Insheim
Südpfalz-Schub für E-Mobilität
Den Verkauf der Pfalzwerke Geofuture GmbH, bei dem alle Beschäftigten übernommen werden, haben die beiden Unternehmen am Donnerstagnachmittag bei einer digitalen Pressekonferenz nach der notariellen Vertragsunterzeichnung mitgeteilt. Damit bestätigen sich Informationen, auf die beide Unternehmen am Montag auf RHEINPFALZ-Anfrage noch gleichlautend geantwortet hatten, dass man sich zu Gerüchten nicht äußern wolle. Angaben zum Kaufpreis machten beide Seiten nicht.
Vulcan arbeitet daran, Lithium aus dem Tiefenwasser im Oberrheingraben zu gewinnen. Das Unternehmen betreibt im Geothermiekraftwerk Landau eine kleine Versuchsanlage, außerdem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Versuche seien sehr erfolgreich, so Vulcan-Sprecherin Beate Holzwarth.
Lithium im Tiefenwasser
Als großen Vorteil der Gewinnung im Oberrheingraben nennt die Vulcan Gruppe, dass die Produktion hier klimaneutral erfolgen könne. Voraussetzung ist eine Tiefbohrung bis in etwa 3000 Meter Tiefe, für die Investitionen in Millionenhöhe nötig sind. Thorsten Weimann, bei Vulcan für das operative Geschäft zuständig, sagte, derzeit sei eine größere Anlage im Bau, bei der pro Stunde aus 5000 Liter Tiefenwasser Lithium gewonnen werden könne. Das physikalische Verfahren sei klar, müsse aber noch auf den industriellen Maßstab gebracht werden. Er rechne damit, dass 2023 die erste Produktionsanlage stehen könne. Vulcan habe auch ein Bohrunternehmen gegründet und zwei Bohranlagen gekauft, um im Oberrheingraben weitere Förderstätten zu erschließen.
Das noch junge Unternehmen Vulcan hatte erst am Mittwoch mit der Nachricht überrascht, einen Abnahmevertrag für Lithiumhydroxid in Batteriequalität mit Volkswagen abgeschlossen zu haben. Das Leichtmetall wird in großen Mengen für Lithium-Ionen-Batterien für die E-Mobilität benötigt. Das Lithium aus dem Oberrheingraben soll „perspektivisch in den Zellfabriken von Volkswagen in Europa verarbeitet werden“. Der Beginn der kommerziellen Lieferung soll 2026 erfolgen. Voraussetzung ist, dass das Verfahren funktioniert und die Qualität stimmt. Holzwarth betonte die hohen Qualitätsansprüche und die strengen Prüfungen von VW. Der Vertragsabschluss sei daher ein Indiz dafür, wie weit Vulcan mit der Entwicklung der Technologie gekommen sei.
VW will Rohstoff aus Deutschland
Der Volkswagen Konzern erklärte in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit Vulcan, allein in Europa bis Ende des Jahrzehnts sechs Gigafactories (große Fabriken) zur Batterieherstellung errichten zu wollen. Mit dem „nachhaltig produzierten Rohstoff aus Deutschland“ wolle Volkswagen den Bedarf der eigenen künftigen Zellfertigung in Europa sichern, so Thomas Schmall, Konzernvorstand Technik der Volkswagen AG. Volkswagen hat sich außerdem das Vorkaufsrecht für Investitionen in zusätzliche Kapazitäten im Lithium-Projekt von Vulcan gesichert. Anders ausgedrückt: Volkswagen schließt einen Einstieg bei Vulcan nicht aus.
Die Vulcan Energie Ressourcen GmbH hat nach eigenen Angaben auch schon den Elektonikhersteller LG, den belgischen Materialtechnologie- und Recyclingkonzern Umicore, Renault und Stellantis (Fiat Chrysler, Peugeot, Citroen, Opel Dodge und weitere) als Lithium-Abnehmer gewonnen.
Gewächshauspläne haben sich verzögert
Jörg Uhde, Geschäftsführer des bisherigen Kraftwerksbetreibers Pfalzwerke Geofuture, betonte, dass das Kraftwerk Insheim in gutem Zustand und störungsfrei gelaufen sei. Trotzdem will Vulcan in die Modernisierung und den Ausbau investieren. Kritiker der Geothermie in der Region hatten schon mit großer Skepsis auf die Nachricht reagiert, dass der neue Eigentümer des Landauer Geothermiekraftwerks, der Investmentfonds IKAV, eine Modernisierung und Erweiterung inklusive dritter Tiefbohrung plant. Weimann bestätigte auf Nachfrage, dass das Insheimer Kraftwerk deutlich größer geplant worden sei als es derzeit betrieben werde. Man werde dort eine weitere Bohrung abteufen.
Die Pfalzwerke kündigten an, sich künftig auf den Bereich der Erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne konzentrieren zu wollen. Chancen sehe man zudem in der oberflächennahen Geothermie zur lokalen Wärmeversorgung. Über ihre Beteiligungsgesellschaft Bestec wollen die Pfalzwerke aber auch das Thema Tiefe Geothermie mit Know-how in den Bereichen Planung, und Betriebsführung unterstützen. Mit dem Insheimer Kraftwerk habe man mal schwarze, mal rote Zahlen geschrieben, so Werner Hitschler, Vorstandsmitglied der Pfalzwerke. Gespräche mit dem Pfalzmarkt über den Bau großer Gewächshäuser, die mit Wärme aus dem Kraftwerk beheizt werden sollten, hätten leider länger gedauert als erwartet. Horst Kreuter, Geschäftsführer der Vulcan Energie Ressourcen, sagte, künftig werde viel Wärme für die Lithium-Produktion benötigt; für Glashäuser wäre aber immer noch genug übrig. Vulcan plane noch deutlich größere Anlagen als die Insheimer im Oberrheingraben. Vulcan will unter anderem in der Ortenau Thermalwasser suchen.