Landau
Müll und Marihuana-Geruch: Klosterbrückchen bleibt Problemecke
Wirklich neu sind die Probleme in „Klein-Venedig“ an der Queich alle nicht: Schon vor gut einem Jahr hatten Anwohner berichtet, dass sich das Eckchen zum Treffpunkt für Kiffer und Dealer entwickelt hat. Stadtverwaltung und Polizei waren informiert. Getan hat sich jedoch offenbar wenig bis nichts. Nach Einschätzung der Stadt gibt es allerdings auch keinen Grund zum Einschreiten: Dem Ordnungsamt sei rund um das Klosterbrückchen seit etwa einem dreiviertel Jahr nichts mehr zu Ohren gekommen. Trotzdem seien täglich im Rahmen der Innenstadtstreifen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vollzugs vor Ort und schauten nach dem Rechten, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit.
Karin Richter ist Anliegerin auf der Seite zum Johannes-Baader-Platz (Stiftskirche) hin. Sie vermietet eine Ferienwohnung und wundert sich immer wieder, dass Fremdenführer auf ihrem Rundgang durch die Altstadt Gruppen durch diesen Durchgang mit dem Steg über die Queich ansteuern. „Ich finde das einfach nur eklig“, sagt Richter. Sicher, die Stelle hätte Potenzial, und die Stadt hatte auch schon im Frühjahr 2020 angekündigt, den Winkel aufzuwerten, aber die Umsetzung lässt auf sich warten.
Open-Air-Wohnzimmer an der Queich
„Da tut sich einfach nichts“, bedauert Richter, die gerade zum wiederholten Male Unrat zusammenfegt. Ein Problem wird sie allerdings kaum lösen können – weder passt es in einen Mülleimer, noch kann sie es einfach übers Geländer in die Queich kippen: Irgendjemand hat es sich mit einem ausrangierten braunen Cordsessel auf dem schmalen Weg entlang der Häuser auf der Südseite gemütlich gemacht. Es sei ein Open-Air-Wohnzimmer entstanden, spottet Richter. Davon, dass es genutzt wird, künden eine leere Chipstüte, eine Medikamentenpackung und sonstiger Unrat.
Was Richter schon gar nicht lösen kann, ist das Graffiti-Problem. Sie hat ihre Hauswand vor vielleicht einem Jahr neu streichen lassen. Die Sprayer müssen die graue Fläche als Einladung missverstanden haben – ein Schicksal, das sie mit anderen Anliegern teilt.
Marihuana-Geruch zieht durch den Winkel
Richter war schon fast froh über einen Fall von Vandalismus: Irgendjemand hatte die Laterne am Brückchen zerdeppert, es war eine Weile stockfinster in dem engen Eck. In dieser Zeit herrschte relative Ruhe. Doch seit die Lampe repariert ist, nimmt das Nachtleben wieder deutlich an Fahrt auf. Tagsüber sei ohnehin immer was los: Da schmauchen die Schüler auf dem Brückchen, wenn sie mal nicht gesehen werden wollen. Später sei es dann der unverkennbare Geruch von Marihuana, der durch den stillen Winkel ziehe.
Die Verwaltung stuft das Klosterbrückchen als „wichtige fußläufige Verbindung im Zentrum der Fußgängerzone von Landau“ ein, weil es zwei zentrale Bereiche der Fußgängerzone verknüpfe: die Gerberstraße als Haupteinkaufszone mit dem Bereich um die Stiftskirche. Eigentlich hatte die Stadt auch Glück: Das Klosterbrückchen liegt in einem Bereich der Altstadt, der zum Stadtumbaugebiet „Aktives Stadtzentrum Landau“ gehört. Schon vor zehn Jahren hat sich damit ein offenbar üppig gefüllter gemeinsamer Fördertopf von Bund und Land geöffnet, aus dem die Stadt 90 Prozent Förderung erhalten kann. Die Pläne zur Aufwertung gibt es, sie sind auf der Homepage der Stadt einsehbar. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten, und der Denkmalschutz ist in diesem Fall nicht gerade hilfreich. Denn eigentlich ist das Klosterbrückchen eine veritable Bachüberquerung. Nur eine Mauer in Längsrichtung engt sie ungemein ein. Doch diese Mauer muss bleiben, sie ist Teil der Denkmalschutzzone Queichufer. Sie darf allenfalls durchbrochen werden, um für etwas mehr Licht und Luft zu sorgen.
Nach Angaben der Stadt wurde der Entwurf zur Umgestaltung von einer Statikerin geprüft, die weitere Bodenuntersuchungen zur Klärung der Tragfähigkeit für notwendig halte. Das sei gerade in Arbeit. Danach könne man loslegen.