für Landau einzigartigen Lebensraumes, schrieb Kerstin Schnücker. Sie betonte, dass die Umsiedlung von Eidechsen „in der bisherigen Praxis kaum von Erfolg gekrönt gewesen“ sei und dass das Baugelände an ein europäisches Fauna-Flora-Habitat-Gebiet angrenze. |boe