Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Jungen Ärzten wird Ansiedlung schmackhaft gemacht

Der Podcast der Südpfalz-Docs dient der Kontaktpflege. Der gemeinsame Bundesausschuss zur Steuerung der Arztzahlen hat für Rhein
Der Podcast der Südpfalz-Docs dient der Kontaktpflege. Der gemeinsame Bundesausschuss zur Steuerung der Arztzahlen hat für Rheinland-Pfalz einen Versorgungsgrad festgelegt, wonach auf 1671 Patienten ein Hausarzt kommt.

Hausärzte können sich aussuchen, wo sie ihre Praxis eröffnen. Sie werden umworben, weil es zu wenige Allgemeinmediziner gibt. Auch bereits niedergelassene Kollegen lassen sich einiges einfallen, um für die Region zu punkten. Da werden sogar Podcasts produziert. Dass auch Kommunen etwas tun können, zeigt ein Beispiel im Zellertal.

Der Virologe Christian Drosten hat einen, der Mediziner und Entertainer Eckart von Hirschhausen ebenso: den eigenen Podcast. Das können wir auch, werden sich die Südpfalz-Docs gedacht haben. Sie haben mittlerweile die fünfte Hörsendung produziert. Der Vorteil des Formats liegt auf der Hand: Es ist kostenlos jederzeit im Internet abrufbar.

Die Südpfalz-Docs, ein Zusammenschluss von Allgemeinmedizinern in der Region, hatten allerdings nicht den Patienten im Blick, sondern richten sich an Kollegen. Vereinsvorsitzender Jonas Hofmann-Eifler, Arzt in Rheinzabern, spricht im „Südpfalz-Doccast“ mit Mentor Christof Heun-Letsch, Internist aus Ludwigshafen, darüber, wie Hausärzte eine eingehende Leichenschau abrechnen müssen oder was bei der Digitalisierung des Hausarztpraxen zu beachten ist. Ein weiteres Beispiel: Die Rülzheimer Gynäkologin Katja Heuser berichtet über Untersuchungen bei Schwangeren.

Praxisnetz gründen?

Die Docs sind angetan von den positiven Rückmeldungen, auch aus Facharztkreisen. „Das ist Balsam für die Seele“, sagt Hofmann-Eifler, der gemeinsam mit zweitem Vorsitzenden Dominik Schubert aus Landau vor allem für Vermittlung und Kontaktpflege der Mitglieder sowie die Organisation von Seminaren steht. Der Verein nimmt zwar nur Hausärzte auf, ist aber wegen des großen Interesses von Fachärzten nicht abgeneigt, diese zunächst als Fördermitglieder aufzunehmen. Denkbar sei auch die Gründung eines Praxisnetzes mit Allgemein- und Facharztgruppen.

Was geht uns Patienten das alles an? Nun, die Initiativen der ehrenamtlich tätigen Südpfalz-Docs sollen auch zur Attraktivität der Südpfalz beitragen, damit sich junge Mediziner hier niederlassen. Nicht nur die landschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile der Region sollen überzeugen, sondern, wie Hofmann-Eifler erklärt, für Ärzte soll auch das funktionierende Netzwerk mit Weiterbildungsmöglichkeiten verlockend sein.

Keine Alleinmedizin

So denken mittlerweile viele junge Ärzte, die sich bundesweit zum Netzwerk „Die Junge Allgemeinmedizin Deutschland“ zusammengeschlossen haben. „Keine Lust auf Alleinmedizin?“ ist der Leitgedanke dabei. Die Südpfalz-Docs, ebenfalls Teil dieses Netzwerks, denken ebenso und möchten ihre Erfahrungen teilen. „Im Doccast wollen wir über das reden, was wir jeden Tag machen. Da können die anderen doch partizipieren“, sagt Hofmann-Eifler. Die Kollegen können auf der Fahrt in die Praxis oder in der Mittagspause reinhören, die Sendungen dauern 15 bis 30 Minuten. Der Erfolg beflügelt. „Wir planen auch Podcasts für Patienten“, so die jüngste Ansage des Vorsitzenden. „Da ist noch viel Musik drin.“

Von einer sehr guten Zusammenarbeit unter der Ärzteschaft spricht auch ein anderer Mediziner. Volker Thorn, HNO-Arzt in Landau, ist Vorsitzender der Ärztlichen Kreisvereinigung Landau-Südliche Weinstraße. Die Organisation ist ein Organ der Ärztekammer, die staatliche Aufgaben wahrnimmt und rund 730 Mitglieder zählt.

