Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Weinkerwe kostet jetzt Eintritt

Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Hochbetrieb auf der Festmeile 2019.
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Hochbetrieb auf der Festmeile 2019.

Nach wochenlangen Diskussionen um die Deidesheimer Weinkerwe zeichnet sich eine Lösung ab. Anfang nächster Woche soll feststehen, ob eine Firma das Sicherheitskonzept zeitlich erstellen kann. Die erhöhten Aufwendungen für die Sicherheit sollen über ein Eintrittsgeld finanziert werden.

Nach über zweistündiger Beratung stimmte der Stadtrat fraktionsübergreifend bei Enthaltungen von Stadtbürgermeister Manfred Dörr und des Beigeordneten Dieter Dörr (beide CDU) dafür, dass die Weinkerwe „uff de Gass“ und zwar auf der Meile von der Bahnhofstraße bis zum Marktplatz stattfinden soll. Nicht berücksichtigt werden soll diesmal der Stadtplatz. Auch soll es diesmal keine Livemusik in diesem Bereich geben. Damit erweiterte der Rat die ursprünglichen Pläne der Standbetreiber und der Kerwekommission, die zunächst eine verkürzte Meile vom Mugenastweg/Kirschgartenstraße bis zum Marktplatz vorgeschlagen hatten.

Joachim Reis (CDU), der die „erweiterten“ Pläne vorstellte, verspricht sich von dieser Lösung eine deutliche Entzerrung der Besucherströme auf einer deutlich größeren Fläche. Auch sei eine „kleine Kerwe“ mit bis zu 5000 Besuchern in Deidesheim aufgrund deren Tradition und ihrer Beliebtheit unrealistisch. Deshalb sei man bestrebt, die Besucherzahl auf maximal 15.000 zu begrenzen.

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Dörr: Es kommen mehr als 5000 Besucher

Stadtbürgermeister Dörr befürchtet, dass mehr als 5000 Besucher kommen werden. Das zwinge die Veranstalter dazu, nach dem Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) zu einem Sicherheitskonzept mit einem namentlich verantwortlichen Leiter, zum Einsatz von Sicherheitspersonal sowie zur klaren Abgrenzung der Festmeile mit Zugangskontrollen. Die Kosten für den hohen, aber rechtlich notwendigen Sicherheitsaufwand, der immer wieder ein Streitpunkt der Beteiligten war, soll in Form eines Eintrittsgeldes von den Besuchern getragen werden. Das ist eine Forderung, die nicht ganz neu ist: Ähnliche Überlegungen gab es schon länger. So hatte der Karneval-Club 2003 Deidesheim schon vor Monaten eine Erhöhung der Getränkepreise um 50 Cent vorgeschlagen, um einen Beitrag zur Finanzierung des Sicherheitsaufwands zu leisten.

Mit der vorgesehenen Regelung, ein Eintrittsgeld zu erheben, ist die Umlegung der Kosten für den Sicherheitsaufwand auf die Standbetreiber vom Tisch. Das hatte zuletzt in der Kerwekommission Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH, vorgeschlagen. Michael Krack als Vertreter der Standbetreiber erklärte, dass sich bei einer Umwälzung der Kosten für die Sicherheitsaufwendungen neben den Standgebühren kein Standbetreiber in diesem Jahr an der Kerwe beteiligt hätte.

Sicherheitskonzept ist das größte Problem

Die größte Schwierigkeit dürfte aktuell die Erstellung des Sicherheitskonzepts sein, da bisherige Anbieter aus zeitlichen Gründen abgewunken haben. In der Vorlage hatte die Tourist Service GmbH einen Betrag von 5000 Euro genannt. Wemhoener sagte, dass die vorgesehene Firma den Auftrag in diesem Jahr nicht übernehmen könne. Deshalb sei man auf der Suche nach weiteren Fachfirmen. Gunter Metz, der Festkoordinator der Gemeinde Haßloch, der die Verantwortlichen in Deidesheim berät, will in diesen Tagen weitere Fachfirmen kontaktieren, die in der Lage sind, innerhalb von vier Wochen das notwendige Konzept zu erstellen. Das Deidesheimer Ordnungsamt darf ein solches nicht erstellen. „Wir sind Kontroll- und Genehmigungsbehörde. Für ein Fest dieser Größenordnung ist das nichnt zulässig. Wir unterstützen aber gerne den externen Partner aufgrund unserer Ortskenntnis“, sagte Jochen Ohler, Leiter des Ordnungsamtes im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Erst wenn das Sicherheitskonzept in Abstimmung mit den Behörden genehmigt ist und der Veranstaltungsleiter und das notwendige Sicherheitspersonal feststehen, ist es gesichert, dass die Kerwe „uff de Gass“ stattfinden kann. Michael Krack, der der Stadt und der Tourist Service GmbH die Unterstützung zusagte, setzt auf den Zusammenhalt aller Beteiligten. „Wir sollten aufhören zu sagen: Das geht nicht, das können wir nicht. Stattdessen sollten wir an Lösungen arbeiten“, so Krack.

Alternative: Deidesheimer Weinsommer

Wemhoener machte deutlich, dass die aktuelle Planung, die der Stadtrat favorisiere, sehr mutig sei. Er befürchtet, dass bei einer Einzäunung der Festmeile mit 14 Zugangsstellen „die Bevölkerung durchdrehen wird“. Ohler sagte, eine Weinkerwe in Deidesheim sei ohne Sicherheitskonzept und Sicherheitspersonal nicht mehr durchführbar und fragte, was passieren werde, wenn sich keine Firma für das Sicherheitskonzept finden lasse. Für diesen Fall einigte sich der Stadtrat bei einer Enthaltung von Franz Arnold (FWG) darauf, dass mit dem von der Tourist Service GmbH favorisierten Konzept „Deidesheimer Weinsommer“ eine Kerwe in den Höfen stattfinden soll. Arnold sagte, es treffe nicht zu, dass sich hierbei 14 oder 15 Höfe beteiligen würden: „Das sind in erster Linie Gastronomiebetriebe und keine Weingüter“, sagte Arnold zu von Wemhoener vorgetragenen Auflistung. Bisher haben nur die Weingüter Kimich, Reichsrat von Buhl, von Winning und der Winzerverein Deidesheim ihre feste Zusage gegeben.

In der nächsten Stadtratssitzung am 5. Juli wird Stadtbürgermeister Dörr den Rat aktuell über die Durchführung der Weinkerwe informieren.

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