LANDAU
Landauer Reptilium droht die Insolvenz
„Wenn im Januar keine Hilfszahlungen erfolgen, haben wir Ende des Monats das Problem, dass wir wahrscheinlich Insolvenz anmelden müssen. Dann geht uns die Luft aus“, sagt der Leiter des Reptiliums, Uwe Wünstel, in einem Video, das seit Montag auf einem privaten Youtube-Kanal kursiert. Dass es eng für ihn werden könnte, bestätigt er auch der RHEINPFALZ. Von der zugesicherten Novemberhilfe sei ein Teil noch nicht ausgezahlt, die Dezemberhilfe fehle komplett. So wartet der Terrarien- und Wüstenzoo laut Wünstel noch auf insgesamt 80.000 Euro. „Die Löhne für die Mitarbeiter werden Mitte des Monats fällig. Die können wir noch bezahlen. Am Monatsende kommen dann aber die Sozialabgaben, da würden wir Probleme mit der Liquidität bekommen“, sagt Wünstel.
Der Reptilium-Chef gibt sich dennoch zuversichtlich. Er rechne damit, dass die Novemberhilfe in den nächsten ein bis zwei Wochen kommt. Als Begründung für die verspätete Auszahlung habe die Bundesregierung Software-Probleme angegeben. Auch erwartet Wünstel in den kommenden Wochen eine Zusicherung der Dezemberhilfe, die seit dem 23. Dezember beantragt werden konnte. „Wir haben eine Bestätigung, dass unser Antrag eingegangen ist, aber noch keine Auszahlungsbestätigung“, sagt er. Der Antrag werde noch geprüft.
Die Mitarbeiter erhalten den vollen Lohn
„Wenn die 80.000 Euro kommen, ist das kein Problem für uns. Die Frage ist nur wann. Wenn man seine Rechnungen nicht bezahlen kann, muss man einen Insolvenzantrag stellen“, sagt Wünstel. Er möchte nun prüfen, ob es aufgrund der Corona-Situation möglich ist, den Insolvenzantrag nach hinten zu verschieben. So könnte er sich mehr Zeit verschaffen.
Die Mitarbeiter erhielten weiterhin den vollen Lohn, sagt Wünstel. „Unsere Mitarbeiter bekommen 80 bis 87 Prozent ihres Nettolohns als Kurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit.“ Die 13 fehlenden Prozent des Nettogehaltes stocke das Reptilium auf. „Ein Mitarbeiter kostet aber mehr als nur sein Nettogehalt. Auf uns kommen dann Dinge wie der Arbeitgeberanteil und Arbeitgeberversicherungen zu“, sagt Wünstel. In der Summe würde das Unternehmen letztendlich also zwei Drittel der Mitarbeiterkosten selbst übernehmen. Mitarbeiterkosten würden etwa 60 Prozent der Gesamtausgaben des Unternehmens ausmachen.
Den Säugetieren fehlen die Besucher
Im Vergleich zu anderen Branchen, wie etwa der Gastronomie, habe das Reptilium fast die gleichen laufenden Kosten wie zu normalen Zeiten. Nur eben ohne Einnahmen. Lediglich die Kosten für Energie und Futter konnten ein wenig gesenkt werden – auch durch Futterspenden aus dem Umkreis. „Unsere Tierpfleger müssen trotzdem jeden Tag kommen und sich um die Tiere kümmern. Aktuell müssen jeweils drei Pfleger sieben Tage durcharbeiten und haben dann frei. Das ist eine Mehrbelastung für jeden.“ Die Mitarbeiter arbeiteten in zwei Gruppen im Wechsel, die keinen Kontakt zueinander hätten.
Den Tieren ginge es soweit gut. Kommende Woche ziehe eine neue Königskobra nach Landau. Vor Kurzem seien Spaltenschildkröten geschlüpft, einige davon gingen an einen Zoo in Frankreich. „Die Reptilien harren ohnehin ihres Daseins. Sie brauchen ihre Wärmelampen und ihr Futter. Das reicht. Die Säugetiere wollen mehr Kontakt. Ihnen fehlen die Besucher“, sagt Wünstel, der sich bis Ende Oktober noch um ein „gestrandetes“ Löwen-Baby kümmerte.
Er rechnet nicht damit, vor Ostern wieder öffnen zu dürfen. Weitere Hilfspakete werden bis dahin nötig sein, um das Unternehmen am Leben halten zu können. Des Weiteren hat das Unternehmen ein Spendenkonto eingerichtet. Der Chef möchte sich gar nicht ausmalen, was eine Insolvenz bedeuten würde: „Klar schwebt der Gedanke im Kopf. Die Tiere müssten wohl weitervermittelt werden. Ein Insolvenzvermittler würde sich dem wohl annehmen. Aber daran möchte ich gar nicht denken.“