Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Innenstadt: Einbahnstraßen ersetzen Einbahnstraßen

Diese Einbahnstraße kommt bald weg. Wirklich.
Diese Einbahnstraße kommt bald weg. Wirklich.

Die Zeit der Einbahnstraßenregelung in der Innenstadt läuft ab. Die Stadt legt ein neues Konzept vor, wie der Verkehr geregelt werden soll. Mit einer überraschenden Volte.

Die Einbahnstraßen sind tot – es leben die Einbahnstraßen. Rund fünf Monate nach dem Beschluss des Stadtrats, die umstrittenen Einbahnstraßen im Zentrum zwischen Weißquartierplatz und Gloria zu entfernen, hat die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Dominik Geißler (CDU) und den Chef der Abteilung Straße im Bauamt, Ralf Bernhard, das Nachfolgekonzept vorgestellt. Einbahnstraßen sollen die Einbahnstraßen ersetzen.

Künftig werden die Weißquartier- und die Reduitstraßen auf der Länge bis zur Industriestraße Einbahnstraßen werden – und zwar ab der Martin-Luther-Straße. Die Weißquartierstraße wird von Süden nach Norden (also vom Weißquartierplatz Richtung Finanzamt), die Reduitstraße gen Süden (also vom Gloria Richtung Weißquartierplatz) befahrbar sein. Die Einbahnstraßenregelung der Ostbahnstraße auf dem Teilstück vor der Sparkasse wird aufgehoben, hier läuft der Verkehr wieder in zwei Richtungen. „Dann können Autofahrer auch wie gewohnt rechts parken“, sagt Bernhard im Unterausschuss Verkehr des Stadtrats.

An dieser Stelle finden Sie Kartenmaterial von Google Maps.

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Autofahrer überlegt sich, ob Abkürzung lohnt

Damit wird aber ein Problem geschaffen, das durch die Einbahnstraßen gelöst wurde: Der Durchgangsverkehr zwischen Süd- und Nordring kann wieder fließen. Aber: Dieser soll mit Aufpflasterungen, sogenannten Tellern, wie sie aus dem Landauer Süden bekannt sind, gebremst und geärgert werden. Dazu werden Parkplätze eingerichtet, die ebenfalls als Verkehrshindernisse dienen. Der Autofahrer wäge ab, ob er sich diese Durchfahrt antun wolle oder ob er nicht doch schneller über den Ostring unterwegs sei, ist sich Geißler sicher.

Ein weiteres Problem ist der Parksuchverkehr am Weißquartierplatz. Verhalten sich die Autofahrer wie gewohnt, kommen sie möglicherweise mit den Einbahnstraßen in Konflikt – oder sie müssen, um eine andere Reihe anzusteuern, im schlimmsten Fall um den Block fahren. Um das Problem zu lösen, sollen auch die Wege auf dem Platz zu Einbahnstraßen werden. So könne man in eine Parkreihe fahren, die Einbahnstraße nutzen, um die nächste Reihe anzusteuern und so weiter, erklärt Bernhard.

Vorschlag stammt von einem Bürger

Das bedeute aber auch, dass man bei einigen Parkplätzen rückwärts einparken müsse, merkt FWG-Fraktionsvorsitzende Gisela Kalvoda an. Ja, bedeute es, antwortet Bernhard, denn den Platz umzupflastern oder neu zu streichen sei zu teuer. Das widerum nötigt den AfD-Fraktionsvorsitzenden Norbert Herrmann zur sexistischen Bemerkung, dass Männer dann eben künftig rückwärts einparken müssten und Frauen vorwärts.

Auffällig ist, dass dieser neue Ansatz von der zuvor durch die Verwaltung ins Spiel gebrachten Idee abweicht. Diese sah vor, die Straßen wieder in beide Richtungen zu öffnen, aber Verschwenkungen, Teller und Parkplätze so anzuordnen, dass der Verkehr heftig ausgebremst wird. Dieser alte Vorschlag sei jedoch im Zuge der Bürgerbeteiligung kritisiert worden und auf Ablehnung gestoßen, sagt die für die Bürgerbeteiligung zuständige Franziska Ritter. Der neue Vorschlag wurde von einem Bürger während des Beteiligungsprozesses eingereicht.

Beteiligung für die Katz’?

In diesem Beteiligungsprozess habe es viele Stimmen gegeben, die für eine Beibehaltung der jetzt gültigen Regelung votiert haben, berichten Udo Lichtenthäler (Grüne) und Carsten Triebel (FDP), was sich mit Beobachtungen der RHEINPFALZ bei der Veranstaltung Ende Januar deckt. Er zähle allein bei der Online-Beteiligung 190 Stimmen, die für einen Beibehalt gewesen seien, und 110, die für eine Alternative votiert haben, sagt Triebel – und löst damit einen bemerkenswerten Wortwechsel aus. Das spiele keine Rolle, kontert Geißler. Denn der Stadtrat habe ja bereits beschlossen, die jetzige Regelung abzuschaffen. „Wir können sie nicht beibehalten.“ – Triebel: „Das heißt, die Bürgerbeteiligung war für die Katz’?“ – Geißler: „Ja, natürlich.“ Bürgerbeteiligung heiße ja nicht, das zu machen, was die Mehrheit will, wirft daraufhin SPD-Fraktionsvorsitzender Florian Maier in die Runde.

So oder so – der neue Vorschlag scheint der Mehrheit der Ratsmitglieder zu gefallen. Bernd Löffel (CDU) nennt den Vorschlag ein „logisches Konzept“, das den Verkehr beruhigen werde. Und es werde Autofahrern die Argumente nehmen, wegen der Einbahnstraßen nicht mehr in die Stadt zu kommen. Auch von den anderen Fraktionen ist zumindest kein eindeutiger Widerspruch gegen die neue Idee zu vernehmen. Auch die SPD, die im Wahlkampf versprochen hatte, die Einbahnstraßen in diesem Bereich abzuschaffen, hält die neuen Einbahnstraßen für eine gute Lösung. Geht alles glatt, können die Neuerungen wohl im Mai in Kraft treten.

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