Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Rüttlern Lithium auf der Spur

Spezialfahrzeug mit Rüttelplatte zur Erkundung des Untergrunds. Es kam vor ein paar Jahren bei einer 3D-Seismik für Wintershall
Spezialfahrzeug mit Rüttelplatte zur Erkundung des Untergrunds. Es kam vor ein paar Jahren bei einer 3D-Seismik für Wintershall zum Einsatz.

Die Suche nach heißem Wasser geht in eine neue Runde: Die Vulcan Energie Ressourcen GmbH will bei Insheim und Landau den Untergrund neu erkunden. Die Vibrationsmessungen sollen schon im August erfolgen.

2016/17 war es ein großes Thema in der Südpfalz: Die Wintershall AG war mit Rüttelfahrzeugen rings um Landau unterwegs, um in ihrem Förderfeld nach Erdölblasen zu suchen, die sie bisher noch nicht angebohrt hatte. Sie war auch fündig geworden und hatte neue Bohrungen angekündigt – aber dann ihr Erdölfeld verkauft. Der Nachfolger Oneo verfolgt andere Pläne und will beispielsweise Solaranlagen auf nicht mehr genutzten Förderstellen aufstellen.

Jetzt kommt das Rüttel-Thema wieder hoch, aber diesmal geht es um Erdwärme und vor allem Lithium. Die Sorge bei der 3D-Seismik ist immer dieselbe: dass die Rüttler der Bebauung zu nahe kommen und Schäden an Häusern oder Infrastruktur anrichten. Denn bei dem Suchverfahren versetzen schwere Lastwagen mit einer Rüttelplatte den Erdboden in Schwingungen. Geophone, spezielle Mikrofone, fangen diese Schwingungen auf, und Experten können aus dem Verlauf der Schallwellen, die von verschiedenen Gesteinen und Schichten im Untergrund unterschiedlich reflektiert werden, ein sehr genaues, dreidimensionales Bild des Untergrunds gewinnen.

80 Quadratkilometer werden erkundet

Diesmal soll auf 80 Quadratkilometern Fläche bei Offenbach, Impflingen, Insheim, Herxheim, Billigheim-Ingenheim, Rohrbach, Steinweiler, Erlenbach sowie Landau gerüttelt werden. Ziel ist es, neue Standorte für Geothermiekraftwerke und Lithium-Extraktionsanlagen zu finden. Die Vulcan-Gruppe aus Karlsruhe hat das Erdwärmekraftwerk Insheim von den Pfalzwerken gekauft und will bei der Lithium-Gewinnung mit dem Erdwärmekraftwerk Landau der IKAV zusammenarbeiten, das komplett modernisiert werden soll. Beide Kraftwerke sollen vermutlich mit einer weiteren Bohrung ertragreicher, aber auch sicherer gemacht werden. Es gibt also mehrfache Gründe für die 3D-Seismik.

Die Messungen sollen zwei bis drei Wochen dauern. Die Methode wird seit den 1960er-Jahren für die Erkundung von Lagerstätten angewandt. Geplant ist, dass die Rüttelfahrzeuge in Nord-Süd-Richtung durch das Untersuchungsgebiet fahren. Die abgefahrenen Linien, in der Regel Feldwege, liegen etwa 400 Meter auseinander. Alle 50 Meter gibt es Stopps und es wird mehrfach bis zu eine Minute lang gerüttelt. Der Rüttelpunkt kann dabei bis zu 100 Meter neben der Fahrtroute liegen. Die Fahrzeuge sind mit Breitreifen ausgerüstet, damit sie den Boden nicht verdichten.

Bürgschaft über 500.000 Euro für Schäden

Die Geophone, große gelbe Kunststoffdosen, werden in Ost-West verlaufenden Linien ausgelegt, die ebenfalls 400 Meter Abstand voneinander haben. Das passiert überwiegend an Wegrändern. In der Regel sollen beim Rütteln 50 Meter Abstand von Bebauung eingehalten werden. Wo das nicht möglich ist, werden die Erschütterungen an Gebäuden überwacht und es wird weniger heftig gewackelt, um Schäden auszuschließen. Zur Regulierung möglicher Schäden müssen die Auftraggeber eine Bankbürgschaft über 500.000 Euro hinterlegen.

Die 3D-Seismik wird vom Landesamt für Geologie und Bergbau genehmigt. Die betroffenen Gemeinden werden beteiligt, weshalb sich nun alle Räte im Untersuchungsgebiet mit dem Thema befassen. In Landau macht der Ortsbeirat Wollmesheim am Donnerstag, 23. Juni, den Anfang. Vulcan begründet das Vorhaben mit der Suche nach CO2-frei gewonnenen Lithium für die Elektromobilität, beziehungsweise für alle Stromspeicher. Das Lithium soll aus dem im Untergrund vorhandenen heißen Wasser gewonnen werden. Das funktioniert im Labormaßstab, doch das Verfahren muss erst noch auf eine industriell nutzbare Größe gebracht werden. Außer dem Metall können auch Strom und künftig möglicherweise in größerem Maßstab als bisher Fernwärme gewonnen werden, woran Landau ein großes Interesse hat.

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