Landau / SÜW
Kostet Weinkerwe bald Eintritt?
Wer einen Film auf der Kinoleinwand sehen möchte, muss Karten dafür erwerben. Für den Schwimmbadbesuch gibt es ebenfalls Tickets. Neuerdings müssen auch Kerwe-Besucher in die Tasche greifen, bevor sie überhaupt das erste Glas Wein oder Wasser bestellt haben. Manche Weinfeste sind nämlich nicht mehr frei zugänglich. In der Südpfalz etwa hatte die Gemeinde Rhodt erstmals drei Euro Eintritt für ihr Heimat- und Blütenfest verlangt – und dafür Kritik geerntet.
Im Traminerdorf steht nun mit den Feierlichkeiten anlässlich des 1250-jährigen Bestehens Mitte Juli das nächste große Ereignis vor der Tür, für das ein Eintrittsgeld nicht ausgeschlossen war. Allerdings rudern die Verantwortlichen nun zurück.
Überschuss im fünfstelligen Bereich
Laut Katrin Schilling, die für Feste zuständige Beigeordnete in Rhodt, bleibt die Theresienstraße an dem dreitägigen Fest kostenfrei für Interessierte geöffnet – zumindest tagsüber. Dann werden keine Kassen aufgestellt. Die Gründe für diese Entscheidung sind vielfältig. So bilanzierte der Festausschuss, dass durch das Heimat- und Blütenfest ein Überschuss im fünfstelligen Bereich erzielt wurde. Dieses Geld kommt den ortsansässigen Vereinen zugute, ist somit aus Sicht der Verantwortlichen zwar gut angelegt.
Die Gemeinde scheint aber keine Gefahr zu laufen, durch das Dorfjubiläum ein Minusgeschäft zu machen, wenn sie auf Eintrittsgelder verzichtet. Das hatten die Organisatoren des Heimat- und Blütenfests befürchtet, auch vor dem Hintergrund, dass die gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen mit höheren Ausgaben verbunden sind. Dieser Punkt ist auch an manch anderen Orten, beispielsweise Deidesheim, der entscheidende Grund dafür, dort für die Weinkerwe Karten zu verkaufen.
Für Jubiläum anderes Konzept als für Kerwe
Aber selbst wenn die Gemeinde Verluste machen sollte, sei das für solch eine einmalige Angelegenheit wie das Dorfjubiläum zu verkraften, sagt Schilling. Zumal die Feierlichkeiten vom 15. bis zum 17. Juli ein anderes Konzept haben als ein traditionelles Weinfest. „Das Festgelände ist beispielsweise kleiner, es gibt auch nicht die vielen kleinen Verkaufsstände wie beim Heimat- und Blütenfest.“
Doch wer an den drei Abenden zu den Konzerten in die Theresienstraße gehen möchte, wird dann das Portemonnaie zücken müssen. Dann sind jeweils 15 Euro fällig, weil die gebuchten Musikgruppen mit höheren Ausgaben verbunden sind. Auftreten werden unter anderem die Dicken Kinder und die Band KnT.
Änderungen in Landau geplant?
Die Rhodter allerdings werden am ersten Abend von der Gemeinde eingeladen, wie Ortschef Armin Pister berichtet. Sprich, sie brauchen nichts zu bezahlen, wenn sie zur geplanten Rockmusik tanzen möchten. Manche Rhodter, die schon seit Jahrzehnten im Dorf leben, hatten genau diesen Punkt beim Heimat- und Blütenfest bemängelt. Dass sie Eintritt für ein Fest in ihrem Ort zahlen müssen.
In Landau wird derzeit kein Handlungsbedarf gesehen, an dem Festkonzept zu rütteln. Bislang reichen die vorliegenden und mit Polizei sowie Feuerwehr abgestimmten Sicherheitskonzepte für größere Veranstaltung völlig aus, teilt Stadtsprecherin Sandra Diehl mit. „Von daher ist aktuell in Landau nicht geplant, etwas zu ändern, etwa das Gelände einzuzäunen oder Eintritt für Veranstaltungen zu verlangen.“ Auch in der Verbandsgemeinde Offenbach stehe dies nicht zur Debatte. Weder für das „Weifeschdl mit Sti(e)l“ war das nötig gewesen noch für das Bähnlerfest in Offenbach Ende Juli, wie Verbandsbürgermeister Axel Wassyl berichtet.
Größeres Musikprogramm gegen Eintritt?
In der Verbandsgemeinde Landau-Land hingegen werde das Thema intensiv diskutiert, sagt Verbandsbürgermeister Torsten Blank. „Weil sich die Kosten für die Veranstalter in allen Bereichen verteuert haben – teilweise deutlich“, sagt Blank, der diese Entwicklung auch als Vorsitzender des Purzelmarktvereins mitbekommt. Beim Billigheimer Purzelmarkt sei es bereits ausgeschlossen worden, Eintritt zu verlangen. Bis auf für das sonntägliche Purzelfest auf der Festwiese, die schon immer abgesperrt sei und dort ein Eintrittsgeld erhoben werde. „Das wird natürlich bleiben, weil diese Eintrittsgelder schon immer ein wichtiger Teil der Gesamtfinanzierung sind“, sagt Blank.
Manche Hofbetreiber und Vereine, die bei größeren (Wein-)Festen mitwirken, würden allerdings über ein Eintritt speziell für ihre Lokalität oder an einzelnen Abenden nachdenken, um ein besonderes Musikprogramm anbieten zu können. Konkret sei das in Mühlhofen im Gespräch, weiß Blank.
Die Redaktion ist geteilter Meinung über die Eintrittsgelder. Hier geht es zum Pro-Kommentar und hier zum Contra-Kommentar.