Über die Hälfte im Rentenalter

Volker Thorn legt beim Gespräch mit der RHEINPFALZ die neuen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) vor: In Bad Bergzabern sind 3 Hausarzt-Sitze offen, in Landau sind es 2, in Germersheim 11, im Bereich Kandel/Wörth 2,5, in Dahn 3, in Pirmasens 12,5, in Zweibrücken 7. Alarmierend sind die Prognosen der altersbedingten Nachbesetzung schon im Jahr 2022. Auf Basis des gesetzlichen Rentenalters fehlen dann im Kreis Südliche Weinstraße 52 Prozent der Hausärzte, 65 Prozent der Fachärzte und 46 Prozent der Psychotherapeuten.

Volker Thorn ist 70 Jahre alt und empfindet es als Privileg, noch arbeiten zu können. „Wir haben viele Ärzte im Ruhestandsalter, die weiterarbeiten und helfen, die Strukturen aufrechtzuerhalten“, hat kürzlich der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart aus Wörth im Gespräch mit der RHEINPFALZ gesagt. „Ohne die wären wir schlimmer dran.“ Ein kontinuierlicher Mahner in Sachen Ärztemangel ist der Rülzheimer CDU-Landtagsabgeordnete Martin Brandl, der die Landesregierung regelmäßig nach dem Stand der Dinge fragt. Die CDU kritisiert schon lange die zu geringe Anzahl von Studienplätzen.

Keine Rufbereitschaft

Die Entwicklung des Ärztemangels zeichnet sich seit Jahren ab. Thorn erinnert daran, dass schon die Gründung der Notfalldienstzentrale der Kreisärzteschaft am Vinzentius-Krankenhaus in Landau vor 20 Jahren mit ambulanten Kinderärztlichen Sprechstunden ein Signal an junge Mediziner gewesen sei. „Ihr müsst nicht jeden Abend am Telefon sitzen bis morgens um 7“, erläutert Thorn die Botschaft, von den Rufbereitschaften wegzukommen und damit die Attraktivität einer Niederlassung in Stadt oder Kreis zu steigern. Heute ist die KV Rheinland-Pfalz Trägerin der „Bereitschaftsdienstzentrale“ und honoriert die Ärzte.

Vorreiter im Land sei die Kreisärzteschaft auch 2019 mit der Gründung eines Weiterbildungsverbundes Allgemeinmedizin gewesen, so Thorn. Medizinstudenten, die ihr praktisches Jahr absolviert haben, können in Praxen und Krankenhäusern in Landau und an der Südlichen Weinstraße ihre fünfjährige Facharztausbildung absolvieren und müssen sich nicht jede Station selbst organisieren. „Sie müssen auch nicht umziehen“, erläutert Thorn. „Wir erhoffen uns natürlich, dass sie hier hängen bleiben.“ Er ist überzeugt, der gute Zusammenhalt im Netzwerk habe sich bewährt. Für die Daseinsvorsorge und die Infrastruktur der medizinischen Versorgung aber sei die Kommune zuständig, bekräftigt Volker Thorn.

Gemeinde kauft Praxis

Albisheim im Zellertal hat vorgemacht, wie es gehen könnte. Die knapp 1800 Seelen zählende Gemeinde im Donnersbergkreis hat seit Frühjahr 2020 wieder eine Praxis für Allgemeinmedizin. Eineinhalb Jahre zuvor war eine Gemeinschaftspraxis aus Altersgründen geschlossen worden. Die Mediziner hatten 4000 Patienten aus mehr als 20 Gemeinden betreut. Ortsbürgermeister Ronald Zelt erkannte schnell, dass er handeln musste – er hatte seinen Gemeinderat hinter sich. Von zwei turbulenten Jahren ist die Rede, von einem Drahtseilakt und von Felsbrocken, die aus dem Weg geräumt werden mussten.

Aber Zelt schaffte es: Die Gemeinde fand einen Investor für einen Neubau, kaufte die Praxisräume im Erdgeschoss und schloss mit dem jungen Arztehepaar Ulf Christian und Julia Niwa einen zehnjährigen Mietvertrag mit anschließender Kaufoption ab. Ein anderer Arzt war in der Zwischenzeit als Platzhalter eingesprungen. Die junge Hausarztpraxis stärkt in Albisheim nun auch den Stand eines jungen Apothekers, berichtete die RHEINPFALZ in der Donnersberger Rundschau.

Mancherorts tun Kommunen schon mehr, als nur an Mediziner zu appellieren, sich im Ort niederzulassen.
Mancherorts tun Kommunen schon mehr, als nur an Mediziner zu appellieren, sich im Ort niederzulassen.
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