Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Anwohnerin: Zu viele Busse in der Ostbahnstraße

Die Haltestelle Stadtbibliothek in der Ostbahnstraße ist jetzt schon stark frequentiert, wird aber künftig von noch mehr Bussen
Die Haltestelle Stadtbibliothek in der Ostbahnstraße ist jetzt schon stark frequentiert, wird aber künftig von noch mehr Bussen angefahren.

Am 11. Dezember startet der Landau-Takt, der erhebliche Verbesserungen im Busverkehr bringen soll. Anwohner der Ostbahnstraße fürchten Lärm und Verkehr und hoffen, noch ein paar Strecken verlegen zu können. Einmal war ihnen dies schon gelungen.

[Korrigiert 3. November: Fehler im Bildtext]Geschichte wiederholt sich offenbar doch. „,Mit Erstaunen und auch Entsetzen habe ich der RHEINPFALZ entnommen, dass die Haltestelle an der Stadtbibliothek künftig dauerhaft von sieben Buslinien bedient werden soll’, berichtet H. ,Dies ist mir völlig unverständlich, zumal die Ostbahnstraße doch zu einem Boulevard ausgebaut werden sollte, verkehrsberuhigt, der auch zum Flanieren und Verweilen einladen sollte.’“ So begann der Beitrag „Abgase und Lärm statt Schwanensee“ in der RHEINPFALZ vom 11. Dezember 2012. Damals hatten Anwohner des neuen Boulevards Ostbahnstraße über die vielen Busse geklagt, die ihnen das Leben oder zumindest den Ruhestand vergällen würden. Seinerzeit war die Haltstelle Stadtbibliothek neu gebaut worden.

Mit exakt denselben Sorgen wendet sich jetzt eine Anwohnerin an die RHEINPFALZ: „In Ihrem Artikel zeigen Sie den neuen Liniennetzplan Landau. Wie Sie daraus ersehen können, führen alle acht Linien ab 11. Dezember 2022 über die Haltestelle Stadtbibliothek. Das heißt, dass voraussichtlich circa 500 Busse täglich durch die Ostbahnstraße und anteilig über die Schlachthofstraße fahren.“

„Schlecht für Außengastronomie“

Der Außengastronomie im Quartier – dort bewirten das Cafe Sörkel, die asiatischen Lokale Koza und Sushi-Osahi, die Bäckerei Reuther und das Cowboy-Burger-Haus sowie das Best-Döner-Kebap-Haus ihre Gäste auch im Freien – sei das offenbar noch gar nicht bewusst, aber der Leserin schwant Schlimmes: „Was dies für alle betroffenen Gewerbetreibende und Anwohner bedeutet, ist dem ÖPNV offensichtlich völlig egal.“

Die Frau hofft, dass sie das befürchtete Unheil noch abwenden kann, so wie dies auch 2012 gelungen sei: Damals „haben wir mit sehr großem, persönlichem Aufwand den damaligen Oberbürgermeister Schlimmer davon überzeugen können, dass diese einseitige Belastung der Anwohner nicht in Ordnung ist. 75 der 250 Busse wurden in die Industriestraße verlegt.“ Das wäre, argumentiert sie, auch ganz im Sinne der Stadt, denn ein Bus belaste das Pflaster in der Ostbahnstraße ungleich stärker als ein Auto, und Reparaturen seien dort schon jetzt ständig erforderlich.

Hartmann: dichter Takt nötig

Der für Mobilitätsfragen zuständige Beigeordnete Lukas Hartmann (Grüne) kennt die Sorgen. Die Dame habe sie im Oberbürgermeister-Wahlkampf bei jeder Gelegenheit und bei jedem Kandidaten vorgebracht. Die geplante Bündelung von Buslinien sei aber wiederholt in Ausschüssen besprochen worden – und natürlich Absicht. Denn nur dann gebe es eine entsprechende Verdichtung des Taktes, die den Bus attraktiv mache. Die Ostbahnstraße sei wegen ihrer Nähe zum Busbahnhof natürlich stark betroffen, aber das seien die Ringstraßen oder der Bereich am Deutschen Tor auch. Bei allem Verständnis für die Sorgen der Anwohner ist Hartmann davon überzeugt, dass die Bündelung der Buslinien unter anderem in der Ostbahnstraße im Sinne des Gemeinwohls ist. Die genannte Zahl von 500 Fahrten ist im Übrigen bei Weitem nicht zutreffend: Der tatsächliche Wert liegt nach Angaben der Stadt bei etwa 360.

Eine mögliche Alternative wäre, dass ein Teil der Buslinien durch die parallel verlaufende Industriestraße geleitet würde, so wie dies vor zehn Jahren geschehen ist. Doch erstens müsste dann dort die einzige Bushaltestelle bei der Energie Südwest barrierefrei ausgebaut werden (was natürlich möglich wäre), zweitens, und viel wichtiger, würde dann der Takt ausgedünnt. Für die Ostbahn- und gegen die Industriestraße spreche zudem die hohe Fußgängerdichte auf dieser direkten Verbindung zwischen Innenstadt und Hauptbahnhof.

Ziel: ein einfaches System

Ralf Bernhard, Abteilungsleiter Mobilität, hält das offene Areal zwischen Queich und Ostpark zudem in den Abendstunden für besser als Haltestelle geeignet als die Industriestraße. Es sei gut ausgeleuchtet und gut frequentiert, also kein Angstraum. Auch das Argument der Pflasterreparaturen sei keines: Es gebe dort keinen ungewöhnlichen Verschleiß.

Nach Hartmanns Überzeugung hat das bisherige Bussystem daran gekrankt, dass etliche Linien mal diese, mal jene Route nahmen. So fahren noch bis zum Fahrplanwechsel manche Busse durch die Wollmesheimer Straße, andere durch die Lazarettstraße. Nutzerfreundlich sei das nicht. Künftig wird es daher nur noch Halte in der Wollmesheimer Straße geben. Dann müssen Nutzer weder den Fahrplan auswendig kennen, noch müssen sie jedes Mal googeln, wo der nächste Bus stoppt.

Verbesserungen für Tausende Landauer

Auch das Argument mit zu viel Verkehr in der Ostbahnstraße lässt der Beigeordnete nicht gelten. Der motorisierte Verkehr in der Ostbahnstraße sei auch jetzt schon so hoch, dass es wohl nur um eine kleine zusätzliche Belastung gehe. Wichtiger sei, dass künftig Tausende von potenziellen Nutzern – beispielsweise aus den Stadtvierteln östlich der Bahngleise – einen sehr viel besseren Nahverkehr vorfänden und umsteigefrei in die Stadt gelangen könnten. Das reduziert den Individualverkehr. Bei dem (von Bundesverkehrsminister Volker Wissing, FDP) angekündigten 49-Euro-Ticket als Nachfolger des überaus erfolgreichen Neun-Euro-Tickets und angesichts der hohen Energiekosten rechnet Hartmann mit enorm steigenden Zahlen im ÖPNV – weil die bundesweit und auf nahezu allen Verkehrsmitteln nutzbare Monatskarte „viel billiger ist als eine Tankfüllung“.

x