Albisheim
Im Frühjahr soll neue Hausarztpraxis öffnen
Die vorherige Gemeinschaftspraxis hatte Ende 2018 aus Altersgründen geschlossen. Nach vielen Gesprächen und Bemühungen kann nun das „Projekt Arztpraxis“ in wenigen Monaten erfolgreich abgeschlossen werden. Mit dem Kauf eines Gebäudetraktes hat die Ortsgemeinde vor wenigen Tagen den Weg zur Ansiedlung einer neuen Praxis endgültig freigemacht. „Damit war für uns die letzte Hürde genommen, mit dem Arztehepaar Julia und Ulf Christian Niwa einen Pachtvertrag abzuschließen“, zeigte sich Ortsbürgermeister Ronald Zelt überaus glücklich – zumal in Zeiten, wo nach Allgemeinmedizinern händeringend gesucht wird.
Viele schlaflose Nächte habe es ihn gekostet, bis das Vorhaben endlich verwirklicht werden konnte, sagte Zelt weiter. Außerordentlich dankbar ist er auch „seinem“ Gemeinderat, der den Erwerb eines Gebäudeteils und die Verpachtung an die Ärzte einstimmig abgesegnet hat. Dank zollt er ferner dem Kämmerer der VG-Verwaltung, Fritz Jilek, der die Gemeinde in der Finanzierungsplanung hervorragend begleitet und die Grundlage für die erforderliche kommunalaufsichtliche Genehmigung geschaffen habe.
Im Beisein der Beigeordneten Mattias Dietz (WAB) und Dieter Runck (SPD) haben Zelt und Ulf Niwa nun einen längerfristigen Pachtvertrag inklusive Verlängerungsoption unterzeichnet. Der Vertrag umfasst den Praxisbereich mit rund 300 Quadratmetern im Erdgeschoss des Neubaus sowie die komplette Außenanlage mit den erforderlichen Stellplätzen. Die Praxis selbst soll einer modernen medizinischen Versorgung gerecht werden, das Inventar für zirka 300.000 Euro sei bestellt.
Termine online möglich
Auch die digitalen Anforderungen würden erfüllt: Termine und Fragebögen können online vergeben beziehungsweise ausgefüllt werden. Aufgrund der Nachfrage sei eine Warteliste für künftige Patienten schon angelegt. „Wenn alles glattgeht und nichts Unverhofftes mehr dazwischenkommt, soll Mitte April eröffnet werden“, sagt Niwa. Wegen der nötigen Vorlaufzeit und des zu erwarteten Ansturms soll das Personal bereits Anfang April mit der Arbeit beginnen. Seine Ehefrau, die im Dezember ihr zweites Kind erwartet, soll zu einem späteren Zeitpunkt ihre Tätigkeit in der Praxis aufnehmen.
Der promovierte Allgemein- und Notfallmediziner mit Anerkennung für die Bereiche manuelle Medizin und Chirotherapie mit Schwerpunkt Rücken hat Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät Tübingen studiert. Stationen des im Sauerland geborenen Niwa waren nach seiner Tübinger Zeit das Klinikum Worms, Arztpraxen in Bobenheim-Roxheim, Kirchheimbolanden und Worms. Seit diesem Jahr leitet er den Qualitätszirkel „Junge Allgemeinmediziner“.
Als Grund, warum er trotz der gerade in ländlichen Regionen großen Nachfrage nach Hausärzten so lange Geduld aufgebracht hat, nennt er die stets offenen und fairen Verhandlungen mit Ex-Ortsbürgermeister Strack. „Ich kenne die Gegend, das Zellertal. Es gefällt mir sehr gut. In die Stadt wollte ich nicht. Dort ist es mir zu anonym. Ich mag die persönlichen Kontakte auf dem Land“, bekennt sich Niwa zu seiner Tätigkeit als Landarzt. Mit entscheidend sei außerdem gewesen, dass er von Anfang planerisch in das Projekt eingebunden gewesen sei.
Sehr erleichtert darüber, dass jetzt endlich alles in trockenen Tüchern ist und die drohende hausärztliche Versorgungslücke in wenigen Monaten geschossen werden kann, zeigt sich Torben Schreiner von der benachbarten Sonnenapotheke. Wäre das Ärzteprojekt gescheitert, so wäre auch der Fortbestand der Albisheimer Apotheke höchst gefährdet gewesen, macht der Jungapotheker keinen Hehl aus zwischenzeitlichen Existenzängsten.
Steinig und nervenaufreibend
Die vergangenen zwei Jahre waren für die Verantwortlichen der Kommune steinig und nervenaufreibend, allen voran für Zelt und seinen Amtsvorgänger Strack. Dieser habe hartnäckig und unermüdlich das Ziel verfolgt, wieder Allgemeinmediziner nach Albisheim zu holen. Im Mai des vergangenen Jahres schien die Angelegenheit eigentlich schon in trockenen Tüchern – ein Standort war gefunden und sogar schon Pläne erstellt. Doch in letzter Minute platzte das Vorhaben: Die Finanzierung mit einem Investor und ein langwieriges Genehmigungsverfahren machten die Hoffnung auf eine baldige Praxiseröffnung zunichte.
Aber die Enttäuschung währte nur kurz. Die Standortfrage – mehrere Optionen waren im Eilverfahren zu prüfen – und die Finanzierung erforderten rasche Lösungen. „Oft war es wie ein Drehen im Kreis. Hoffnung und Enttäuschung lösten sich ab. Die Suche nach Ärzten, die Standortfrage, Investorenwechsel, langwierige Genehmigungs- und Zulassungsverfahren sowie kommunale Finanzprobleme, dann Verzögerungen durch die Coronakrise waren enorme Herausforderungen“, zog Zelt bei der Vertragsunterzeichnung Resümee – stolz, aber auch erleichtert.
Die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende hausärztliche Versorgung von Albisheim und dem Umland bleibt also gewahrt. Bis zur Praxisaufgabe vor zwei Jahren wurde ein Stamm von zirka 4000 Patienten aus mehr als 20 Gemeinden registriert. Nach der Eröffnung werden Hausärzte, eine Zahnarztpraxis, eine gynäkologische Praxis und eine Apotheke die gesundheitliche Daseinsvorsorge sichern.