Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landau-Takt soll umweltfreundlich werden

Solche Kleinbusse werden künftig die meisten Fahrten in Landau übernehmen.
Solche Kleinbusse werden künftig die meisten Fahrten in Landau übernehmen.

Ist es ökologisch vertretbar, die Busse des neuen Landau-Takts ab Mitte Dezember alle durch die Ostbahnstraße fahren zu lassen? Eine Anwohnerin meint nein. Fragen und Antworten zu Verkehrswende und Mobilität.

Für einen Widerspruch zum in Landau ausgerufenen Klimanotstand hält eine Anwohnerin der Ostbahnstraße die Tatsache, dass dort künftig acht Buslinien vorbeifahren. Sie bezweifelt, dass der Öffentliche Nahverkehr ab Dezember umwelttechnisch auf aktuellem Stand ist. Diese Kritik hatte kürzlich auch schon ein RHEINPFALZ-Leser in einem Leserbrief angebracht. Er hatte von umweltbelastenden Auslaufmodellen beim Fahrzeugpark, „noch mehr CO 2 und reichlich Lärm emittierenden Fahrzeugen sowie, auf die Gesamtzahl der Busse bezogen, noch weniger Nutzern als bisher“ geschrieben. Die Stadt sieht das naturgemäß anders.

Warum fahren alle Busse durch die Ostbahnstraße?
Das hat der Beigeordnete Lukas Hartmann (Grüne) bereits erklärt: Es soll einen möglichst dichten Takt auf den am stärksten befahrenen Strecken geben.

Von wie vielen Fahrten sprechen wir da?
Die Nachbarin schreibt von „voraussichtlich täglich rund 500 Bussen“, die künftig durch die Ostbahnstraße und anteilig durch die Schlachthofstraße fahren würden. Die Stadtverwaltung korrigiert diese Aussage: Künftig fahren in der Ostbahnstraße 180 Busse täglich in jede Richtung, also 360. Das wären etwa doppelt so viele wie jetzt. Aber 75 Prozent davon seien Sprinter „und machen daher auch nur Sprinter-Lärm“.

Alter Gelenkbus im Einsatz?
Wie steht es um die Umweltfreundlichkeit der eingesetzten Fahrzeuge? Die Frau hält insbesondere einen „sicher 20 Jahre alten Gelenkbus“ mit Dieselantrieb für problematisch. Das Fahrzeug gibt es, bestätigen Ralf Bernhard, Abteilungsleiter Mobilität, und der ÖPNV-Beauftragte Stefan Grewenig, aber es wird nur für Verstärkerfahrten im Schülerverkehr eingesetzt, spielt also keine große Rolle. Deswegen wäre ein Austausch auch nicht wirtschaftlich. Fahrzeuge, die im Auftrag des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar fahren, dürfen maximal 20 Jahre alt sein.

Wie steht es um den Umweltstandard der Busse?
Im Landau-Takt fahren nur neue Busse mit der Euro-6b-Norm. Nach Bernhards Angaben hat sich die Queichtal-Nahverkehrsgesellschaft (QNV) über diese Grundanforderung hinaus für Mild-Hybrid-Fahrzeuge entschieden. Das sind Dieselbusse mit großem Kondensator. Beim Abbremsen erzeugen sie Strom, mit dem beim Wiederanfahren ein Elektromotor den Dieselmotor unterstützt. Das spare acht bis zehn Prozent Kraftstoff.

Warum nimmt man keine Elektro-Busse?
Nach Grewenigs Angaben sind sie zwei- bis dreimal so teuer wie ein konventioneller Dieselbus, haben aber eine viel geringere Reichweite. Daher wären bei täglichen Strecken von rund 600 Kilometern statt eines konventionellen Dieselbusses zwei bis drei E-Busse nötig. In Summe wären fünf- bis sechsfache Investitionen nötig, so Grewenig. Für E-Busse fehlt es zurzeit auch noch an der Ladeinfrastruktur, und sie sind in kleiner Stückzahl nicht unbedingt verfügbar, insbesondere bei der vergleichsweise kurzen Zeitspanne zwischen Ausschreibung und Fahrplanwechsel. Die ebenfalls vorgesehenen Kleinbusse gab es bei der Ausschreibung noch nicht als E-Fahrzeuge, so Grewenig.

Aber es sollen doch E-Fahrzeuge genutzt werden?
Ja. Tagsüber fahren zwischen Arzheim, Mörzheim und Wollmesheim und der Kernstadt vollelektrische Großraum-Pkw mit sieben Sitzen und 342 Kilometern Reichweite. Im Spätverkehr zwischen 21 Uhr und Mitternacht werden sie im gesamten Stadtgebiet eingesetzt. Es handelt sich um ein VRN-Flexline genanntes Angebot, das auf Abruf fährt. Hartmann wäre die Bezeichnung „Ruf den Bus“ lieber gewesen, aber der VRN will einheitliche Bezeichnungen. Die Fahrzeuge können per App (myVRN) oder telefonisch unter 0621 1077077 gebucht werden. Die QNV beschafft laut Grewenig fünf solcher Fahrzeuge, eines ist barrierefrei. Das ist eines mehr als gefordert, sodass bei entsprechender Nachfrage das Angebot ausgebaut werden kann.

Stimmen die Fahrzeuggrößen?
Die Zwölf-Meter-Busse verkehren zwischen Landau und Teilen des Landkreises, zum Beispiel auf der Linie 539 über Walsheim, Knöringen und Essingen oder auf der alten Unilinie 537, die Südpark und Fort verbindet, weil man dort mit vielen Fahrgästen rechnet. Die elektrischen Großraum-Pkw sind in der vorigen Antwort abgehandelt. Zwischen beiden Fahrzeugarten gibt es noch Kleinbusse oder große Sprinter, die der QNV auch andernorts bereits einsetzt. Sie haben 17 Sitz- und zehn Stehplätze und fahren auf vier Linien zur Wollmesheimer Höhe, in den Horst, nach Queichheim, Mörzheim und Wollmesheim. Da die bisher genutzten großen Busse selten voll gewesen seien und künftig mehr Fahrten angeboten werden, rechnet Grewenig mit ausreichend Kapazitäten – ansonsten werde nachgebessert. „Wir wollen lieber mehr Fahrzeuge einsetzen, als warme Luft in der Gegend herumfahren“, so Grewenig. Die kleineren und wendigeren Fahrzeuge hätten zudem Vorteile in den Dörfern und im Horst.

Ist das alles auf Ewigkeiten zementiert?
Nein, sagen Bernhard und Grewenig. Wenn durch hohe Nachfrage zusätzliche Fahrzeuge benötigt werden sollten, werde nach aktuellem Stand der Technik bestellt. Die Entwicklung bei der Antriebstechnik schreite schnell voran, aber ob am Ende nur E-Antriebe das Rennen machen oder auch noch Gas oder Brennstoffzellen und Wasserstoff eine Rolle spielen, sei noch nicht absehbar. Nicht kalkulierbar sei auch der Nachfrageschub durch das 49-Euro-Ticket. Doch die beiden Nahverkehrsexperten sind davon überzeugt, dass künftig mehr Menschen in den ÖPNV umsteigen.

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