Karlsruhe / Südpfalz
Lithium-Gewinnung: Vulcan startet mit Untersuchungen des Untergrunds
Das Karlsruher Unternehmen Vulcan Energie hat angekündigt, im September seine dreidimensionale Erkundung des Untergrunds im Raum Landau starten zu können. Dabei werden Rüttlerfahrzeuge den Untergrund in Schwingungen versetzen. Diese werden aufgezeichnet, und aus dem Verlauf der Wellen lassen sich gute Rückschlüsse auf den geologischen Aufbau des Untergrunds ziehen. Inzwischen hätten acht Kommunen ihre Zustimmung erteilt: Landau, Herxheim, Rohrbach, Insheim, Offenbach, Billigheim-Ingenheim, Impflingen sowie Erlenbach. In Landau hat der Stadtrat dies in seiner jüngsten Sitzung getan. Insgesamt geht es um 80 Quadratkilometer, die erkundet werden sollen.
„Die 3D-Seismik hilft uns, exakte Daten über den Untergrund zu erheben und daraufhin verlässliche Bohrplätze zu finden“, so Vulcan-Geschäftsführer Horst Kreuter. Das Unternehmen hat das Geothermiekraftwerk Insheim erworben, will es um eine dritte Bohrung ergänzen und in Zusammenarbeit mit dem Geothermiekraftwerk Landau nicht nur Wärme produzieren, sondern auch Lithium gewinnen, das für die Batterien von Elektrofahrzeugen gebraucht wird. Der Oberrheingraben sei von der Öl- und Gasindustrie stellenweise bereits sehr gut erforscht. Jetzt gehe es darum, die Lücken zu schließen, so Kreuter. Das sei wichtig für einen sicheren Betrieb der geplanten Geothermieanlagen.
Vulcan jetzt auch in Hessen aktiv
Vulcan hat nach eigenen Angaben auch ein weiteres Erlaubnisgebiet im hessischen Ried zur Suche nach heißem Wasser und Lithium erfolgreich beantragt. Damit verfüge man jetzt über eine Aufsuchungsfläche von 1440 Quadratkilometern in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Flächen liegen alle im Oberrheingraben, in dem es große Vorkommen von heißem Tiefenwasser gibt.
Vulcan kündigte weiter an, mit einem Millioneninvestment des Automobilherstellers Stellantis (Peugeot, Citroen, Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Fiat, Lancia, Maserati, Opel und Vauxhall) im Herbst die erste Demonstrationsanlage zur Lithiumgewinnung aus heißem Tiefenwasser bauen zu wollen. Eine deutlich kleinere Pilotanlage im Kraftwerk in Insheim laufe sei mehr als einem Jahr.
Die Herxheimer Grünen haben sich gegen die 3D-Untersuchung und die Lithiumgewinnung ausgesprochen. Sie fürchten, dass der Frischwasserverbrauch sehr hoch sein könnte (was bei einer Expertenanhörung in Landau bereits als unzutreffend bezeichnet worden ist), dass zur Lithiumgewinnung zu viel Energie verbraucht werde, die dann nicht als Nahwärme zur Verfügung stünde, dass aus dem Tiefenwasser viel CO2 austreten könnte, und dass umweltbelastende Chemikalien zum Einsatz kommen könnten. Außerdem argumentieren sie, dass an Alternativen zu Lithium-Akkus geforscht werde, und dass sie eine Wasserstofferzeugung in Kombination mit Brennstoffzellenantrieben bevorzugen würden. Allerdings brauchen auch Brennstoffzellen Akkus als Pufferspeicher für den von ihnen erzeugten Strom.